Katharina Fröhle zum Einfluss von Gremien und Verbänden

BDKJ-Leiterin: Katholiken müssen weltpolitischer unterwegs sein

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Zu oft drehen sich engagierte Katholiken um sich selbst, überlagern innerkirchliche die weltpolitischen Konflikte. Das muss sich ändern, fordert Katharina Fröhle, geistliche Leiterin des BDKJ-Diözesanverbands Münster.

„Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.“ Dieses Zitat vom französischen Bischof Jacques Gaillot schwebt mir oft vor Augen, wenn ich in Gremien und Arbeitsgruppen einmal mehr erlebe, dass wir um uns selber kreisen. Öfter als mir lieb ist, finde ich mich in einer deutschen katholischen Kirchenwelt wieder, die dazu tendiert, sich in pastoralen Strukturprozessen zu verlieren oder in Selbstverwaltung zu ersticken. Die innerkirchlichen Baustellen dürfen aber nicht unsere Hauptaufmerksamkeit bekommen. Für den Dienst am Reich Gottes müssen wir den Blick viel weiter richten – und weltpolitischer sein!

Wenn 770 Millionen Menschen trotz Überfluss Hunger leiden, Klimaziele nicht eingehalten werden, Menschenrechte an EU-Außengrenzen verletzt werden oder ein Rechtsruck durch Politik und Gesellschaft geht, können wir uns als Christ*innen nicht nur in kirchenpolitischen Diskussionen verkriechen. Wir brauchen die Courage, neben den eigenen innerkirchlichen Herausforderungen ambitioniert und selbstlos den weltlichen entgegenzutreten. Politische Visionen, die einem Leben in Fülle für alle nahe kommen, gibt es bereits. Um Weltbürger*innen­rechte, das Schuldenerlassjahr, ein Ende des Kapitalismus oder den Ausstieg aus fossilen Energien real werden zu lassen, braucht es starke politische Einflussnahme und gesellschaftlichen Nachdruck.

Größere Wirkmacht nutzen

Die Autorin
Katharina Fröhle studierte Chris­tentum in Kultur und Gesellschaft an der WWU Münster. Die 36-Jährige arbeitet als Pastoralreferentin des Bistums und ist Geistliche Leiterin des Diözesanverbands des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Im Diözesankomitee ist sie Vorstandsmitglied und begleitet den Sachausschuss Umwelt.

Katholische Institutionen, Verbände, Gremien aller Ebenen können hier Schlüsselrollen übernehmen, da sie durch ihre teils demokratischen Partizipationsstrukturen moralisches Sprachrohr sind. So fordern sie unter anderem bereits auf nationaler Ebene bedingungslose Grundeinkommen, boykottieren die AfD, unterzeichnen Klimaschutzappelle, gewähren Kirchenasyl oder positionieren sich zum internationalen Lieferkettengesetz. Darüber hinaus könnten sie als gesellschaftliche Akteure aber auch Druck ausüben, wenn sie große Mengen mobilisieren, zu Demonstrationen oder zivilem Ungehorsam aufrufen. Für eine größere Wirkmacht müssen wir uns verbünden – auch über die katholischen und lokalen Kreise hinaus.

Ich wünsche, dass wir uns als privilegierte deutsch-katholische Kirche in unseren Gremien, Verbänden, Institutionen und Gemeinden vorrangig in diesen Dienst stellen, anstatt uns von nachsynodaler Verzweiflung und Selbsterhaltungsversuchen lähmen zu lassen.

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.