Andreas Weber aus Cloppenburg leistet im Ruhestand ein soziales Jahr

Aus dem Schuldirektor wird ein Bufdi

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Andreas Weber leitet bis zum Sommer noch das bischöfliche Gymnasium Liebfrauenschule in Cloppenburg. Dann arbeitet er im Ruhestand für ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst in einem Internat in Schleswig-Holstein. Warum er sich noch nicht entspannt zurücklehnen will.

Andreas Weber will es noch einmal wissen. Zuletzt hat er das bischöfliche Gymnasium Liebfrauenschule in Cloppenburg geleitet, Verantwortung getragen für rund 900 Schülerinnen und Schüler und etwa 90 Lehrkräfte. Im Sommer naht der Ruhestand. Jeder würde verstehen, wenn Andreas Weber sich zurücklehnen würde.

Macht er aber nicht. Er verbringt stattdessen sein erstes Jahr im Ruhestand in einem Internat in Kappeln an der Ostsee. Weber leistet dort ein Jahr Bundesfreiwiligendienst (Bufdi), ein Freiwilliges Soziales Jahr, das auch Menschen leisten könen, die älter sind als 27 Jahre. Warum macht er das?

"Noch etwas machen"

„Ich fühle mich so, dass ich noch irgendetwas machen kann“, sagt Weber. Er fühle sich noch neugierig, gespannt auf unerwartete Begegnungen. Dieser Gedanke habe ihn und seine Frau schon seit Jahren bewegt. „Wenn das Anstrengende im Beruf weg ist, einfach noch mal was machen.“

Die Aufgabe im Internat hat Weber sich nicht ohne Grund gesucht. Sein Berufsleben hat er nämlich auch in einem Internat begonnen: auf Schloss Loburg in Ostbevern bei Münster. Stellen für Berufsanfänger unter Lehrern waren damals Mangelware, der junge Andreas Weber und seine Frau standen vor dem Nichts. Bis Bekannte von einer freien Erzieherstelle dort berichteten. Weber sagte zu und teilte sich die Stelle mit seiner Frau.

Loburg hat ihn geprägt

„Es war nur ein Jahr“, berichtet er, „aber es war prägend für mich.“ Die Arbeit mit jungen Menschen außerhalb des Schulalltags habe ihn fasziniert. So sei er auf den Gedanken gekommen, „mein Arbeitsleben auch so ausklingen zu lassen“.

Im Internat Louisenlund in Kappeln wird er ganz normal in einer Dienstwohnung wohnen, mit den Bewohnern essen und jedes zweite Wochenende Dienst haben. Aber er werde sich pädagogisch einsetzen dürfen, hofft er. „Lehrer begleiten, Schüler unterstützen, Arbeitsgemeinschaften organisieren.“ Ganz exakt sind seine Tätigkeiten noch nicht bestimmt.

Bewusst Internat gesucht

Viele Bufdis suchen sich eine Aufgabe, die ihn ihrem Leben sonst nicht vorkommt; Weber hat aber bewusst diesen pädagogischen Akzent gesucht. Weil ihn der immer begeistert hat.

Viele Menschen fühlen sich am Ende des Berufslebens ausgebrannt und freuen sich auf die Ruhe. Das kann Andreas Weber gut verstehen. „Aber das ist jetzt nicht mein Lebensgefühl.“

Jetzt frei arbeiten

Er selbst könne in dem Jahr als Bufdi noch etwas leisten, glaubt er. „Auch wenn mir manche Sachen heute nicht mehr so leicht fallen wie früher.“ Immerhin könne er nun frei arbeiten, ohne direkt eine ganze Schule leiten zu müssen.

Seine Frau wird ihn begleiten und eine halbe Stelle als Hausmutter übernehmen, die Wohnung in Cloppenburg gibt er nicht auf. „Was danach kommt, weiß ich noch nicht.“

Viel herumgekommen

Eine Antwort, die zu Andreas Weber passt. Der aus dem Sauerland stammt, in Münster, Bielefeld und Berlin studierte, in Ostbevern arbeitete, in Scheeßel und Essen/Oldenburg, in der peruanischen Hauptstadt Lima, in Wolfsburg, schließlich in Cloppenburg. Kappeln scheint nur eine weitere Station im Leben eines Globetrotters.

Weber stimmt zu: „Die eine Heimat habe ich sicher nicht, sondern viele. Heimat ist für mich zunächst die Familie, nicht irgendein Ort.“ Obwohl er in Cloppenburg inzwischen immerhin Vorsitzender des Heimatvereins ist.

Bundesfreiwilligendienst
Den Bundesfreiwilligendienst gibt es seit 2011. Er ist gedacht als Ergänzung zumn Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und kann auch von Menschen geleistet werden, die älter sind als 27 Jahre. Die Einsatzbereiche sollen wie beim FSJ dem Allgemeinwohl dienen. Die Bufdis erhalten bei freier Unterkunft und Verpflegung eine Aufwandsentschädigung von höchstens 426 Euro. Im Vorjahr haben in Deutschland rund 37.000 Menschen einen Bundesfreiwilligendienst geleistet. Unter allen Dienstleistenden waren 1,5 Prozent älter als 66 Jahre. (fjs)