Hohe Erwartungen im Vorfeld – und Kritik

Synodaler Weg – ab heute tagt erste Versammlung in Frankfurt

Mit einem Gottesdienst im Frankfurter Dom beginnt am Abend die erste Synodalversammlung des Synodalen Wegs der katholischen Kirche in Deutschland. Bis Samstag beraten 230 Bischöfe und Laien über Perspektiven für die Zukunft der Kirche.

Der nicht beteiligte Kardinal Gerhard Ludwig Müller attestierte dem Projekt einen „Geburtsfehler“. Dass es in der Kirche um Macht gehe, die nun demokratisch begrenzt und geteilt werden müsse, sei ein „politisches Missverständnis“, schreibt Müller in der „Tagespost“. Von „Gewaltenteilung in der Kirche“ zu sprechen, sei „nichts anderes als Populismus und theologische Ignoranz“.

Kardinal Müller: Synodaler Weg kann nichts uminterpretieren

Der Synodale Weg könne nicht den Heiligen Geist für sich reklamieren, „um die Autorität der Heiligen Schrift, der Apostolischen Tradition und der unfehlbaren Entscheidungen des Lehramtes zu suspendieren, zu korrigieren und umzuinterpretieren“, so Müller.

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige hält unterdessen eine Lockerung des Pflichtzölibats für Priester für denkbar. Das Zweite Vatikanische Konzil habe erklärt, die Ehelosigkeit sei dem Priesterdienst angemessen, gehöre aber nicht zum Wesen, sagte Feige im ZDF.

BDKJ: Zu wenige junge Leute diskutieren mit

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) plädierte für eine grundlegende Erneuerung der Kirche. „Wenn ein Fundament Risse bekommt, kann man das Haus nicht mit Reparaturen an der Fassade retten, sondern muss die Grundfesten erneuern“, sagte sie. Man könne von einer „fundamentalen Erosion sprechen“.

Die katholische Jugend kritisierte einen zu geringen Anteil junger Katholiken bei der Synodalversammlung. Die Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Katharina Norpoth, sagte bei katholisch.de, es sei „unverständlich und schade, dass die Jugend in der Versammlung unterrepräsentiert ist“. Unter den 230 Teilnehmern sind den Angaben zufolge 15 Synodale unter 30 Jahren, die der BDKJ ausgewählt hatte. Darüber hinaus gebe es nur sechs weitere Menschen dieser Altersstufe in dem Gremium.

Betroffene: Dialog aussetzen – erst Missbrauchsopfer entschädigen

Die Initiative „Eckiger Tisch“ von Missbrauchs-Betroffenen dringt weiter auf eine schnelle Entscheidung in der Entschädigungsfrage. Der Reformdialog solle so lange ausgesetzt werden, bis die Kirche sich bei Entschädigungen geeinigt habe. Es könne nichts Gutes aus dem Reformdialog erwachsen, wenn „die Opfer draußen vor der Tür stehen und immer noch auf eine Antwort warten“.