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Drei Beispiele aus Barßel, Oldenburg und Cloppenburg

Freiwilligendienst mit 57 - dank Caritas und BDKJ im Oldenburger Land

Junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Kirche machen, die sind Alltag. Aber einen Freiwilligendienst können auch Ältere machen. "Kirche-und-Leben.de" hat mit Dreien gesprochen.

Wer 04499-803 am Telefon wählt, hört zuerst Fatena Al-Sabagh. Denn die 30-Jährige arbeitet bei der Pflegeeinrichtung St. Elisabeth Barßel in der Telefonzentrale. Ungewöhnlich, weil sie aus Syrien fliehen musste und erst seit fünf Jahren in Barßel lebt. Ungewöhnlich aber auch, weil sie dort nicht angestellt ist, sondern ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst arbeitet.

Wenn Schwestern der Caritas-Sozialstation Delmenhorst dringend neue Medikamente brauchen, dann können sie Martin Thale fragen. Er übernimmt solche und andere Kurierdienste, wartet und pflegt daneben auch den Wagenpark der Sozialstation. Ungewöhnlich, weil der 57-Jährige aus Wildeshausen eigentlich bei der Telekom ein Fachmann für digitale Telefonverbindungen war. Und bei der Caritas nicht angestellt ist, sondern dort im Bundesfreiwilligendienst arbeitet.

Wenn im St. Vincenzhaus Cloppenburg eine Türe nicht schließt oder ein Lüftungsstein ersetzt werden muss, schreiben die Betreuer eine Mail an den Technischen Dienst. Dann kommt Hausmeister Josef Hogeback und repariert. Ungewöhnlich, weil der 57-Jährige aus Cloppenburg eigentlich bei Geschäftskunden der Telekom zwischen Juist und Osnabrück Telefonanlagen angeschlossen hat. Und bei der katholischen Förderschule mit Internat nicht angestellt ist, sondern dort im Bundesfreiwilligendienst arbeitet.

15 Plätze für Leute ab 27

Diese Möglichkeiten vermitteln die Katholischen Freiwilligendienste (kfwd), eine Einrichtung von Caritas und BDKJ im Oldenburger Land. Pädagogin Christin Abeln betreut dort ein besonderes Programm für Menschen, die über 27 Jahre alt sind. 15 Plätze stehen zur Verfügung, im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes. Jüngere sind meist im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) angestellt. In der Dienstzeit gibt es ein monatliches Taschengeld von 375 Euro.

Im FSJ stehen meist Fragen der Orientierung für den Lebensweg nach der Schule im Vordergrund. Bei den Älteren sind die Motive bunter. Fatena Al-Sabagh etwa nutzt ihr Freiwilliges Jahr, um sich in Barßel zielstrebig auf ein Berufsleben in ihrer neuen Heimat vorzubereiten. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin hat nach ihrer Flucht zunächst als Praktikantin in der Verwaltung im Elisabeth-Haus gearbeitet; Geschäftsführer Carsten Huslage riet ihr zu einem Freiwilligen Jahr, um diese Arbeit, aber auch die Sprache besser kennenzulernen.

Viele Bewerbungen, viele Absagen

Ein Erfolg, sagt Fatena Al-Sabagh. „Inzwischen sitze ich in der Telefonzentrale und nehme alle Gespräche entgehen.“ Die Sprache sei kaum ein Problem mehr.

Ihr Dienst geht im Juni zu Ende; sie könnte nun eine Ausbildung zur kaufmännischen Assistentin in einer Apotheke beginnen. Bei vielen Bewerbungen kamen Absagen; das Kopftuch sei wohl ein Problem. Anfangs habe sie sich „gewundert, dass gerade eine kirchliche Einrichtung mich als Praktikantin und als Freiwillige aufnahm“, sagt sie mit Achtung in der Stimme.

„Engagierter Ruhestand“

Josef Hogeback und Martin Thale schließen mit ihrem Freiwilligen Jahr das Berufsleben ab. Über das Programm „Engagierter Ruhestand“ der Telekom. 55-jährige Beamte können dort bei voller Pension in den Ruhestand gehen, wenn sie innerhalb von drei Jahren ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst arbeiten. Ein Angebot, dass Hogeback wie Thale sofort annahmen. Weil ihre Tätigkeit bei der Telekom keine Zukunft mehr hatte.

Martin Thale hat seinen Dienst gerade begonnen und sich die Caritas-Sozialstation Delmenhorst bewusst ausgesucht; nach Jahrzehnten im Innendienst hätten ihn Kurierdienst und Alltagshilfe für die Pflegekräfte besonders gereizt.

Josef Hogeback hat sein Freiwilliges Jahr im Vincenzhaus Cloppenburg Ende Mai abgeschlossen. Bei der Arbeit im Technischen Dienst hat ihn vor allem die Vielfalt fasziniert. So hat er geholfen, Altar und Tabernakel der Hauskapelle auszubauen. Denn die wird inzwischen zu einer Mensa umgebaut.

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