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Trotz verdoppelter Nachfrage durch Ukraine-Krieg und rasanter Inflation

Tafeln in Löningen und Friesoythe halten Kunden-Ansturm (noch) stand

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Tafeln am Limit: Immer mehr Menschen suchen Hilfe. Die gespendeten Lebensmittel reichen nicht mehr überall aus. In Nordrhein-Westfalen haben deshalb viele Tafeln einen Aufnahmestopp für Neukunden verhängt. Anders sieht es bei der Caritas-Tafel in Friesoythe und der von der Caritas unterstützten Einrichtung in Löningen (beide im Kreis Cloppenburg) aus. Dort war das bisher noch nicht nötig – noch nicht.

„Noch haben wir genug Ware, bisher jedenfalls“, sagt Werner Fuhler. Die Zahl der Kunden sei zwar binnen Jahresfrist um gut 30 Prozent gestiegen, vornehmlich durch Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine geflüchtet sind. Aber bisher reicht das, was die ehrenamtlichen Helfer der Caritas-Tafel „CarLa“ im oldenburgischen Friesoythe (Kreis Cloppenburg) an gespendeten Lebensmitteln Woche für Woche sortieren, um es in Friesoythe und vier weiteren Ausgabestellen an Bedürftige zu verteilen. Jede Woche packen sie rund 450 Kartons für Familien, etwa 150 mehr als im Vorjahr.

Doch auch wenn die Versorgung bisher funktioniert – ausschließen will der ehrenamtliche Leiter der „CarLa“ nicht, dass auch die Friesoyther Tafel künftig auch mal einen Aufnahmestopp für Neukunden verhängen muss. Mit Sorge schaut er zum Beispiel auf den kommenden Winter.

Helfer der Tafel rechnen mit Ansturm im Winter

Kisten mit Lebensmitteln.
In Friesoythe werden je nach Zahl der versorgten Bedürftigen Kisten für sie gepackt und an insgesamt fünf Ausgabestellen im Umkreis ausgegeben. Erwachsene zahlen pro Person 2 Euro, Kinder 50 Cent. | Foto: Michael Rottmann

„Wenn die Abrechnungen von Strom und Gas kommen, wird es sicher voller. Ich gehe davon aus, dass sich dann noch mehr Menschen anmelden“, sagt Werner Fuhler. Deshalb komme es im Moment darauf an, den guten Kontakt zu den Firmen zu pflegen, die für die Tafel besonders wichtig sind, weil sie überzählige Ware direkt aus der Produktion spenden. Sie sorgen derzeit noch für volle Regale und Kühlhäuser.

Die geografische Lage Friesoythes in einem Zentrum der deutschen Lebensmittelproduktion hilft der Tafel bei der Versorgung. Im Umkreis gibt es mehrere große Schlachtereien, dazu Großbäckereien und Hersteller von Feinkost- und Tiefkühlware, die regelmäßig Ware spenden. Dazu kommt das, was Ehrenamtliche drei Mal die Woche von ihren Touren zu Lebensmittelmärkten im Umkreis zusammentragen.

Tafeln helfen sich untereinander aus

Im Moment komme alles in allem noch so viel zusammen, „dass wir auch noch andere Tafeln im Umkreis unterstützen können“, sagt Werner Fuhler. Etwa in Wildeshausen, Delmenhorst oder Cloppenburg. Als Zeichen der Solidarität und nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit: Etwa, wenn aus Cloppenburg dort anfallendes überzähliges Gemüse im Gegenzug nach Friesoythe geht.

Nachfrage in Löningen hat sich verdoppelt

Anders als in Friesoythe sieht es bei der Tafel im ebenfalls zum Landkreis Cloppenburg zählenden Löningen aus, gut 40 Kilometer südlich. Dort ist die Nachfrage schon jetzt deutlich stärker gestiegen. „Wir haben doppelt so viele Abholer“, sagt der ehrenamtliche Tafel-Leiter Gerd Einhaus, der seit der von der Gemeindecaritas angestoßenen Gründung der Tafel vor 13 Jahren dabei ist. „Vor einem halben Jahr waren es rund 100, jetzt sind es 200. Jeder holt Ware für etwa drei Personen, macht 600 Menschen, die von der Tafel mitversorgt werden.“

Kühlraum
Die Tafeln verfügen über Kühlhäuser wie dieses in Friesoythe, in denen die Waren gelagert werden können. | Foto: Michael Rottmann

Auch in Löningen ist es zum einen der Krieg in der Ukraine, die die Zahlen hat hochschnellen lassen, aber nicht nur. „Es sind auch Kunden, die die Hilfe vorübergehend nicht benötigten und die jetzt wiederkommen, weil ihre Kosten so gestiegen sind und zum Beispiel die Rente nicht reicht.“

Das stellte das ehrenamtliche Team um Gerd Einhaus zeitweise vor ein Dilemma. Denn die Lebensmittelspenden haben mit der gewachsenen Nachfrage nicht schrittgehalten. „Glücklicherweise haben wir in letzter Zeit aber viele Geldspenden erhalten“, sagt er. „Damit kaufen wir derzeit haltbare Ware, etwa Nudeln oder Konserven, gezielt zu und können deshalb im Moment noch alle Leute bedienen.“

Tafel entlastet das geschrumpfte Helferteam

Außerdem hat die Tafel ihre Ausgabe umgestellt, von einer wöchentlichen auf eine Ausgabe alle vierzehn Tage. „Unsere Kunden bekommen trotzdem genug mit“, sagt Einhaus. Aber die Veränderung entspanne die Nachfrage und entlaste auch das ehrenamtliche Helferteam, das durch die Corona-Zeit geschrumpft ist.

Insgesamt kann die Tafel zwar immer noch auf 70 Helferinnen und Helfer zurückgreifen. „Aber wir benötigen eben an jedem Ausgabetag auch 20 Leute“, erklärt Gerd Einhaus. Dazu kommen diejenigen, die während der Woche täglich Supermärkte abfahren, um Ware einzusammeln. „Und nicht alle können jede Woche. Und dazu kommen Corona-Infektionen.“

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