Kommentar von Chefredakteur Christof Haverkamp

Nach Missbrauchsbericht: Der Papst-Brief ist eindeutig

Ein Bericht aus dem US-Staat Pennsylvania klagt systematisches Vertuschen von sexuellem Missbrauch durch Priester an. Papst Franziskus hat mit einem Appell reagiert. Dazu ein Kommentar von Chefredakteur Christof Haverkamp.

Schon wieder geht es um sexuellen Missbrauch durch Priester – diesmal vor allem im US-Staat Pennsylvania, aber während des Weltfamilientreffens mit Papstbesuch auch um jenen in Irland. Dieses Thema lässt der katholischen Kirche noch immer keine Ruhe und erschüttert ihre Glaubwürdigkeit und Autorität.

Manche kirchennahe Beobachter verweisen deshalb darauf, dass sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche während der vergangenen zwei Jahrzehnte in Deutschland seltener geschehen ist als zuvor. Dass man Priester in der Annahme, Pädophilie ließe sich heilen, nach einer Therapie guten Glaubens in eine andere Gemeinde versetzt hat. Dass die Bistümer inzwischen viel Gutes in der Prävention leisten.

Oder dass sexueller Missbrauch generell in der Gesellschaft sehr verbreitet ist und mindestens ebenso häufig wie durch Priester auch in Sportvereinen geschieht oder in der Familie. Und dass etliche kämpferische Atheisten lediglich einen Vorwand suchen, um die ihr so verhasste katholische Kirche zu verleumden.

Ein dunkler Schatten auf der jüngsten Kirchengeschichte

Ja, alle diese Einschätzungen treffen zu, sind aber nur Ausschnitte. Und es ist richtig, dass durch die Schlagzeilen über weltweiten Missbrauch in der Kirche zahlreiche gute Taten katholischer Christen zugunsten der Armen, Schwachen, Bedürftigen überdeckt werden.

Doch es hilft alles nichts: Der tausendfach verübte sexuelle Missbrauch von Priestern und anderen Mitarbeitern der Kirche wirft einen dunklen Schatten auf die jüngste Kirchengeschichte in allen Kontinenten – es bleibt ein Skandal, in den sogar Kardinäle und Bischöfe verstrickt sind, etwa in Australien, den USA, Irland, Chile und Österreich.

Kampf gegen Klerikalismus

Das, was bisher an die Öffentlichkeit gedrungen ist, wird vermutlich noch längst nicht das Ende sein. Es ist sehr wahrscheinlich, dass in weiteren Ländern zusätzliche Fälle von Missbrauch und Vertuschung bekannt werden. Das rüttelt an der Glaubwürdigkeit. Man kann es daher nicht oft genug wiederholen: Gefragt sind Null-Toleranz, die Solidarität mit den Opfern – und Reue.

Einer, der dies erkannt hat, ist der Papst. In seinem jüngsten Brief an alle Gläubigen  fordert Franziskus ein neues Denken und den Kampf gegen Klerikalismus. Das ist so eindeutig wie richtig. Denn Schönreden führt nicht weiter.