BDKJ-Vorsitzender kritisiert Vorgehensweise bei Beratungen

Das Abschlussdokument der Vorsynode der Jugend

Junge Menschen wünschen sich eine Kirche, die sie ernst nimmt, die zu Fehlern steht, den Glauben authentisch lebt, weniger abgehoben spricht und echte Orientierungshilfe bietet. Das geht aus dem Abschlussdokument der Jugend-Vorsynode hervor, das am Sonntag Papst Franziskus übergeben wird. Allzu oft erscheine die Kirche „zu streng“ und werde mit „überzogenem Moralismus“ verbunden, heißt es in dem Dokument.

Kirche soll willkommen heißen

Zudem sei es für junge Menschen schwer, die Logik des „Das-war-schon-immer-so“ zu überwinden. „Wir brauchen eine Kirche, die willkommen heißt und barmherzig ist, die ihre Wurzeln und ihr Erbe würdigt und jeden liebt, auch jene, die nicht den allgemeinen Standards folgen“, heißt es. Dann werde die Kirche für viele wieder überzeugender.

Das von den Teilnehmern, darunter auch Angehörige anderer Religionen und Nichtglaubende, mit Hilfe eines Redaktionsteams erarbeitete Dokument gliedert sich in drei Teile. Im ersten und längsten werden Herausforderungen und Chancen für junge Menschen zusammengetragen. Im zweiten geht es um Glaube und Lebensentscheidungen sowie den Wunsch nach ernstgemeinter Begleitung.

Lebensentscheidungen oft ohne Gott

Viele Jugendliche befassten sich zwar mit wichtigen Lebensentscheidungen, brächten das aber nicht mit dem Glauben und Gott in Verbindung. Das sei auch schwierig, wenn junge Menschen und besonders Frauen „Schwierigkeiten haben, sich in der Kirche aktiv zu beteiligen und sogar zu führen“. Ein langer Absatz befasst sich zudem mit sozialen Medien, die im Leben junger Menschen eine große, aber auch zwiespältige Rolle spielten.

Andonie beklagt nachträgliche Änderungen

Kritik an der Vorgehensweise bei der Erarbeitung des Dokuments äußerte der Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Thomas Andonie.  Er zeigte sich verwundert darüber, dass das den Delegierten zur Zustimmung vorgelegte Abschlussdokument im Vergleich zu den gemeinsam erarbeiteten Entwürfen stark verändert worden sei.

Es sei „ärgerlich“, dass die jungen Vorsynodenteilnehmer am Ende nur zur Zustimmung aufgefordert worden seien, betonte Andonie. Die deutschen Delegierten hätten dagegen bereits zu Beginn der Versammlung transparente Verfahren und keine „Scheindemokratie“ eingefordert.

„Wir brauchen nicht alte Platitüden“

Der Feststellung, die Kirche müsse ihre Haltung zur Rolle der Frau in ihren eigenen Reihen lediglich besser erklären, könnten die deutschen Teilnehmer nicht zustimmen, sagte Andonie. Dieser Absatz sei überraschend ohne Möglichkeit einer Reaktion der Vorsynodenteilnehmer in den Text aufgenommen worden. „Wir brauchen den Wunsch, etwas zu verändern, nicht alte Platitüden“, sagte er.

Auch beim Thema Jugend und Technologie sei zum Abschluss ein „negativer Zungenschlag“ hinzugefügt worden, der nicht Konsens gewesen sei. Junge Menschen seien sehr wohl in der Lage, moderne Technologien zu nutzen.