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Experte der Kirchenbank DKM: Ethisches Investment nicht nur etwas für Reiche

Was macht ethisch-nachhaltige Geldanlagen aus, Herr Postmeier?

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Keine Rüstungsfirmen, keine Kinderarbeit – und so ökologisch wie möglich: Der Trend zu ethisch-nachhaltigen Geldanlagen wächst. Heute haben die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) eine überarbeitete Orientierungshilfe zum Thema Geldanlage vorgelegt (siehe Kasten unten). Was es mit ethisch-nachhaltigen Anlagen auf sich hat, erläutert Vermögens-Experte Klaus Postmeier von der Darlehnskasse Münster (DKM).

Herr Postmeier, was macht ethisch-nachhaltige Geldanlagen aus?

Vermutlich werden die meisten, die Geld anlegen möchten, damit auch einen Ertrag erzielen wollen. Dann spielt die Höhe des Risikos eine Rolle und die Frage, wie schnell ich gegebenenfalls wieder an mein Geld herankomme. Der Aspekt der Nachhaltigkeit geht noch einen Schritt weiter. Er bezieht ökologische, soziale und ethische Aspekte in die Erwägungen ein. Wir führen inzwischen in unserem Katalog mehr als 400 verschiedene Kriterien auf. Ausbeuterische Kinderarbeit etwa oder Glücksspiel sind dann Ausschlusskriterien. Ein anderes Beispiel ist der sogenannte „goldene Reis“. Dieser Reis hat einerseits die Chance, die Mangelernährung auf der Welt zu beenden – allerdings mittels gentechnisch veränderter Pflanzen. Da gilt es gut hinzuschauen.

Ist eine solche Art der Geldanlage nur etwas für Menschen, die ohnehin schon viel Geld haben?

Jeder, der Geld anlegen möchte, sollte sich genau überlegen, was er damit bezwecken will. Schon mit 25 Euro monatlich ist da einiges möglich. „Mein Invest-Nachhaltig“ heißt etwa ein Online-Angebot der DKM, das da in Frage kommt. Das kann übrigens jeder und jede online erwerben – dafür muss man nicht einmal Kunde bei uns sein. Auch die ethisch-nachhaltigen „KCD-Fonds“, die katholische und evangelische Banken mit initiiert haben, kann grundsätzlich jeder bei jeder Bank erwerben.

Woran erkennt man, wie ethisch-nachhaltig eine Geldanlage ist? Nicht bei jedem Fonds ist ja ersichtlich, was darinsteckt.

Sie haben Recht, Fonds spielen da eine große Rolle. In der Tat kann oder möchte sich nicht jeder Kunde mit jedem Unternehmen auseinandersetzen, das Teil eines Fonds ist. Zudem raten wir zu einer gewissen Vorsicht. Mitunter ist der Begriff „Nachhaltigkeit“ kaum mehr als eine Marketingstrategie, hinter der nicht viel steckt. Seit April dieses Jahres müssen sich zudem alle Banken zu diesem Thema positionieren. Es ist allerdings sehr unterschiedlich, wie detailliert eine Bank darüber informiert. Kurzum: Ich empfehle, sich auf den Internetseiten einer Bank über die Zusammensetzung eines Fonds zu informieren – oder schlichtweg das Gespräch mit einem Berater, einer Beraterin zu suchen. Dabei muss klar sein: Es gibt keine verbindliche Norm darüber, was ethisch-nachhaltig ist und was nicht. Letztlich muss das jede Kundin und jeder Kunde für sich selbst entscheiden.

Wie ist das Verhältnis von Risiko und Rendite bei ethisch-nachhaltigen Geldanlagen?

Wir sprechen von denselben Anlage-Klassen: etwa Aktien­anlagen, die mitunter stärkeren Schwankungen ausgesetzt sind, oder mittel- bis langfristige verzinsliche Anlageformen wie Anleihen beziehungsweise Renten, die womöglich etwas weniger starke Schwankungen erleben. Die Chancen sind unseres Erachtens aber tatsächlich bei den ethisch-nachhaltigen Anlagen größer, denn inzwischen zeigt sich ja auch ein Effekt durch politische Weichenstellungen: Ökologische Projekte können auf Dauer profitabler sein als bislang groß gehandelte Unternehmen, die sich aber als Umweltsünder erweisen. Nachhaltigkeit braucht eine langfristige Perspektive.

Welche Rolle spielen diese ethisch-nachhaltigen Geldanlagen für die DKM als kirchliche Bank?

Für uns ist das Alltag – und zwar sowohl bei Mischfonds, die wir jeder Kundengruppe anbieten können, als auch im Bereich von Immobilienanlagen. Solche Angebote wird es vermutlich nicht bei jedem Institut geben. Besonders deutlich wird unser Engagement aber auch im Bereich der Mikrofinanzen, die dabei helfen, dass kleine Unternehmen in Schwellenländern ohne Zugang zum internationalen Kapitalmarkt ihre Ideen realisieren können. Sie sind für uns interessant, weil ein monetärer Ertrag dabei herumkommt und zudem eine soziale Rendite. Dann fühlen wir uns richtig aufgestellt.

Was, wenn ein Kunde sagt: Ich möchte in die Rüstungsindustrie investieren?

Wir werden dahingehend nicht beraten. Wenn jemand über das Internet dort investieren will, können wir das nicht verhindern. Wer uns beauftragt, dort Aktien für ihn zu erwerben, der darf das tun. Aber wer uns fragt, was wir davon halten, wird auch die entsprechende Antwort erhalten.

Heute haben Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken ein überarbeitetes Papier zu ethisch-nachhaltigen Geldanlagen vorgelegt. Welche Chance haben kirchliche Mahnungen im deutschen Finanzmarkt?

Wir halten das für richtig und wichtig. Die katholische Kirche ist nach wie vor ein Schwergewicht und setzt auch klare Leitplanken für christlich verantwortliche Investoren. Ich persönlich erlebe die Kirche als einen guten, überzeugenden Impulsgeber für ethisch-nachhaltiges Investment.
Darüber hinaus soll das Papier von Bischofskonferenz und Zentralkomitee, an dem die Kirchenbanken übrigens mitgearbeitet haben, ja ein Rahmen für kirchliche Einrichtungen sein, um eigene Richtlinien für ihr Investment aufzustellen. Es wendet sich sowohl an haupt- als auch ehrenamtliche Entscheider kirchlicher Geldanlagen.

Orientierungshilfe zu Geldanlagen
Die deutschen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken machen sich für ethisch-nachhaltiges Investment der Kirchen stark. Kirchliche Vermögensverwaltung sei „ein sehr sensibler Bereich“, der öffentlich „kritisch wahrgenommen“ werde, heißt es in der überarbeiteten Neuauflage einer Broschüre.

Zu Recht werde von kirchlichen Vermögensträgern ein erhöhtes Maß an Glaubwürdigkeit und Transparenz gefordert. Gefragt werde auch, wie und wo die Kirche investiert, „welche sozialen und ökologischen Maßnahmen sie fördert“ und welche Wirkungen sie mit ihrer Anlage auf dem Kapitalmarkt erzielen will.“

Die Neuauflage der Orientierungshilfe zu Geldanlagen richtet sich an Finanzverantwortliche katholischer Einrichtungen. Sie greift auch Impulse des Pariser Klimaabkommens von 2015 und der „Globalen Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen auf. Sie ist als PDF im Internet herunterzuladen und auch als Broschüre erhältlich. | KNA

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