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Kommentar von Chefredakteur Markus Nolte zur Erklärung nach PR-Desaster

Medienschelte und Woelki schweigt - nichts verstanden im Erzbistum Köln

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Nach fünf Tagen machte heute Morgen die gesicherte Information die Runde, am Mittag werde sich Kardinal Rainer Maria Woelki zu den massiven Vorwürfen gegen ihn und andere Verantwortliche im Erzbistum Köln im Umgang mit Missbrauchs-Betroffenen und einem PR-Desaster äußern. Es wurde dann der frühe Abend, und statt des Kardinals meldet sich der Generalvikar. Chefredakteur Markus Nolte kommentiert: So geht das nicht.

Jetzt sind es natürlich wieder die Medien. Berichten einfach so über interne PR-Strategien, die verraten, wie man mit Wut und „vill kölsch Jeföhl“ Betroffene dazu bringt, dem zuzustimmen, was ohnehin schon beschlossene Sache war. Verraten einfach so, dass der Erzbischof persönlich für ein Anwerbegespräch bei einem Journalisten angerufen hat. Bauschen einfach so was zum Riesenskandal auf, was irgendwer durchgestochen hat. Dürfen die das? Riesenskandal? Ach komm, nicht die Bohne! Von wegen.

Die Verantwortlichen im Erzbistum Köln machen es wie immer: Statt eigenes Versagen zuzugeben oder das eigene Handeln auch nur ansatzweise zu hinterfragen, beginnt Generalvikar Guido Assmann die erste Äußerung der Erzdiözese fünf Tage nach Beginn des PR-Debakels mit den Worten: „die Berichterstattung in den Medien“. Gerade einmal sechs Wochen im Amt, hat er, der sich zugleich demütig-selbstbewusst dazu bekennt, sich als Priester, quasi sakramental-naturgemäß, mit Kommunikation nicht auszukennen, sich „umfangreich sachkundig gemacht“ und kommt in Satz zwei zu dem Schluss: Also, dieser Umgang miteinander in den Medien – schlimm! Irritierend! Und dann, Satz drei: Muss man denn immer übereinander statt miteinander reden? In den Medien? „Nicht zielführend und sehr unerfreulich.“

Alles wirklich nicht erfreulich

Da hat er recht, der Herr Generalvikar, das ist alles sowas von wirklich unerfreulich! Allerdings ist der Grad der Erfreulichkeit so überhaupt keine Kategorie in diesen Kölner Wirren, schon lange nicht, noch nie gewesen. Und über den Umgang miteinander sollten manche Herren am Rhein vielleicht einfach mal nichts sagen. Im Nichts-Sagen sind sie doch eigentlich ganz gut, wie nicht erst die letzten fünf Tage gezeigt haben.

Nein, es geht nicht um Erfreulichkeiten, es geht schlichtweg darum, wie im Erzbistum Köln – recht beeindruckend im Kölner Stadt-Anzeiger dargelegt – offenbar Betroffene und Journalisten instrumentalisiert wurden. Der Vorwurf wiegt massiv, nicht nur mit Blick auf die Betroffenen und die Journalisten, sondern auch für den Kardinal, dem der Papst schon einmal schwere Kommunikationsfehler vorgeworfen hat. Und weiterhin steht Woelki unter Franziskus’ Beobachtung. Da passt dieses neue PR-Desaster ganz, ganz schlecht.

Der Kardinal als Durchstecher

Dann aber ausgerechnet Journalisten vorzuwerfen, dass sie ihre Arbeit machen – dieses Ablenkungsmanöver ist geradezu peinlich und so fürchterlich schlecht und PR-mäßig durchschaubar. Zum einen spricht Assmann selbst von durchgestochenem Material, und das zeigt: Wo was als „durchgestochen“ qualifiziert wird, geht es offenbar um Wichtiges und Richtiges, das so wichtig und richtig ist, dass es auf gar keinen Fall durchgestochen werden darf. Zum zweiten bietet der Kardinal persönlich einem renommierten, seriösen Redakteur ebensolche exklusiven Informationen an. Sowas nennt sich Durchstechen. Geht ja um Exklusives.

Und zum Dritten: Erst durch Druck von außen – nicht zuletzt von sachkundig, klug, mutig und trotz Drohungen und Hass beharrlich recherchierenden Journalistinnen und Journalisten – ist das gewaltige Ausmaß des sexuellen Missbrauchs, des Missbrauchs der Betroffenen, des Missbrauchs von Macht zutage getreten. Manche Bischöfe betonen das freimütig. Danke dafür.

Arroganz oder Angst?

Wie nötig das nach wie vor ist, zeigen die Verantwortlichen im Erzbistum Köln bis heute. Da können Betroffene ihr Entsetzen äußern, die Missbrauchs-Beauftragte der Bundesregierung kopfschüttelnd ihre Empörung, da können gleich vier Stadtdechanten im Erzbistum fordern, dass sich endlich der Kardinal zu den Vorwürfen äußert, da rufen nach erstaunlich langem Stillhalten die ersten Priester des Erzbistums dazu auf, aus Protest ihren Dienst ruhen zu lassen.

Woelki aber schweigt. Schickt seinen Generalvikar vor, den vierten seiner Amtszeit, der freimütig bekennt, sich mit Kommunikation so gar nicht auszukennen, und sich erstmal informieren muss. Dann weiß er Bescheid. Die Medien sind’s gewesen.

Vom Kardinal null Reaktion. Arroganz oder Angst? Vielleicht beides. Allemal ein weiterer, augenscheinlicher, himmelschreiender „Kommunikationsfehler“.

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