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Wegen der Putin-Unterstützung des russisch-orthodoxen Patriarchen

Druck auf Kyrill durch Metropolit und Priester seiner Kirche

  • Der orthodoxe Patriarch Kyrill wird vom Metropoliten einer ihm unterstehenden Kirche scharf angegriffen.
  • „Seit Kriegsbeginn sind wir wütend auf Kyrill. Kein Wort hat er zugunsten der Ukrainer verloren“, schreibt Metropolit Augustin Markewytsch von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche.
  • Priester eben dieser Kirche fordern gar einen Kirchenprozess gegen Kyrill.
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Der orthodoxe Patriarch Kyrill wird vom Metropoliten einer ihm unterstehenden Kirche scharf angegriffen, weil Kyrill die Sicht des russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Angriff auf die Ukraine teilt. „Seit Kriegsbeginn sind wir wütend auf Kyrill. Kein Wort hat er zugunsten der Ukrainer verloren“, schreibt der Metropolit und Militärbischof Augustin Markewytsch von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche in der Wochenzeitung „Zeit“.

Vor dem Krieg habe Kyrill die Ukrainer als seine Herde bezeichnet, doch jetzt trete er „als Patriarch der Russen auf“. Kyrill müsste zumindest tun, was der Papst tut und „um Frieden bitten. Stattdessen unterstützt er den Krieg.“

Unmut bei Moskau unterstehenden Orthodoxen

Die Ukrainische Orthodoxe Kirche ist mit mehr als 12.000 Gemeinden die größte Kirche des Landes und gehört formell zu Moskau. Sie unterstehe also Kyrill, so Metropolit Augustin: „Unser oberster Geistlicher in der Ukraine ist jedoch der Metropolit Onufri, der sich klar vom Krieg distanziert hat – und auch von Kyrill.“ Trotzdem werde seine Kirche jetzt verleumdet: „Wir würden russische Agenten, ja sogar Waffen in unseren Kathedralen verstecken. Das ist bitter!“

Dass Kyrill am 3. April eine Liturgie in der Militärkirche bei Moskau feierte, sei der „Sargnagel für die Beziehungen“ gewesen, schreibt Augustin.

Soll der Papst Kyrill treffen?

Zu einem möglichen Treffen von Papst Franziskus und Kyrill sagt der Metropolit, vielleicht könne der Papst den Patriarchen „durch seine Person beeindrucken“. Er selbst habe keine Möglichkeit, mit Kyrill zu sprechen.

Dagegen erklärt Erzbischof Jewstratij Sorja von der nicht Moskau unterstehenden Orthodoxen Kirche der Ukraine in der „Zeit“, der Wunsch des Papstes, Kyrill zu treffen, beruhe auf dem Missverständnis, Kyrill könne Putin beeinflussen und den Krieg beenden: „Das Gegenteil ist der Fall! Putin beeinflusst Kyrill.“

Kirchenprozess gegen Kyrill gefordert

Vergangene Woche hatten rund 260 Kyrill unterstehende ukrainisch-orthodoxe Geistliche sogar einen Kirchenprozess gegen ihn gefordert. Ein Konzil solle das Kirchenoberhaupt absetzen und Russlands Krieg gegen die Ukraine verurteilen, heißt es in einem Aufruf, den der Priester Andrij Pintschuk bei Facebook veröffentlichte. Kyrill begehe mit seiner Kriegs-Unterstützung ein „moralisches Verbrechen“ und predige eine russische Doktrin, die „nicht der orthodoxen Lehre entspricht“.

Da Kyrill „den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine offen unterstützt, haben wir Priester der ukrainisch-orthodoxen Kirche beschlossen, uns mit einer Klage gegen Patriarch Kyrill an das Konzil der Vorsteher der alten Ostkirchen zu wenden“, heißt es in dem Appell. Es gebe einen Präzedenzfall in der russisch-orthodoxen Kirchengeschichte. Dem Moskauer Patriarchen Nikon seien 1666 Amt und Bischofswürde aberkannt worden. Man habe ihn als „einfachen Mönch“ zur Buße in ein Kloster geschickt.

Die Konfessionen der Ukraine

60 Prozent der Ukrainer bekennen sich zum orthodoxen Christentum. Sie gehören allerdings zwei Konfessionen an: der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats und der Ende 2018 gegründeten eigenständigen (autokephalen) Orthodoxen Kirche der Ukraine.

Die moskautreue Kirche zählt in der Ukraine zwar deutlich mehr Gemeinden als jede andere Konfession. Aber in Umfragen bekannten sich die meisten Bürger zur neuen, unabhängigen orthodoxen Kirche.

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