In Emsteker Pfarrei können Menschen mit Corona-Wut-Zetteln ihrem Ärger Luft machen

Corona-Frust wird vor der Krippe abgeladen – und im Osterfeuer verbrannt

  • Alles aufschreiben und die Zettel anschließend zerknüllen und zerreißen – das können Menschen in Emstek (Kreis Cloppenburg) jetzt mit den Dingen machen, die sie in der Corona-Zeit wütend machen.
  • Die St.-Margaretha-Pfarrei will ihnen dadurch dabei helfen, aufgestauten Corona-Frust abzulassen.
  • Sie hat dafür in ihren Kirchen Körbe für die anfallenden Schnipsel aufgestellt. Sie sollen beim Osterfeuer verbrannt werden.
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Verzichten, sich einschränken, geduldig sein – die Corona-Pandemie verlangt Menschen derzeit so einiges ab. „Und viele wissen nicht, wohin mit Ärger und Wut“, sagt Domkapitular Ludger Jonas. Der Pfarrer der St.-Margaretha-Gemeinde im oldenburgischen Emstek (Kreis Cloppenburg) bietet seiner Gemeinde deshalb jetzt Gelegenheit zum Frust-Ablassen: Auf vorbereiteten „Corona-Wut-Zetteln“ sollen sie aufschreiben, was sie belastet oder wütend macht an Corona. Anschließend können sie die die Zettel zerknüllen und zerreißen. Für die Papierschnipsel hat die Pfarrei Korbe in den drei Emsteker Kirchen und im Pfarrhaus aufgestellt. Die Überbleibsel sollen beim Osterfeuer verbrannt werden.

„Lassen Sie ihren Ärger ruhig raus! Der Liebe Gott kann damit umgehen.“ So ermuntert Ludger Jonas seine Gemeinde zum Mitmachen. Für ihn haben die Zettel eine Ventil-Funktion für aufgestaute Aggressionen. „Die Menschen müssen derzeit ja alles sehr vom Kopf her verstehen“, sagte er im Interview mit „Kirche-und-Leben.de“, „und die allermeisten machen ja auch verständnisvoll mit“. Trotzdem erzeuge die schwierige Lage bei vielen Menschen Frust. „Und bevor sich die Wut möglicherweise anders Luft macht, können sie diese Möglichkeit nutzen, ihren Druck abzulassen.“

Niemand muss sich schämen für seine Wut

Einer der Corona-Wut-Zettel in Emstek. | Foto: Hedwig Vorwerk
Einer der Corona-Wut-Zettel in Emstek. | Foto: Hedwig Vorwerk

Auf die Corona-Wut-Zettel können die Emsteker all Ihre starken und schwachen Gefühle schreiben, sagt Jonas. „Ihren Zorn, Ihre Wut, all Ihren Ärger über die Einschränkungen und die schwierige Situation, in der wir zurzeit leben müssen.“

Die Botschaft des ausgebildeten Ehe-, Familien- und Lebensberaters lautet dabei auch: „Wir dürfen wütend sein, wenn wir Ärger haben, und wir dürfen auch frustriert sein. Dafür muss sich niemand schämen. Es gehört sogar dazu.“ Dieser Aspekt kommt ihm zumindest in der öffentlichen Debatte derzeit zu kurz: „Die Frage: Wohin mit unserer Wut?“

Dem Frust körperlich Ausdruck geben

Ihm geht es bei dem Angebot darum, den Menschen als Ganzes in den Blick zu nehmen. „Also nicht nur den Kopf, nur die Gefühle oder nur seine Seele zu sehen, sondern den ganzen Menschen“. Deshalb sei auch das kräftige Zerreißen oder Zerknüllen wichtig. „Damit man seinem Gefühl auch körperlich Ausdruck geben kann.“ Ludger Jonas: „Es hat ja nicht jeder einen Box-Sack zu Hause.“

Seit kurz vor Weihnachten liegen die Corona-Wut-Zettel in den drei Kirchen der Pfarrei. Der Ablagekorb für die Überreste steht vor der Krippe. „Das Ganze wird auch genutzt“, sagt Ludger Jonas, „und das Echo ist positiv.“

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