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Steinfurter Gespräch mit Pfarrer Jochen Reidegeld

ZDF-Journalist Wulf Schmiese über Hass im Netz und Zukunftsängste

  • Wulf Schmiese, Redaktionsleiter des ZDF-„heute journal“ war zu Gast in Burgsteinfurt.
  • 140 Gäste verfolgten das Gespräch des Medienmanns mit Pfarrer Jochen Reidegeld über Politik und Kirche.
  • Schmiese sieht eine große Bereitschaft, im Kampf gegen den russischen Machthaber selbst Verzicht zu üben.
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„Wenn das Benzin teuer ist, dann fahren wir halt weniger mit dem Auto und wenn das Gas knapp ist, ziehen wir einen Pullover mehr an.“ Der ZDF-Journalist Wulf Schmiese hält nichts von Schwarzmalerei. Auf Einladung von Pfarrer Jochen Reidegeld war der „heute journal“-Redaktionsleiter in Burgsteinfurt zu Gast und zeigte sich zuversichtlich: „Unser Land ist vernünftig, die Deutschen wollen kein Chaos.“ Auch wenn sich manches ändere und nichts bleibe, wie es ist: „Die Deutschen werden das hinkriegen, sie werden sich an neue Situationen gewöhnen.“

140 Zuhörer kamen auf Einladung von Jochen Reidegeld in die St.-Johannes-Nepomuk-Kirche in Burgsteinfurt und verfolgten das intensive, aber auch unterhaltsame Gespräch des ZDF-Medienmanns mit dem Pfarrer über Politik und Kirche.

Trotz Corona-Pandemie und der auch durch den Angriffskrieg auf die Ukraine stetig teurer werdenden Dingen des Lebens sieht der in Steinfurt aufgewachsene Journalist den Zusammenhalt der Gesellschaft in Deutschland nicht gefährdet.

Religionen geben Grundregeln vor

Schmiese hat wenige Jahre nach dem Abitur Steinfurt fürs Studium Richtung Berlin verlassen, aber bis heute Kontakt in die alte Heimat pflegt gepflegt. Steinfurt habe ihn fürs Leben geprägt, betonte der 55-Jährige: „Die Menschen hier waren eher konservativ, aber mit einer liberalen Grundhaltung.“ Womit er meint, man habe gewusst, was sich gehört – und was nicht mehr. Verantwortlich für eine solche Haltung sind aus Schmieses Sicht auch die Religionen: „Sie geben uns – richtig verstanden – die Grundregeln fürs Zusammenleben vor.“

Das beträfe auch die Politik. Streiten wie die Kesselflicker sei notwendig, aber ebenso das Finden von Kompromissen: „Das macht unsere Demokratie aus.“ Ebenso müsse es möglich und dürfe nicht verwerflich sein, wenn politische Gruppen nach kontroversen Debatten beispielsweise ein Bier zusammen trinken: „Nein, genau das ist gut so.“

Persönlicher Frust

Wie Wut und Zorn in beleidigender Weise besonders in den Sozialen Netzwerken kursieren, hat Schmiese selbst erfahren, nachdem er 2009 Hauptmoderator des ZDF-Morgenmagazins geworden war: „Ich habe meinen Namen gegoogelt und war erschrocken über die Kritik.“ Früher, so seine These, habe man seinen Unmut in den eigenen vier Wänden kundgetan, „heute schleudert man es übers Internet in die Welt“. Inzwischen, gestand der Journalist, könne er mit dieser Form der Kritik gelassener umgehen: „Grund für einen solchen Post ist oftmals persönlicher Frust.“

Reidegelds Sorge, dass die Gesellschaft durch eine stärker werdende Ökonomisierung immer weiter auseinanderdriften könnte, wollte Schmiese nicht ganz so stehenlassen. Es gebe viele Beispiele für einen guten Zusammenhalt – und nannte die große Unterstützung für die Menschen in und aus der Ukraine. Und er sieht eine ebenso große Bereitschaft, im Kampf gegen den russischen Machthaber Putin selbst Verzicht zu üben.

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