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„Pastoralreferentinnen führen längst Gespräche ähnlich der Beichte“

Theologe Wucherpfennig: Frauen sollen Beichte abnehmen dürfen

  • Der Theologieprofessor Ansgar Wucherpfennig will Diakonen ermöglichen, die Beichte abzunehmen.
  • Das könnten später dann auch Diakoninnen tun, argumentiert er.
  • Schon heute würden viele Frauen Gespräche führen, die einer Beichte nahekommen.

Der Jesuit und Theologieprofessor Ansgar Wucherpfennig (55) kann sich vorstellen, dass Diakone jemandem die Beichte abnehmen – und dass dies auch Frauen übernehmen. Es sei „de facto so, dass Frauen – als Pastoralreferentinnen oder auch ehrenamtlich – heute schon Gespräche führen, die mit Beichtgesprächen vergleichbar sind, in Gemeinden oder auch in der geistlichen Begleitung“, sagte der Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Frankfurt-St. Georgen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Man könnte also das Beichtsakrament nicht nur Priestern, sondern auch Diakoninnen überantworten.

Theologen müssten ohne Denkverbote über Weiheämter für Frauen reflektieren und ihre Meinung äußern können, so Wucherpfennig. Er sehe „keinen theologischen Grund zu sagen: Diakonin ja, aber Priesterin nein“.

Für Diakoninnen-Amt in „neuer Gestalt“

Laut Wucherpfennig kann das Amt der Diakonin – das in der frühen Kirche belegt sei – ein nächster Schritt sein. „Ich stelle mir allerdings vor, dass dann das Diakoninnen-Amt noch einmal eine ganz andere Gestalt bekommen muss“, sagte der Professor für die Auslegung des Neuen Testaments.

Am Freitag wird der Reformdialog Synodaler Weg in der katholischen Kirche in Deutschland mit fünf Regionalkonferenzen fortgesetzt. „Ich erhoffe mir viel vom Synodalen Weg“, sagte Wucherpfennig. „Er ist geschichtlich wahrscheinlich die letzte Chance, den Impuls, der mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gegeben war und dann eine ganze Zeit lang stagniert ist, noch einmal aufzugreifen und in eine neue Dynamik zu bringen.“

Wer ist Ansgar Wucherpfennig?

Wucherpfennig zählt zu den Theologen, die seit Jahren Reformen fordern. Der Vatikan hatte ihm 2018 die Unbedenklichkeitserklärung („Nihil obstat“) für eine dritte Amtszeit als Hochschulrektor zunächst nicht erteilt, was auf massive Kritik stieß. Wucherpfennig hatte sich wiederholt kritisch zum Umgang der Kirche mit Frauen und Homosexuellen geäußert.

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