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Chefredakteur Markus Nolte über Missbrauchs-Aufklärung in deutschen Bistümern

Ränkeschmiede und ein neuer Skandal - es reicht!

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Was für eine Woche! Mitten in die Ränkeschmiede um Vertuschungsvorwürfe in Köln platzt ein Bericht über bestialischen Missbrauch in Speyer, tausendfach, von Schwestern perversen "Geistlichen" ermöglicht. Bislang hörte man aus dem Süden Deutschlands merkwürdig wenig über derartige Aufklärung. Das muss sich ändern, sagt Chefredakteur Markus Nolte in seinem Kommentar.

Es verschlägt einem die Sprache, es fehlen die Worte. Und eigentlich wäre damit alles gesagt und dieser Kommentar am Ende. Doch nach so viel Verschweigen verbietet es sich, den Mund zu halten, sich einschüchtern zu lassen, Rücksicht auf „Würdenträger“ zu nehmen und abzuwarten, bis der nächste Skandal in der katholischen Kirche in Deutschland irgendwie ans Licht kommt.

Es verbietet sich aus Respekt vor den von Missbrauch Betroffenen. Es verbietet sich aus Respekt vor der Würde des Volkes Gottes. Es verbietet sich aus Respekt vor der Botschaft, deren Verkündigung zwar unser aller Auftrag ist, der aber zunehmend verunmöglicht wird, weil man „uns“ nicht glaubt – weil Verkündiger dafür gesorgt haben, dass die Botschaft wie eine Farce wirken muss.

Perverse „Geistliche“

Grenzenlos sind Abscheu, Ekel, Entsetzen, Wut – und eine schreckliche Hilf- und Machtlosigkeit angesichts dessen, was jetzt bekannt wurde, diesmal aus Speyer: Priester, darunter wohl der inzwischen verstorbene, langjährige oberste Kirchenrichter des Bistums, vergewaltig­ten über Jahre und aufs Brutalste Jungen und Mädchen eines Kinderheims. Damit nicht genug: Ein Orden war der Träger, die Schwes­tern stellten die Kinder den perversen „Geistlichen“ zu Verfügung, bedienten die „hohen Herren“ gar, während im selben Raum ihre Schützlinge bestialisch missbraucht wurden. Ein Junge tausendfach. 

Was geht in solchen kranken Hirnen vor sich? Und wer soll glauben, dass darüber all die Jahre nichts gewusst wurde? 

Was geschieht hinterm Weißwurstäquator?

Es ist gut, dass Münster, Hildesheim, Essen, Aachen, Mainz, Limburg, Trier und – holpernd – Köln daran gehen, den Missbrauch durch Priester aufzuklären. Aber was ist mit all den anderen Diözesen, vornehmlich denen im Süden?

Es wäre naiv zu meinen, Vorfälle wie jene in Speyer machten am Weißwurst­äquator halt, weil zwischen Würzburg und Passau die katholische Welt eben noch in Ordnung wäre, wo doch 2005 erst ein Bayer Papst wurde. 

Nichts ist in Ordnung, schon lange nicht. Und doch bleibt es still, auffällig still in vielen Diözesen – und das seit 2010.

Währenddessen entgleitet die Situation zusehends. Gläubige verlieren angeekelt von Vertuschung und Ränkeschmiederei den Glauben an die Kirche. Wie kann man ausgerechnet über diesen Glaubensverlust schweigen?

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