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Michael Rottmann zum Krieg in der Ukraine

Bitte kein Russen-Bashing: Der Schuldige heißt Putin, nicht Pjotr!

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Schuld am Krieg in der Ukraine sind nicht „die Russen“, sondern der russische Staatspräsident Wladimir Putin. Und niemand darf Menschen wegen ihrer Herkunft oder ihrer Sprache mit dem Despoten in einen Topf werfen, warnt Redakteur Michael Rottmann in seinem Kommentar.

Wut und Zorn sind berechtigt, aber sie müssen den Richtigen treffen: Putin! Wer hat die Welt belogen und betrogen? Wer hat den Krieg gegen ein Nachbarland angezettelt? Wer ist schuld an Not, Vertreibung und Sterben? Russlands Staatschef Wladimir Putin! Der Kriegstreiber und Despot sowie seine militaristische Entourage. Putin und nicht: „die Russen“.

Schon gar nicht der kleine Pjotr. Der 8-jährige Sohn einer Spätaussiedlerfamilie in einer niedersächsischen Kleinstadt, der in einer Pause zu seiner Lehrerin sagt: „Ich bin traurig, weil ich aus Russland komme und alle sagen: ,Die Russen sind schuld am Krieg!‘. Aber ich bin doch auch gegen den Krieg!“ 

„Das ist nicht der Krieg der Russen“ 

Der Steppke in Deutschland genauso wie all die russischen Menschen, die sich in Demonstrationen in ihrer Heimat mutig gegen die brutalen Angriffe stellen – und dafür sogar Gefängnis in Kauf nehmen. Auch sie sind Putins Opfer.

Deshalb hat Berlins Erzbischof Heiner Koch Recht, wenn er bei einer Friedensandacht in der ukrainisch-griechisch-katholischen Gemeinde der Hauptstadt seine Hochachtung vor diesen mutigen Anti-Kriegs-Demonstranten in Russland ausdrückt und zugleich vor Anfeindungen und Vorurteilen gegenüber Menschen aus Russland gewarnt und gesagt hat: „Das ist nicht der Krieg der Russen und Russlands“. 

Solidarität und Mitgefühl

Im Moment stehen für die meis­ten Menschen in unserem Land Solidarität und Mitgefühl für die überfallene Ukraine und die von dort geflüchteten Menschen im Fokus. Für Menschen, die in ihrer Heimat oder als heimatlose Flüchtlinge unter dem brutalen Überfall durch Putin leiden. Das ist richtig und wichtig.

Es darf aber nicht dazu führen, andere allein wegen ihrer Herkunft oder ihrer Muttersprache in einen Topf mit dem Kriegstreiber aus Moskau zu werfen. Diese Art von pauschaler Russenfeindlichkeit oder gar Diskriminierung, Beleidigung und Mobbing von Menschen ist unwürdig und gefährdet die Grundprinzipien unseres Zusammenlebens. Der Schuldige heißt Wladimir, nicht Pjotr.

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