Evangelische Kirche sieht Öffnung der Ehe positiv

Münsters Weihbischof Zekorn kritisiert „Ehe für alle“ scharf

Weihbischof Stefan Zekorn aus Münster hat am Donnerstag die „Ehe für alle“ scharf kritisiert. Der Bundestag will am Freitag über eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare entscheiden.

Im Netzwerk Facebook schrieb Zekorn, er sei „entsetzt, wie leichtfertig die Bundeskanzlerin und alle Fraktionen des Bundestages, von einzelnen Abgeordneten abgesehen, mit einem so hohen Gut wie der Ehe umgehen“. Auch wer das katholische Menschen- und Ehebild auf Basis der biblischen, überwiegend gemeinsamen jüdisch-christlichen Glaubensüberzeugung nicht teile, müsse wahrnehmen, dass „mit der vorgesehenen Umdefinierung von Ehe eine weit mehr als 2.000-jährige Tradition der europäischen Kultur aufgegeben“ werde.

Evangelische Kirche sieht keine Schwächung der Ehe

Kritisch sah Zekorn auch mögliche Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare. Er verwies auf eine Meinungsumfrage, wonach 58 Prozent dies befürworten würden. Eine solche Frage würde „eine große gesellschaftliche Akzeptanz“ benötigen, schrieb der Weihbischof. Die Quelle der Umfrage nannte er bei Facebook nicht.

Nach Worten des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm dagegen schwächt die „Ehe für alle“ die Ehe zwischen Mann und Frau nicht. Sie stärke vielmehr die Werteorientierung und das Anliegen der Ehe, ein verlässlicher äußerer Rahmen für eine lebenslange Beziehung zu sein, sagte der Bischof dem Evangelischen Pressedienst (epd). In den evangelischen Landeskirchen gebe es aber unterschiedliche Positionen zu dieser Frage.

EKD: Ehe bleibt ein Zukunftsmodell

Ähnliche Argumente finden sich in einer Erklärung des Rats der EKD von Mittwochabend. Demnach sind „Vertrauen, Verlässlichkeit und die Übernahme von Verantwortung in der Gestaltung menschlicher Beziehungen von zentraler Bedeutung“. Die Ehe biete dafür beste Voraussetzung und sei deshalb ein Zukunftsmodell. Die EKD begrüße, dass für Homosexuelle, die den Wunsch nach einer lebenslang verbindlichen Partnerschaft haben, „der rechtliche Raum vollständig geöffnet wird“.

In den meisten der 20 evangelischen Landeskirchen ist bereits eine öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Ehen möglich. Teils wurde sie einer Hochzeit zwischen Mann und Frau nahezu gleichgestellt.

Katholische Kirche betont verfassungsrechtliche Bedenken

Der Vertreter der katholischen Bischöfe in Berlin, Prälat Karl Jüsten, bittet die Abgeordneten des Bundestages, der „Ehe für alle“ nicht zuzustimmen. In einem Schreiben an die Parlamentarier verwies Jüsten auf verfassungsrechtliche Bedenken und die Bedeutung der Ehe für das Gemeinwesen.

„Kirche, Staat und Gesellschaft teilen die Erfahrung, dass in der Ehe die Aspekte einer verlässlichen Paarbeziehung und der Weitergabe des Lebens der leiblichen Eltern an ihre Kinder in besonderer Weise verbunden sind“, heißt es in dem Brief, der der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt. „Als Vereinigung, in der die Partner füreinander verbindlich Verantwortung übernehmen und die offen für gemeinsame Nachkommen ist, hat sie sowohl für den Einzelnen als auch für das Gemeinwesen große Bedeutung.“ Deshalb werde der besondere Schutz der Ehe im Grundgesetz „auch als eine Wertentscheidung für eine besondere Form des Zusammenlebens“ verstanden.

Genügt ein einfaches Gesetz?

Jüsten betonte, die Verfassung zähle die Vereinigung von einer Frau mit einem Mann zu den Wesensmerkmalen der Ehe. Dies habe das Bundesverfassungsgericht in der Entscheidung zur Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes 2002 bestätigt. Eine einfachgesetzliche Öffnung der Ehe überdehne die Grenzen der Auslegung der Verfassung.

Auch Papst Franziskus unterscheide im Schreiben „Amoris laetitia“ zwischen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und Ehepaaren. „Er hat festgehalten, dass die katholische Kirche die große Vielfalt familiärer Situationen anerkennt, die Menschen einen Halt bieten, aber Partnerschaften zwischen Personen gleichen Geschlechts nicht mit der Ehe gleichgestellt werden können, da diesen Paaren die Weitergabe des Lebens verschlossen ist“, schreibt Jüsten.