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Sandra Heimlich findet kirchliche Heimat in St. Marien Delmenhorst

Eintritt in Zeiten der Krise: Mutter lässt sich mit ihren Kindern taufen

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In ihrer Kindheit und Jugend hat sich Sandra Heimlich oft eine innere Stütze gewünscht. Nach der Geburt ihres ersten Kindes wollte sie in der katholischen Kirche offiziell Halt suchen. In Delmenhorst St. Marien wurde sie jetzt getauft.

Getauft war Sandra Heimlich nicht. Erst bei einem Frühstück im Winter 2016 stellte sie ihrem Mann eine ungewöhnliche Frage. „Was hältst Du davon, wenn ich mich taufen lasse?“ Ihr evangelischer Mann habe überrascht geschaut, erinnert sich die 42-jährige Delmenhorsterin. Aber nur zurückgefragt: „Find ich gut. Und für welche Religion?“

Katholisch, das war für Sandra Heimlich schon klar. Aber bis sie am Taufbecken der St.-Marien-Kirche das Haupt beugte, dauerte es noch mehr als fünf Jahre. Am 15. Mai wurden sie und ihre Kinder John-Rick und Anna-Ray getauft.

Als Kind von Gottesdiensten fasziniert

Natürlich katholisch – im Rückblick erscheint Sandra Heimlich das wie selbstverständlich. Schon die Kindheit in der rheinischen Kleinstadt Mettmann war katholisch geprägt, durch den Religionsunterricht in der Grundschule.

Der Vater war freikirchlich, die Mutter evangelisch, beide ohne Einsatz in ihren Gemeinden. Sie hätten ihr die Freiheit gelassen, sich zu entscheiden, sagt Sandra Heimlich. Die katholische Kirche St. Thomas Morus mit ihren feierlichen Gottesdiensten habe sie früh fasziniert, berichtet sie.

St. Martin begeistert sie

Begeistert war sie auch von den Bräuchen: „St. Martin fand ich immer toll. Wie dort das Teilen betont wurde! Teilen wollte ich dann immer gerne.“ Sie fasst zusammen: „Ich hatte immer ein sehr schönes Bild von der Kirche.“

Gebete spielten zu Hause keine Rolle; Sandra Heimlich kannte keine und betete abends im Bett ihre eigenen Gebete. Immer habe sie die Nähe zu Gott gesucht, daran erinnert sie sich.

Schwerer Schlag mit 14 Jahren

Für sie stand die Kirchentür immer offen. Jetzt hat sich Andrea Heimlich in St. Marien Delmenhorst taufen lassen, zusammen mit ihren beiden Kindern. | Foto: Franz Josef Scheeben
Für sie stand die Kirchentür immer offen. Jetzt hat sich Sandra Heimlich in St. Marien Delmenhorst taufen lassen, zusammen mit ihren beiden Kindern. | Foto: Franz Josef Scheeben

Ihr Leben als Kind bekam einen schweren Schlag, als sich die Eltern trennten. 14 Jahre war sie da. Schon vorher habe es lange Phasen mit Streit gegeben, erinnert sie sich. Sandra Heimlich war verzweifelt. „Damals habe ich gemerkt, dass mir etwas fehlte – das ist auch der Hauptgrund, warum ich mich jetzt habe taufen lassen.“

Denn: „Im Rückblick, seit ich selbst Kinder habe, ist mir klar: Ich hätte mir damals mehr Halt gewünscht.“ Weil ihr die Eltern diesen nicht geben konnten, „wäre es für mich sicher der Glauben und die Kirche gewesen.“

Als das Kind krank wurde

Jahrzehnte später, als Sandra Heimlich verheiratet war und ihr erstes Kind bekommen hatte, tauchte der Gedanke an den Glauben als Stütze wieder auf. Besonders, als ihr kleiner Sohn schwer krank wurde und oft ins Krankenhaus musste. Die innere Nähe zur katholischen Kirche hatte sie nie verloren. Aber jetzt wollte sie sich entscheiden und berichtete ihrem Mann von ihrem Wunsch.

Die junge Mutter surfte im Internet und suchte Antworten auf viele Fragen. „Was kommt da alles auf mich zu, was bedeutet überhaupt Glauben, was steht dahinter?“ Auch die Internet-Seiten von Gemeinden durchforstete sie.

Taufwunsch per Mail

Bei der von St. Marien Delmenhorst blieb sie hängen, an die E-Mail-Adresse dort schrieb sie und berichtete von ihrem Taufwunsch. Pastoralreferentin Marianne Etrich rief zurück; seit dem vorigen Herbst trafen sich die Frauen alle zwei Wochen.

Für Sandra Heimlich war im Taufunterricht vieles neu. Sie war entsetzt über die Geschichte vom Kindermord des Herodes und begeistert von dem Auftreten Jesu. „Jesus liebt uns –  das ist die Botschaft.“ Nachdenklich sagt sie: „Immer akzeptiert sein und immer willkommen sein, das habe ich aus diesen Geschichten mitgenommen. Das finde ich so schön.“

Krise der Kirche stört nicht

Sandra Heimlich wollte katholisch werden in einer Zeit, in der die Kirche von Missbrauchs-Fällen erschüttert wird, in der die Kirche intensiv über die Rolle der Frau oder den Zölibat streitet. Kein Grund zu zweifeln für sie?

„Nein, nie“, versichert sie. Missbrauch gebe es schließlich nicht nur in der Kirche, und bei der Rolle der Frau sieht sie dort einen Wandel kommen. Aber das sind für sie auch keine zentralen Fragen. „Mein Grundglaube, den ich schon als Kind gespürt habe, der ist immer noch da. Daran will ich festhalten. Und ich will nicht vergessen, was das Eigentliche in der Kirche ist: dass Jesus uns annimmt.“

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