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Bodo Bernsdorf aus Werne musste den Pilgerweg abbrechen

Corona macht Santiago de Compostela unerreichbar

Das Corona-Virus hat auch das Pilgern nach Santiago de Compostela abrupt beendet. Wann der Camino, die Herbergen und die Kirchen im Norden Spaniens wieder zugänglich sind, bleibt weiterhin ungewiss.

Als er Anfang März aufbrach, um den französischen Jakobsweg von St.-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela zu laufen, hatte Bodo Bernsdorf das Corona-Virus noch nicht auf dem Radar. Die Berichte aus China und die anfänglichen Meldungen aus Norditalien waren so weit weg, dass sich kein Jakobspilger im Norden Spaniens Gedanken darüber machte. Dann aber ging alles ganz schnell. Nach nur wenigen Tagen seines für fünf Wochen geplanten Wegs erschienen plötzlich Militär und Polizei auf den Etappen. Wenige Stunden später saß der Geograf aus Werne in einem Flieger zurück nach Deutschland.

„Der Ernst der Lage wurde uns erst bewusst, als wir in die Gesichter der Polizisten schauten, aus denen das sonst so freundliche Lächeln verschwunden war“, erzählt Bernsdorf. Das war in Logrono, wo er und die kleine internationale Gruppe Pilger, die auf den Etappen zusammengefunden hatte, Station machte. „Plötzlich sahen wir im Fernsehen, wie in Santiago das Militär die Kathedrale abgeriegelt hatte und die Straßen kontrollierte.“

Im Hotspot der Pandemie

Auch die Wege aus Logrono waren mittlerweile blockiert. Die Corona-Ausgangsperre in Spanien wurde mit aller Schärfe umgesetzt, es gab keine Möglichkeit mehr, von einem Ort zum nächsten zu gelangen. „Ohne es zu wissen, waren wir in einem Hotspot der Pandemie gelandet.“ Die Verunsicherung unter den Pilgern war groß. „Es ging nicht mehr weiter und nicht mehr zurück“, sagt Bernsdorf. „In der Stadt bleiben durften wir aber auch nicht.“

Spätestens als ihnen ein Polizist mitteilte, dass sie mit einer Geldstrafe von bis zu 300.000 Euro rechnen mussten, wenn sie nicht innerhalb eines Tages abreisten, wurde ihnen das Ausmaß der Situation bewusst. Also saß er wenige später in einem Bus Richtung Madrid, wo er eine Nacht im Schlafsack auf dem Flughafen verbrachte. Dann ging sein Flieger zurück nach Deutschland.

Die Compostela gibt es derzeit nicht

Der Lockdown hat alle Jakobswege in den Westen Spanien abrupt beendet. Sämtliche Herbergen sind geschlossen, die Kirchen nicht zugänglich, das riesige Weihrauchfass in der Kathedrale wird nicht geschwenkt. Die Compostela, die Urkunde für das Erreichen des Wallfahrtsortes, wird derzeit nicht ausgestellt. Auch die deutsche Jakobspilger-Seelsorge in Santiago de Compostela, die von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Zusammenarbeit mit dem Bistum Rottenburg-Stuttgart organisiert wird, ist geschlossen. Die ehrenamtlichen Teams, die vor Ort Gottesdienste, Gesprächsrunden und Führungen organisieren, reisten in diesem Jahr erst gar nicht an.

„Wir wissen nicht, wann und wie es weitergeht“, sagt Michael Altmaier vom Katholischen Auslandssekretariat der DBK. „Unsere anfängliche Hoffnung, in der zweiten Jahreshälfte wieder Pilger begrüßen zu können, haben wir abgelegt.“ Alles hängt von den Entwicklungen in Spanien ab. Nur wenn dort Beschränkungen wieder aufgehoben werden, wird Pilgern, in welcher Form auch immer, wieder möglich sein.

Leidet die Infrastruktur des Caminos?

Das gilt nicht nur für den Zielort selbst, sagt Altmaier. „Auch einzelne Etappen können derzeit nicht gelaufen werde.“ Dazu wäre eine Öffnung der Provinzgrenzen erforderlich, die der Camino ständig überquert. Und auch dann wäre die Infrastruktur noch nicht wieder soweit, dass sie Pilger aufnehmen dürften. „Herbergen und Hotels sind weiterhin geschlossen.“ Die spanische Regierung hat zwar angekündigt, die Landesgrenzen im Juli wieder zu öffnen; wann genau das aber sein wird, welche Auflagen damit verbunden wird und wie sich die Öffnung auf die innerspanischen Regionen auswirkt, ist noch nicht klar.

Altmaier und seine Mitarbeiter hoffen auf baldige Besserung. „Wir sollten aber mit Ruhe abwarten – alles andere wäre unvernünftig.“ Die deutsche Pilgerseelsorge in Santiago kann dann sofort wieder hochgefahren werden (hier geht es zur Homepage). „Meine Sorge ist aber, dass es viele Unterkünfte und spirituelle Angebote, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt haben, dann nicht mehr gibt.“ Kleine Privatherbergen, die wegen der wachsenden Pilgerströme, entstanden sind, könnten den Lockdown finanziell nicht lange überstehen.

Für Bodo Bernsdorf ist ein kleiner Traum geplatzt. Zwar war der 57-Jährige schon einige Mal in Santiago, aber dieses Mal hatte er sich fünf Wochen freischaufeln können, um die lange Strecke aus Frankreich an einem Stück zu gehen. „Ob das bis zu meiner Rente noch einmal möglich ist, glaube ich kaum.“

Buch-Tipp:
Michael Bönte (Hrsg.): Ich bin dann mal hier. Spiritueller Begleiter auf dem historischen Jakobsweg von Bielefeld nach Wesel | Paperback | 144 Seiten | 16 x 10 cm | ISBN 978-3-944974-07-1 | dialogverlag 2015. Hier können Sie das Buch bequem sofort bestellen.

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