Neues Pastoralteam gibt Betreuung von Sonntagsgottesdiensten auf

Aufregung um Jugendkirche Effata in Münster

Die Jugendkirche Effata ist erwachsen geworden. Den Sonntagsgottesdienst um 19 Uhr besuchen viele, die dort Heimat gefunden haben. Das weiß auch Holger Ungruhe, seit Anfang 2019 Pfarrer der Jugendkirche. Aber Effata habe den Kontakt zu „den“ Jugendlichen verloren. „Der Ort wird mit den Leuten älter“, bestätigt Ungruhe. Aufgabe des Effata-Teams müsse sein, Jugendliche anzusprechen und sich auf ihre Bedürfnisse einzulassen. Darauf wolle sich das Pastoralteam, das sich kürzlich neu aufgestellt hat, wieder besinnen. Ungruhe sieht jedoch auch: „Was Effata wollte, ist den Leuten wichtig geworden. Der Gottesdienst ist, so wie er konzipiert ist, gut.“

Das bestätigt eine Evaluierung des sonntagabendlichen Gottesdienstes durch das „Zentrum für angewandte Pastoralforschung“ (zap) der Universität Bochum, die am Sonntagabend vorgestellt wurde und die von Veronika Eufinger und Christina Görsch anhand von vier Interviews und drei Gottesdienstbesuchen erstellt wurde.

„Effata ist etwas Besonderes“

„Der Ort wird mit den Leuten älter“, sagt Pfarrer Holger Ungruhe über die Jugendkirche "effata" in Münster.| Foto: Michael Bönte

Die Gottesdienste sind demnach ein besonderes Erlebnis für eine besondere Zielgruppe in einem außergewöhnlichen Raum. Sie hätten inzwischen eigene Traditionen und seien zu einer spirituellen Heimat für eine Gemeinde geworden, die einerseits aus einem festen Kern und andererseits aus wechselnden Besuchern bestehe.

Eine gewisse Professionalisierung gehe einher mit einer verminderten Beteiligung von Jugendlichen an der Gestaltung und Durchführung der Gottesdienste. Insgesamt haben die Autorinnen festgestellt: „Exklusivität und Niedrigschwelligkeit sind in einem besonderen Gleichgewicht.“ Und weiter: „Effata ist etwas Besonderes.“

Wie werden die Messen zukünftig gefeiert?

Dennoch ist nicht alles eitel Sonnenschein an diesem Sonntagabend. Denn das Pastoralteam hat beschlossen, die sonntäglichen Abend-Gottesdienste, die weiterhin gefeiert werden sollen, nicht mehr zu betreuen. Sie sollen künftig von einem Team Ehrenamtlicher, das sich über einen festen Kern hinaus erst noch finden muss, gestaltet werden.

Sicher scheint das aber noch nicht zu sein, denn eine der Musikerinnen, Katja Orthues, beschwört die Teilnehmer geradezu: „Wir müssen es schaffen, dass die Gottesdienste weitergehen!“

„Entscheidung über die Köpfe der Ehrenamtlichen“

„Wir müssen es schaffen, dass die Gottesdienste weitergehen“, sagt Katja Orthues, Musikerin in der Jugendkirche "effata" in Münster. | Foto: Claudia Maria Korsmeier

Die Aufregung unter den etwa 30 Besuchern der Veranstaltung in der Martinikirche ist groß. „Ich bin, ehrlich gesagt, etwas geschockt“, fasst ein Teilnehmer seine Eindrücke zusammen. Und eine enttäuschte, regelmäßige Gottesdienstbesucherin kritisiert: „Die Entscheidung wurde ja schon vorher vom Pastoralteam getroffen. Deswegen war die Evaluierung völlig überflüssig.“

Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter bestätigt sie darin: „Hier ist über die Köpfe der Ehrenamtlichen hinweg entschieden worden.“ Dass das Pastoralteam sich nicht mehr für die Sonntagsgottesdienste zuständig fühle, habe er erst an diesem Abend erfahren. „Das ist eine extrem schlechte Kommunikation.“

Efatta-Gemeinde unter hohem Druck

Dieser Eindruck bestätigt sich im Lauf des Abends, an dem Anfragen zwar einerseits erbeten, andererseits aber abgewiegelt werden. Ärger und Enttäuschung bleiben. Daran ändert auch das an sich überaus positive Ergebnis der Evaluierung nichts. Der Jugendkirche fehlen Jugendliche. Aber der Kirche gehen gerade auch viele jung gebliebene Erwachsene verloren.