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CDU-Politiker beim "Abend der Caritas" im Oldenburger Land

De Maizière: Pochen auf Sonderrechte führt Kirchen ins Abseits

  • Der langjährige Bundesminister Thomas de Maizière (CDU) hat die Kirchen davor gewarnt, zu stark auf dem sogenannten Dritten Weg zu bestehen, um ihn nicht gänzlich zu gefährden.
  • Der engagierte Protestant äußert sich in einem digitalen Vortrag beim "Abend der Caritas" des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg.
  • Zugleich beklagte de Maizière, die Kirchen seien in fundamentalen Fragen wie Sterbehilfe und Corona-Pandemie "zu leise".
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Der langjährige Bundesminister Thomas de Maizière (CDU) hat die Kirchen davor gewarnt, zu stark auf dem sogenannten Dritten Weg zu bestehen. Damit setzten sie das ihnen bislang grundgesetzlich garantierte Recht auf Spiel, etwa die Arbeitsbedinungen ihrer Angestellten selbst zu definieren. Gleichwohl gerate dieser Sonderweg der Kirchen in Kritik - durch die Säkularisierung der Gesellschaft, aber auch durch Gerichte, die sich in letzter Zeit etwa zur Bedeutung der Kirchenzugehörigkeit oder zur Lebensform von kirchlichen Mitarbeitenden geäußert haben.

In seinem digitalen Vortrag beim "Abend der Caritas" des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg äußerte der engagierte Protestant die Sorge, die Kirchen könnten so ihre Reputation verlieren: "Je mehr Sie formalisierend auf dem Dritten Weg bestehen, desto kleiner wird er werden." De Maizière riet, die Gerichte nicht zu viel zu fragen. Stattdessen sollten sich etwa Caritas und Diakonie durch eine besondere Qualität ihrer Dienste von anderen unterscheiden: "Nur wenn Sie spezifisch besser sind, wenn etwa die Sterbebegleitung im Hospizdienst besonders gut ist, wird der Dritte Weg bestehen." Die Konzentration auf diese "besondere Qualität" sei die "einzige Zukunftssicherung" für die kirchlichen Sozialverbände wie Caritas und Diakonie.

De Maizière: Kirchen sind zu leise

Zugleich forderte de Maizière die Kirchen auf, in fundamentalen ethischen Fragen in ökumenischer Einigkeit zu sprechen - etwa in der Frage der Sterbehilfe. "Da sind die Kirchen zu leise", beklagte der Politiker auch hinsichtlich ihrer Präsenz in der Corona-Pandemie. "Nicht im Blick auf das, was die Kirche getan hat, das war großartig", präzisierte er. Vermisst habe er jedoch "das große, weiterführende, klärende und tröstende Wort - etwa da, wo Corona als Strafe Gottes erklärt wurde".

De Maizière würdigte den "ständigen Dialog" von Staat und Kirche, zumal der Staat auf Partner wie die Wohlfahrtsverbände angewiesen sei: "Es gibt keine einzige andere Institution in unserer Gesellschaft, mit der von politischer Seite so intensiv gesprochen wird, wie mit den Kirchen." Dessen müssten sich ihre Vertreter bewusst sein. Gleichwohl beklagte er eine fehlende Balance: "Vom Ambo oder der Kanzel betrachtet, ist Politik leicht zu kritisieren." Als Beispiele nannte er Fragen der Gerechtigkeit. "Umgekehrt aber ist Kritik aus der Politik an die Kirche verpönt und wird als übergriffig angesehen." 

Theorie klar, Praxis schwierig

Der Staat sei zwar weltanschaulich neutral, "aber wir sind nicht fern von den Kirchen", betonte de Maizière: "Wir sind freundlich zugeneigt. Das darf man allerdings auch nicht überstrapazieren." Es sei kein Problem, sich auf Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl, die Grundlagen der katholischen Soziallehre, zu verständigen. Er habe jedoch in seiner Zeit als Minister den Eindruck gewonnen, "dass aus den Kirchen mit dem Anspruch des Glaubens definiert wird, was das tatsächliche Wohl unserer Gesellschaft ist. Das ist ein Problem." Schwierig werde es, wenn die Praxis folgt: "Wer hat Anspruch auf Sozialhilfe? Wie hoch muss das Pflegegeld sein? Wer bekommt Asyl, wer wird abgeschoben? Was ist, wenn die Kirchen damit nicht einverstanden sind und Kirchenasyl gewähren?" 

Auch wenn Christen gemeinsame Wertvorstellungen teilten und sie als grundlegend für Gesellschaft und politisches Handeln verstünden: "Wir müssen auch akzeptieren, dass das nicht alle in Deutschland so sehen. Damit müssen wir Christen leben."

Tepe: Dank an Mitarbeitende in der Pandemie

Gerhard Tepe, Direktor des Landes-Caritasverbands, dankte allen Mitarbeitenden für ihren Einsatz während der Corona-Pandemie: "Sie alle haben sich im doppelten Sinn kümmern müssen - um die ihnen anvertrauten Menschen und um ihre Familien." Durch diesen Einsatz sei der Wert der "beruflichen Nächstenliebe" deutlich geworden. An der "ermüdenden Diskussion" darum, ob diese Arbeit systemrelevant sei, wolle er sich nicht beteiligen. Für ihn sei jedoch klar: "Diese Arbeit ist auf alle Fälle lebensrelevant."

Tepe warnte die Politik davor, im sozialen Bereich vorschnell einzusparen. "Für eine starke Gesellschaft brauchen wir ein funktionierendes soziales Netz, das ausreichend finanziert ist, um die Folgen der Pandemie abzufedern." Die Caritas wolle dazu lokal, regional und auf Landesebene "gern gemeinsam unseren Beitrag leisten", sagte Tepe.

Theising: Dank an Politiker und Christ

Am Ende des "Abends der Caritas" äußerte der Bischöfliche Offizial, Weihbischof Wilfried Theising, seinen Dank an de Maizière, "dass sie als Politiker und Christ so zu uns gesprochen haben". Am Vorabend von Fronleichnam erinnerte Theising daran, dass dieses Fest die Gegenwart Gottes in der Welt feiere. "Die Welt ist Gottes so voll", zitierte er den 1945 von den Nazis hingerichteten Jesuiten und Widerstandskämpfer Alfred Delp.

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