Horst: „Ich habe mich da wohl verschätzt“

Kirchenumbau in Garrel gescheitert – Pfarrer erleichtert

Paul Horst ist nicht enttäuscht, eher ein bisschen froh. „Weil nicht länger darüber diskutiert wird, wie es denn nun werden soll. Das ist für mich eine große Entlastung“, sagt der 68-jährige Pfarrer der Garreler St.-Johannes-Gemeinde. Dabei zählte er lange zu denen, die von der Idee einer ziemlich radikal umgebauten Pfarrkirche St. Peter und Paul angetan waren. Pfarrheim und Bücherei sollten unter das Dach des Querschiffs wandern.

Es hätte fünf bis sechs Millionen gekostet

Das bisherige Pfarrheim hätte man verkaufen und sich die dringenden Sanierungskosten sparen können. Weniger Heizkosten in einer kleineren Kirche, eine Konzentration des Gemeindelebens, so lauteten weitere Argumente für die Umbaupläne. Auf die verloren gehenden Kirchenbänke könne man getrost verzichten, so hieß es im Vorfeld.

Die jetzigen 1.200 seien sowieso meist zu viele. Ein Architektenwettbewerb werde sicher den passenden Entwurf hervorbringen. Doch beides traf am Ende nicht zu. Pfarrer Horst erkannte immer deutlicher: Ab und zu benötigt die Gemeinde die große Kirche doch. „Ich habe mich wohl verschätzt“, gibt er zu. „Es gibt durchaus Feiern, wo ich mit einer kleineren Kirche Probleme hätte, zum Beispiel bei großen Beerdigungen.“

Kein überzeugendes Konzept

Pfarrer Paul Horst.
Pfarrer Paul Horst | Foto: Michael Rottmann

Was den Elan zusätzlich bremste: Trotz des Wettbewerbs fehlte es an einem überzeugenden Architektenentwurf. Paul Horst bestätigt, was aus dem Kreis der Verantwortlichen zu hören war: „Kein einziger hat mich wirklich überzeugt.“

So wurde auch er nach und nach zögerlicher. Nicht unbedingt wegen der Baukosten – es ging um fünf bis sechs Millionen Euro. Die allein hätten aber nicht den Ausschlag gegeben, betont der Pfarrer. „Mit einem überzeugenden Konzept hätte man das Ganze vielleicht auch anders entscheiden können.“

Einstimmiger Beschluss

Mit seinem einstimmigen Votum gegen den Umbau hat der Garreler Kirchenausschuss scheinbar den Wunsch eines großen Teils der Gemeinde getroffen. Pfarrer Horst denkt an die Bekanntgabe der Entscheidung: „Da gab es deutliche Reaktionen und sie waren längst nicht alle für die Umgestaltung.“

Deshalb wird die Gemeinde zunächst weiter mit den Unzulänglichkeiten des Kirchenraums leben, wo manche Gottesdienstbesucher in den verschiedenen Kirchenschiffen einander nicht sehen können. Ob auch das auf Dauer gelöst werden kann, darüber wolle die Gemeinde weiter nachdenken, sagt Paul Horst. Aber erst dann, wenn klar sei, wie es mit dem sanierungsbedürftigen Pfarrheim Johanneshaus weitergehe. Die Bauabteilung des Bischöflichen Offizialates sei mit der Planung beauftragt, bis zum Sommer sollen Pläne vorliegen.