Auch Weltsicherheitsrat und Muslime verurteilen den Terror

Entsetzen nach Anschlägen auf zwei Kirchen in Ägypten

Nach zwei Bombenanschlägen auf koptische Kirchen in Ägypten äußern Religionsvertreter und Politiker Entsetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die Terrorakte am Montag als „abscheuliche Taten“. Der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen erklärte, Anschläge wie in Ägypten seien eine der ernsthaftesten Bedrohungen des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit.

Bei Anschlägen auf Kirchen am Sonntag in Tanta und Alexandria waren etwa 50 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), die sich zu den Taten bekannte, „hat den Kopten den Krieg erklärt“, sagte der Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, dem Evangelischen Pressedienst. Koptische Christen lebten in Ägypten in Angst. Wer einen Gottesdienst besuche, sei nicht mehr sicher.

Koptischer Bischof: Klima in Ägypten mitverantwortlich

In der Vergangenheit hatte es wiederholt Anschläge auf Kopten in Ägypten gegeben. Beim bis Sonntag schwersten Anschlag im Dezember 2016 auf die St.-Peter-und-Paul-Kirche in Kairo kamen 29 Menschen ums Leben. Damian macht für die Gewalt auch das gesellschaftliche Klima in Ägypten verantwortlich. Hass auf Christen werde an den Schulen und in den Moscheen geschürt.

Die Kopten sind die größte christliche Gemeinschaft Ägyptens. Bis zu zehn Millionen der 94,5 Millionen Ägypter sind Kopten. In Deutschland gibt es acht koptische Gemeinden, zwei Bistümer und zwei Klöster. Sprecher ist der im ostwestfälischen Höxter residierende Damian, der nach eigenen Angaben rund 12.000 Kopten vertritt.

Vatikan: Anschlag auf den Dialog der Religionen

Ein hoher Vertreter des vatikanischen Staatssekretariats wertete die Anschläge als Angriff auf den interreligiösen Dialog. Die Taten seien „leider offensichtlich“ so zu lesen, sagte Kurienerzbischof Giovanni Angelo Becciu der Tageszeitung „Corriere della Sera“. Zugleich handle es sich wohl um eine „indirekte Botschaft“ an die ägyptische Regierung, die Christen mehr Freiheiten eingeräumt habe.

Becciu betonte, Papst Franziskus habe immer zwischen Terrorakten von IS-Fanatikern und der islamischen Religion an sich unterschieden: „Er hat sich immer geweigert, den Islam als solchen mit Terrorismus zu assoziieren.“

Marx: Christen sollen zur Emigration gedrängt werden

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, äußerte die Sorge, dass „die christliche Minderheit in Ägypten eingeschüchtert, demotiviert und zur Emigration getrieben werden soll“. Zudem solle vor dem Besuch von Papst Franziskus Ende April „Hass gesät“ werden.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, schrieb dem koptischen Papst Tawadros II., in Gedanken und Gebeten sei er bei den Angehörigen der Opfer und bei der ganzen koptischen Kirche.

Muslime verurteilen die Taten

Der Groß-Imam der Al-Azhar-Moschee in Kairo, Ahmed Mohammed al-Tayyeb, verurteilte den „feigen“ Anschlag auf die „unschuldigen Seelen“. Der Leiter der wichtigsten sunnitisch-islamischen Institution des Landes erklärte, dieser Terrorangriff sei ein Verbrechen gegen alle Ägypter.

Auch deutsche Muslime verurteilten die Anschläge auf Kirchen. „Keineswegs toleriert und erlaubt die islamische Religion solche Taten“, erklärte die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib).