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Für die „Generation Y“: Das Projekt „FREI“ der St.-Gertrud-Pfarrei in Lohne

Von „Theologie vom Fass“ bis zum Segen für die erste eigene Wohnung

  • Die Lohner St.-Gertrud-Pfarrei macht neuerdings gezielt Angebote für die Generation Y, also die 80-er und 90-er Geburtsjahrgänge.
  • Der Grund: Zum Gottesdienst kommen sie nur noch selten.
  • Kaplan Alexander Senk erklärt, warum er eine Chance sieht, sie dennoch mit der christlichen Botschaft in Berührung zu bringen.

Zum ersten Lohner Poetry-Slam vor zwei Wochen kamen mehr als hundert Zuschauer. Draußen auf dem Vorplatz der Gaststätte „Volldampf“ gaben die Teilnehmer am Micro ihre Gedanken zum Besten: „Freiheit“ lautete das Oberthema und die Frage: „Was bedeutet das eigentlich: frei sein?“

Die Texte drehten sich zum Beispiel um „Freiheit und Stress“, auch um den Sinn des Lebens. Ernste Themen, denen das Publikum gebannt zuhörte. Was Mitorganisator Alexander Senk wieder einmal deutlich vor Augen führte: Junge Erwachsene sind nicht oberflächlich, sondern durchaus ansprechbar für grundsätzliche, auch religiöse Fragen.

In der Kirche sieht die Y-Leute selten

Genau da setzt das Projekt „FREI“ der Lohner St.-Gertrud-Pfarrei an, zu dem auch der Poetry-Slam zählte. Damit will ein Team um den Kaplan insbesondere die älteren unter den so genannten jungen Erwachsenen ansprechen. „Leute, mit Ausbildung oder Studium fertig sind, die die erste eigene Wohnung beziehen, vielleicht eine Hochzeit planen.“ Und die vor allen Dingen eines gemeinsam haben: „In der Kirche sehe ich sie nur sehr selten.“

Der 32-jährige Geistliche weiß aber aus vielen Gesprächen: Auch sie haben Fragen. Manchmal, etwa am Lagerfeuer mit einer Leiterrunde, kommen die auf die Tagesordnung: Warum wird man eigentlich Priester? Warum zahlen wir Kirchensteuern? Bis hin zu denen, die Senk die heißen Eisen nennt: Zölibat, Missbrauch, Frauen in der Kirche. In solchen Gesprächen spürt er: „Da gibt es eine ganze Generation junger Leute, die ihren Weg weiter mit der Kirche gehen, auch wenn sie nicht zu den acht Prozent klassischer Kirchenbesucher gehören.“

Alexander Senk setzt auf relevante Angebote

Kaplan Alexander Senk
Der Lohner Kaplan Alexander Senk hat den Anstoß für das Projekt „FREI“ gegeben. | Foto: Michael Rottmann

Warum sie nicht kommen? Nicht unbedingt, weil Kirche sie abschrecke. „Eher schon, weil sie nicht wissen, warum sie kommen sollten.“ Diese Frage möchte er mit guten Angeboten beantworten. „Ich möchte, dass sie gerne kommen, weil sie glauben, etwas für sich mitnehmen zu können.“

Aber wie lassen die sich ansprechen? Der Kaplan nimmt den Poetry-Slam als Beispiel. „Dabei haben die Teilnehmer über sich und ihre Erfahrungen gesprochen. Ich glaube, das ist der Schlüssel, mit dem wir etwa unsere Botschaft vermitteln können. Ich glaube, das geht nur noch, wenn es nicht nur von der Kanzel heruntergepredigt wird, sondern wenn Leute davon berichten, wie sie selber für sich die Erfahrung machen: Da ist Gott für mich relevant geworden.“

Auch Gottesdienste zählen zu den Angeboten des Projekts „FREI“

Das bringe vielleicht sogar den ein oder anderen dazu, mal wieder die Kirche zu besuchen. Regelmäßig gehören deshalb auch Gottesdienste am Sonntagabend zum Angebot des Projekts. Natürlich freut der Kaplan sich, wenn jemand auch dort auftaucht. Das ist aber nicht sein Hauptziel. „Ich mache das nicht, um sonntags die Kirche voll zu kriegen“, betont Alexander Senk.

Welche Aktionen sind als nächstes geplant? Welche kommen überhaupt infrage? Senk hat klare Vorstellungen: „Die Aktionen sollen jungen Menschen die Möglichkeit bieten, das Evangelium in einer neuen Relevanz für ihr Leben kennenzulernen.“ Ein hoher Anspruch. „Aber es ist eigentlich ganz einfach: Wir brauchen Angebote, in denen Menschen sich mit ihrem eigenen Leben beschäftigen, sich selbst kennenlernen und dabei feststellen: So weit ist man mit seinem Leben gar nicht vom Evangelium entfernt.“

„Theologie vom Fass“

So ein Angebot kann dann durchaus so bunte Namen tragen wie „theology on the tap“, zu deutsch: „Theologie vom Fass“. Der Kaplan hat die Idee von einer Studienreise nach Chicago mitgebracht. Ein Gesprächsabend für junge Leute in lockerer Atmosphäre in einer Gaststätte. Aber immer mit Impuls, Vortrag oder Ähnlichem. Und zur niedersächsischen Kommunalwahl im kommenden Jahr ist ein Abend mit jungen Parteivertretern geplant. Nicht über deren Wahlprogramme, sondern darüber, welche Grundhaltung hinter ihrem politischen Einsatz steht.

Für ein anderes Angebot kommt Kaplan Senk auch zu den jungen Leuten nach Hause. Auf Wunsch segnet er die neu bezogenen vier Wände. Eine erste Anfrage dafür hat er schon, von einem Paar, das sein Haus segnen lassen will.

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