Themenwoche „Erstkommunion“ (2)

So wichtig war die Erstkommunion für Influencerin Jacqueline Straub

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Jacqueline Straub, katholische Theologin, Journalistin und Buchautorin, spricht im Interview über ihre eigene Erstkommunion, kirchliche Aufbrüche und Chancen der digitalen Glaubenskommunikation.

Woran denken Sie, wenn Sie sich an Ihre Erstkommunion erinnern?

Im Vorfeld an die Erstkommunion erinnere ich mich an den Erstkommunionunterricht, den es zusätzlich zum Religionsunterricht gab und der von den Eltern geleitet wurde. Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir eine Taube gebastelt und Brot gebacken haben. Das Werkbuch „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ habe ich noch heute. An die Probe vor der Erstkommunion kann ich mich auch noch erinnern – an den Gottesdienst nur noch schwach. Aber ich habe einen hübschen Blumenkranz getragen. Und wir alle haben ein Bronzekreuz geschenkt bekommen. Das habe ich noch heute.

Aus Ihrem Blickwinkel: Wie wichtig sind heute noch die Sakramente für die Menschen?

Sakramente sind Geschenke Gottes – davon können wir nie genug haben. Im Sakrament zeigt sich Gottes Liebe und Nähe zu den Menschen. Wenn ich die Kommunion erhalte, stärkt mich das. Ich nehme Gott in mich auf, lasse ihm Platz in mir, sich zu entfalten und mich zu erfüllen.

Die Erstkommunion-Aktion 2023 des Bonifatiuswerkes steht unter dem Motto „Weites Herz – offene Augen!“ und nimmt die Geschichte vom blinden Bartimäus in den Blick. Wo wünschen Sie sich heutzutage mehr Menschlichkeit und offene Augen?

Kommunionkind. | Archiv-Foto: Michael Bönte
Kommunionkind. | Archiv-Foto: Michael Bönte

An vielen Stellen wünsche ich mir mehr Menschlichkeit und offene Augen: Sei das in Schulen, an Arbeitsplätzen oder in den sozialen Netzwerken, wenn Menschen ausgegrenzt und gemobbt werden. Innerhalb der Kirche wünsche ich mir offene Augen von den Amtsträgern. Sie müssen dorthin schauen, wo die Wunden der Kirche sind – und dann auch handeln. Sie müssen sehen, was die Basis sich wünscht – und dann auch auf Veränderungen hinarbeiten.

Ihr Buch „Wir gehen dann mal vor – Zeit für einen Mutausbruch“, ist im Oktober 2021 erschienen. Welchen Mutausbruch in der Kirche haben Sie bisher verspürt – gerade auch mit Blick auf die Rolle der Frau?

Ich spüre, dass immer mehr Frauen zu ihrer Berufung stehen, diese sogar öffentlich machen. Auch merke ich, wie Bischöfe mutiger werden und deutlich sagen, dass sie sich Frauen als Diakoninnen und Priesterinnen vorstellen könnten. Da merke ich: Es geht etwas voran in der Kirche.

Welches Potenzial räumen Sie dem Synodalen Weg ein?

Leider gibt es in Rom einige Kleriker, die enorm gegen den Synodalen Weg ankämpfen und alles daransetzen, diesen zu stoppen – oder zumindest in der Weltkirche und vor dem Papst schlecht zu machen. Der Synodale Weg hat jetzt schon etwas auf den Weg gebracht und Menschen – vor allem Geweihte – zum Nachdenken, ja manchmal sogar zum Umdenken gebracht. Wenn der Synodale Weg scheitert, werden enorm viele Menschen enttäuscht – dann befürchte ich eine große Austrittswelle.

Wie transportieren Sie das „Brennen im Herzen“ nach außen? Wie stecken Sie andere Menschen mit diesem Feuer an?

Der heilige Augustinus sagte: „In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst“. Das habe ich mir zum Lebensmotto gemacht. Ich spreche offen über meinen Glauben und lass mich ansprechen von anderen Menschen. Ich erzähle, wie Jesus Christus in meinem Leben wirkt. Gleichzeitig versuche ich den Menschen zu zeigen: Es lohnt sich, für eine Herzensangelegenheit, für eine Berufung, zu kämpfen. Es lohnt sich, sich für die Kirche starkzumachen und für andere Menschen einzutreten – denn nicht jede*r kann die Stimme erheben.

Auf Ihren Social-Media-Kanälen formulieren Sie klar und deutlich Glaubensinhalte. Welche Chance sehen Sie dort, Menschen von und mit Glaubensthemen nachhaltig zu begeistern?

Die Zeiten, in denen die Menschen zur Kirche kommen, sind vorbei. Die Kirche muss zu den Menschen gehen. Dazu gehört auch Social Media, denn dort halten sich viele auf, die spirituell suchend und gläubig sind. Wenn gesagt wird, dass wir in Europa in einer Glaubenskrise stecken, werde ich sauer. Wir stecken in einer Kirchen- und Vertrauenskrise. Doch: Die Menschen wollen glauben und wollen auch mit Glauben begleitet werden. Ich versuche, auf Instagram ansprechbar zu sein. Ich schreibe über Glaubensthemen, meine Beziehung zu Gott, aber auch über Dinge, die mich an der Kirche stören. 

Welche Rückmeldungen erhalten Sie als „katholische Influencerin“ dort von der Community?

Ich erhalte immer wieder Rückmeldungen, dass meine Worte gut ankommen. Viele haben noch ein sehr starres Bild von Kirche und sind überrascht, dass Kirche auch so „anders“ sein kann. Aber natürlich gibt es auch negative Kommentare, weil nicht jede*r meinen Einsatz für das Frauenpriestertum gut findet. Ich spüre aber auch, dass viele ermutigt werden, weil sie merken, dass es noch Menschen gibt, die für die Kirche kämpfen und die die Missstände in der Kirche nicht einfach hinnehmen.

Die Influencerin Jacqueline Straub ist auf Instagram zu finden.