„Ausstrahlung der gestohlenen Canisius-Reliquie nicht zu ersetzen“

Canisianerbruder in Kevelaer traurig über Reliquien-Diebstahl

Für Canisianerbruder Thomas Bischop ist der Diebstahl des Armreliquiars aus der Sakramentskapelle im Marienwallfahrtsort Kevelaer doppelt traurig, sagt er: „Zum einen, weil es immer schade ist, wenn sich Menschen an religiösen oder sakralen Gegenständen vergreifen.“ Zum anderen hat die Reliquie eine besondere Bedeutung für seine Brüdergemeinschaft: „Petrus Canisius ist unser Namenspatron und die Gemeinschaft wurde 1854 in Kevelaer gegründet.“

Canisianerbruder Thomas Bischop
Canisianerbruder Thomas Bischop lebt in Kevelaer. | Foto: Gerhard Seybert

Vom Verschwinden des Reliquiars erfuhr Bruder Bischop erst beim Abendessen im Priesterhaus, bei dem sich viele in der Wallfahrt Beschäftigte treffen. „Habt ihr schon gehört, was heute passiert ist...“, begannen die Küster sofort. Ihr Bericht machte ihn nachdenklich: „Es ist ärgerlich, dass jemand so etwas klaut – der ideelle Wert ist doch viel größer als der Materialwert.“ Auch für den 80-Jährigen, der täglich am Reliquiar vorbeiging, wenn er die Opferstöcke des Wallfahrtsortes leerte. „Ich habe den heiligen Petrus Canisius dann immer im Stillen gebeten, an unsere Gemeinschaft zu denken.“

Leeres Gittergestell

Deswegen führte ihn sein erster Weg am Mittwochmorgen nach dem Diebstahl sofort in die Kapelle direkt neben der Marienbasilika. „Am Vorabend war das nicht möglich, weil die Polizei dort noch mit der Aufnahme der Spuren beschäftigt war.“ Das leere Gittergestell mit dem aufgehebelten Schloss habe ihn betroffen gemacht. Gleichwohl hat er die Hoffnung, dass das Reliquiar bald wieder auftauchen wird. „Der Arm als Aufmachung ist doch so ungewöhnlich, dass man es wohl nicht so einfach zu Geld machen kann.“

Auf die spirituelle Ausstrahlung müssen die Menschen jetzt aber verzichten. Eine Ausstrahlung die auch die Gemeinschaft der Canisianer seit mehr als 150 Jahren antreibt, sich in sozialen und pastoralen Bereichen etwa als Altenpfleger, Erzieher, Pastoralreferent, Diakon oder Priester einzubringen. „Petrus Canisius war ein Mann von eigener und tiefer Frömmigkeit, der stets auf der Suche nach zeitgemäßen Wegen der Glaubensweitergabe war“, schreiben die Canisianer auf ihrer Internetseite. Deshalb versuchten sie auch heute, „den Menschen in den Zeichen der Zeit zu begegnen und sie in ihrer Freude und Hoffnung, Trauer und Angst zu begleiten“.

Reliquie kam aus Nijmegen

In der Sakramentskapelle aufgestellt worden war das Reliquiar vor etwa 30 Jahren. Der damalig Wallfahrtsrektor und heutige emeritierte Domkapitular Richard Schulte Staade hatte sich um die Reliquie des Heiligen bemüht, als er zu Beginn seiner Tätigkeit in Kevelaer den leeren Reliqienarm im Tresor entdeckt hatte. „Die Wahl von Petrus Canisius lag auf der Hand“, erklärte der 85-Jährige. „Zum einen aufgrund der Ordensgründung der Canisianer im Wallfahrtsort, als auch wegen des großen neuen Wallfahrtszentrums, das Canisiushaus genannt wurde.“ Die Reliquie erhielt er über Kontakt zur Canisius-Gemeinde im niederländischen Nijmegen, wo Petrus Canisius geboren wurde.

Am Dienstagabend hatte ein Küster beim Abschließen der Kapelle den Diebstahl des Reliquienbehältnisses bemerkt. Detaillierte Informationen zum Tathergang hat die Polizei bislang noch nicht bekannt gegeben. Hinweise erbittet die Kripo Goch unter Telefon 0 28 23-10 80.