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„Orientierungsjahr“ und Arbeit in kirchlichen Einrichtungen

Projekt „Boom!“: FSJ-WG von vier jungen Leuten in Oldenburg

Ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Kirche machen viele junge Menschen. Diese vier aber machen mehr: Ihr FSJ dient auch als „christliches Orientierungsjahr“ in einer Wohngemeinschaft in Oldenburg.

Einkaufen im Supermarkt? Klar, das ist kein Problem. Die vier Neu-Oldenburger sind zwischen 18 und 21 Jahren. Wie man im Supermarkt den Kühlschrank mit Fleisch findet und das Regal mit Bier und Cola, das bekommen sie hin. Aber hier sind sie eben Neu-Oldenburger: Diesen Markt kennen sie noch nicht so gut, wenige Schritte von ihrer Wohnung entfernt, im ehemaligen Pfarrhaus St. Peter an der Georgstraße 2.

Und sie sind neu in einer Wohngemeinschaft, zu viert, kennen sich kaum, leben erst sieben Tage zusammen. Neu in einer Wohngemeinschaft, die von der Kirche begleitet wird: Junge Erwachsene, die für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in kirchlichen Einrichtungen der Stadt Oldenburg arbeiten. Ein soziales Jahr, das zugleich als christliches Orientierungsjahr angelegt ist, gestaltet und begleitet von der Kirche. Der Name: „boom! Das Oldenburger Orientierungsjahr“.

Kirche begleitet FSJ-Projekt

Deshalb ist bei diesem Einkauf Benedikt Feldhaus bei ihnen, Referent für Junge Erwachsene im Bischöflichen Offizialat in Vechta. Vorher hat er das  Projekt als Möglichkeit beschrieben, „eine Gemeinschaft zu bilden, zu einer Haltung zu finden, am eigenen Zeugnis in der Welt zu arbeiten.“ Und die Frage des persönlichen Glaubens, die ziehe sich wie ein roter Faden durch das ganze Jahr.

Dieses gemeinsame Abendessen ist der erste Termin in dem Programm, das er den vier Neu-Oldenburgern anbietet. „Zunächst mal eine Beziehung schaffen“, hat Feldhaus erklärt. „Und wo geht das besser als bei einem gemeinsamen Abendessen?“

Erster Großeinkauf in Oldenburg

So stehen die vier Neu-Oldenburger in einem Supermarkt, den man in dieser Straße, wenige Schritte von Kneipenviertel und Modeläden entfernt, gar nicht vermutet hätte. Wie viele Kartoffeln brauchen wir? Hähnchen- oder Schweineschnitzel? Koriander oder Paprika für die Suppe? Entscheidungen, die sie noch nicht oft getroffen haben in ihrem jungen Leben. Denn alle vier haben bisher zu Hause gewohnt.

Justin Seidel (21) wohnte in Bakum. Er möchte durch das FSJ auch den praktischen Teil für seine Hochschulreife erwerben. Das versucht er im Forum St. Peter, einem kirchlichen Projekt der Cityseelsorge.

Freiwilligendienst als Orientierung

Jolene Siemermann (18) wohnte in Lohne. Sie hatte nach dem Abitur eine grobe Idee, wie ihr Weg gehen sollte („was mit Jugend“). Das Jahr in Oldenburg soll ihr zur Orientierung dienen; angestellt ist sie bei der Paulusschule, einer bischöflichen Oberschule.

Samira Gerdes (19) in Oldenburg. Sie ist sich noch nicht sicher über ihre Zukunft. Das FSJ ist ein willkommener Ausweg; auch sie arbeitet in der Paulusschule.

Jana Flothmann (19) in Wettringen. Sie wollte ins Ausland gehen, entschied sich aber für die Heimat und arbeitet im Kindergarten St. Willehad.

Besondere Wohngemeinschaft für das FSJ

Soweit unterscheiden sie sich nicht viel von anderen jungen Menschen im FSJ: Sie wissen ihren Weg noch nicht genau, suchen nach Orientierung. Der Unterschied ist: Sie leben in dieser besonderen Wohngemeinschaft.

Die vier Neu-Oldenburger sind gespannt. Aber sie stehen zurzeit noch vor den ersten Fragen in ihrem jungen Berufsleben: Wie bekomme ich Sonderurlaub für die Israel-Fahrt, die zum Projekt gehört? Wie können wir zum Stoppelmarkt nach Vechta fahren? Oder auch, ganz alltäglich: Wer stellt seine Kaffeetasse nur ins Spülbecken und nicht in die Spülmaschine? Wer wischt nie die Herdplatte ab? Der Geräuschpegel steigt, denn jeder ist es aus der Heimat anders gewohnt.

Aber auch spannende Fragen. Denn Jolene und Samira dürfen in ihrer Schule vielleicht Klassenfahrten begleiten. Jana darf bei der großen dreistündigen Dienstbesprechung mitreden. Justin hat heute erstmals im Foyer des Forums St. Peter mit Obdachlosen gesprochen und ihnen Essensgutscheine ausgegeben

Jahr in Oldenburg klärt den Weg

Ob sie nach diesem Jahr in Oldenburg und den vielen neuen Erfahrungen nun wirklich Sozialarbeiterin, Grundschullehrerin oder Webdesigner werden, das wissen sie noch nicht. Auch das finden sie spannend.

Ebenso Benedikt Feldhaus. „Die Kirche begleitet junge Menschen auf ihrem Weg. Sie bietet ihnen dabei eine christliche Orientierung. Für die jungen Menschen ist das ein Abenteuer, ein großes Experiment. Ich finde es toll, dass die Kirche sie dabei begleitet.“ Indem sie ihnen eine Weggemeinschaft biete, eine Weggemeinschaft mit einem deutlich geistlichen Akzent.

Im Projekt „Boom!“ leisten vier junge Menschen ein Freiwilliges soziales Jahr in kirchlichen Einrichtungen der Stadt Oldenburg; sie leben dafür in einer Wohngemeinschaft zusammen. Das Bischöfliche Offizialat begleitet sie dabei mit einem besonderen geistlichen Programm, das die Seelsorgeabteilung des Bischöflichen Offizialates in Vechta verantwortet. Das Projekt ist jetzt mit dem dritten Jahrgang gestartet. Es geht auf eine Idee des früheren Weihbischofs Heinrich Timmerevers zurück. Ein vergleichbares Programm gibt es im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums. Dort wohnen die Teilnehmer getrennt.

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