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Warum die Einsiedlerin Maria Anna Leenen Max Giesinger, PUR und Gloria Gaynor hört

Die Playlist der Eremitin

Von Stille steht nichts in ihren Gelübden. Und Anna Maria Leenen mag Musik. In ihrer Klause nördlich von Osnabrück hört die Einsiedlerin zum Beispiel PUR – und hat in einem Text etwas für ihr Leben gelernt.

Freundschaften? Passen nicht zu einer Eremitin! So dachte sie jedenfalls. Allein und ganz für Gott da zu sein, darum ging es Maria Anna Leenen zumindest in den Anfangsjahren in ihrer Klause. Seit 1994 lebt sie dort ganz allein. Alte Kontakte hatte sie abgebrochen. Neue beschränkte sie auf das Nötigste. Sie dachte, es muss so. Bis ihr die Liedzeilen von „Freunde“ von PUR in die Hände fielen.

Der Text gefiel ihr sofort. Von PUR allerdings hatte sie nie zuvor gehört. Dazu war die 64-Jährige wohl schon zu lange raus aus dem Leben da draußen. „Eine Boygroup?“, dachte sie, „So was hat mich noch nie interessiert!“ Doch dann lauschte sie gebannt. „Die Musik war rockig, kernig und gut. Ich fand den Song richtig klasse und habe manchmal dazu ein bisschen getanzt.“

Einsichten bei „Freunde“ von PUR

Irgendwann nahm sie Musik und Text mit in ihre Morgenmeditation. „Ich habe den Text Satz für Satz, Zeile für Zeile durchgekaut.“ Anfangs versuchte sie, alles auf sich und Gott zu beziehen. Mit Zeilen wie „Es ist schön, dich zu kennen, mit dir zu reden oder auch Musik zu hör’n. Sogar Schweigen ist nie peinlich zwischen uns“ funktionierte das auch. Bei anderen wurde es schwieriger, zum Beispiel: „Du hast in meinem Arm geweint, so manche Nacht mit mir durchträumt, die letzten Zweifel ausgeräumt“. Und dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen.

Bilder von Menschen kamen ihr in den Sinn, Freundinnen und Freunde von früher zum Beispiel. Und die Erkenntnis, wie wichtig sie für sie waren und eigentlich immer noch sind. Ein Nachdenkprozess setze ein. Sodass sie irgendwann die Frage „Brauchen Einsiedler und Eremiten Freunde?“ anders beantwortet.

Musik hat sie immer zum Nachdenken angeregt


Das Buch zur Playlist
Maria Anna Leenen: „Musik meines Lebens – Impulse für ein Leben mit Gott“, Bonifatius-Verlag Paderborn 2020, 126 Seiten, 15,90 Euro, ISBN 978-3-89710-846-2. Dieses Buch können Sie bei unserem Partner Dialogversand bequem direkt hier bestellen.

Längst ist PUR für sie auch keine „Boygroup“ mehr. „Wenn ich die Gruppe singen höre, spüre ich die langjährige, freundschaftliche Zusammenarbeit der Männer, die auch Krisen überstanden hat“, sagt Maria Anna Leenen. So wie mit PUR ging und geht es ihr öfter. Die Diözesaneremitin des Bistums Osnabrück, die ihren Lebensunterhalt als Autorin und mit Vorträgen verdient und  neben ihrer Klause eine kleine Ziegenherde hält, hat Antworten und Anregungen zu Fragen ihres Lebens immer wieder auch aus Musikstücken gezogen.

So rief etwa Adel Tawil mit seinem Stück „Ist da jemand?“ ihre Gefühle von Einsamkeit und Unsicherheiten neu wach. In Adeles „Lovesong“ drückt sich für sie ein zuversichtliches Urvertrauen aus. Und Gloria Gaynors „I am what I am“ erinnert sie immer wieder daran, wie wichtig es ist, man selbst zu sein. „Gott will keine Kopien, Gott will Originale“, lautet eine der Erkenntnisse, zu denen ihr auch dieser Song geholfen hat.

„Man muss es hören wollen“

„All das schwingt in Musik mit. Aber ich muss es hören. Und ich muss es hören wollen“, schreibt Maria Anna Leenen in ihrem neuem Buch, das sich auch als eine Art Anleitung für eigene Erfahrungen lesen lässt. In „Musik meines Lebens – Impulse für ein Leben mit Gott“ fordert sie Leserinnen und Leser auf, sich von Musik anrühren und verwandeln zu lassen. Schlaglichtartig stellt sie darin prägende Musikstücke ihres Lebens vor. Max Giesingers „Auf das, was da noch kommt“ findet sich darin ebenso wie Adeles „Lovesong“ oder Bette Midlers „From a distance“. Daneben aber auch Stücke von Bach, Mozart und Beethoven.

Und die Eremitin zeigt sich darin auch offen für ganz neue Wege. Zum Beispiel, indem sie beschreibt, wie ausgerechnet ein Jazz-Stück ihre eine gute Hilfe beim Gebet und Impuls für die persönliche Spiritualität wurde. Das hätte sie früher nie gedacht. Jazz-Dance, okay – aber Jazz-Meditation?

Auch Jazz kann beim Beten helfen

Bei Dave Brubecks „Take five“ dauerte es zwar viel länger, aber irgendwann entdeckte sie auch darin so etwas wie eine geistliche Seite. Der gleichbleibende Rhythmus erinnerte sie an ihr eigenes Beten, an das sich stetig wiederholende Eindringen in immer tiefere Schichten. Seither laufen bei ihr immer wieder auch CDs von Ella Fitzgerald oder Louis Amstrong.

Seit 1994 lebt Maria Anna Leenen als Einsiedlerin in einem Wäldchen bei Osnabrück. Als so genannte Diözesaneremitin hat sie vor dem Bischof von Osnabrück ihre Gelübde abgelegt und sich zu Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam verpflichtet. Ihren Unterhalt bestreitet sie als Autorin und dem, was sie für Lesungen und Vorträge bekommt. Im deutschsprachigen Raum gibt es derzeit mehr als 100 Männer und Frauen, die eremitisch leben.
www.eremiten-in-deutschland.de

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