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Heinrich Schulze Roetering (80) kümmert sich um den Krippenweg in Münster-Handorf

Lockdown sorgt für Besucher-Rekord beim Krippenweg

  • So viele Besucher wie im Corona-Lockdown hatte der Krippenweg in Münster-Handorf noch nie.
  • Seit zwölf Jahren sind auf einem Waldweg und rund um die St.-Petronilla-Kirche Krippen zu sehen – in diesem Jahr sind es 145 Exponate.
  • Heinrich Schulze Roetering war von Beginn an im ehrenamtlichen Team des Projekts und kümmert sich auch heute noch um die Wege und Aufbauten.
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Er ist von Beginn als ehrenamtlicher Helfer dabei. Das sind jetzt schon zwölf Jahre. Aber so eine Besucheransturm wie in dieser Advents- und Weihnachtszeit hat Heinrich Schulze Roetering bis heute nicht erlebt. Konkrete Zahlen kann er nicht nennen. Doch er sieht jeden Tag die vielen Menschen, die über den Krippenweg von der Kirche St. Mariä Himmelfahrt an der Dyckburg  durch den Boniburger Wald zur Kirche St. Petronilla in Münster-Handorf laufen. „Das liegt am Lockdown“, sagt der 80-Jährige. „Die Menschen haben ja kaum andere Freizeitmöglichkeiten.“

Schulze Roetering selbst ist täglich auf der etwa 1,5 Kilometer langen Strecke unterwegs. „Ich fahre ohnehin viel Fahrrad – den Weg an den Krippen entlang nehme ich immer mit.“ 30 Aufbauten sind es bis zur Wersebrücke. Direkt dahinter verdichten sich rund um St. Petronilla 115 Darstellungen. Seit dem 1. Advent sind sie aufgebaut, sie werden noch bis zum 17. Januar stehen. Viel Arbeit für das ehrenamtliche Team, zu dem der Rentner gehört.

Das ganze Jahr ist Vorbereitungszeit

„Die Planungen fangen schon im Sommer an“, sagt er. „Wenn wir hören, dass jemand Grünpflanzen aus seinem Garten entfernen will, organisieren wir die für unsere Kulissen.“ Ohnehin muss schon sehr früh geplant, gewerkelt und abgesprochen werden: Reparaturen an Figuren und Ställen, Kontakt mit den Krippen-Eigentümern und nicht zuletzt das Basteln neuer Krippen. Das macht Schulze Roetering selbst nicht, aber viele aus dem Team. Die Zahl der Ausstellungsstücke steigt kontinuierlich, 2008 waren es zusammen noch etwa 50.

„Die Idee kommt aus der Heimat von Bischof Felix Genn“, sagt Schulze Roetering. „Wir waren damals mit einer Gruppe aus unserer Pfarrgemeinde in Maria Lach im Bistum Trier und haben einen Wanderweg mit kleinen Krippen in Baumhöhlen entdeckt.“ Schon ein Jahr später stand das Konzept für Münster-Handorf. Und das wurde zu einem Selbstläufer. Sofort entwickelte sich eine Fan-Gemeinde, die selbst Krippen baute, sie aus Urlauben mitbrachte oder für die neue Idee extra kaufte.

Nicht hochwertig, aber liebenswert

„Da ist nichts Hochwertiges dabei“, sagt Schulze Roetering. „So ungeschützt und unbewacht über mehrere Wochen im Freien – das wäre nicht gut.“ Aber liebenswert sind die Darstellungen, egal aus welchem Material sie sind, ob abstrakt oder realistisch, ob groß oder klein. Die Kunststoff-Figürchen in der Glaskugel haben genauso ihren Reiz wie die große Holz-Sägearbeit oder der filigrane Nachbau münsterscher Sehenswürdigkeiten. „Es gibt einen alten Tischler und einen ehemaligen Gärtner hier im Ort, die liefern jedes Jahr neu – aber auch ein Ehepaar, das von seinen Reisen immer Figuren mitbringen.“ Auch der Kaplan aus Indien hatte mal eine Krippe aus der Heimat im Gepäck.

Es gibt viele weitere Unterstützer, die dafür sorgen, dass zum Beginn des Advents die Wege befestigt, die Stationen geschmückt und die Lichterketten aufgehängt sind. Einen hebt Schulze Roetering heraus. „Im alten Pfarrhaus an der Dyckburg lebt ein Arzt, der jeden Morgen die Tür von seinem Anbau aufschließt, damit die Besucher dort auf Toilette gehen können.“ Und der Name Peter Freytag müsse unbedingt genannt werden, sagt er. „Er ist die treibende Kraft, der Chef der Organisation und hat ständig neue Ideen.“

Ohne Waffeln, aber mit leuchtenden Augen

Schulze Roetering ist sicher nicht weniger wichtig. Gerade in diesem Jahr, in dem die Vorgaben durch die Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung waren. „Die Abstände zwischen den Darstellungen mussten vergrößert werden, die Wege breiter, Schilder für die Abstands- und Hygiene-Maßnahmen aufgestellt werden.“ Leider seien auch viele Höhepunkte ausgefallen, etwa die Eröffnungsfeier oder der Stand mit Waffeln und Glühwein.

Schulze Roetering hält das alles nicht davon ab, jeden Tag nach dem Rechten zu schauen. Sind Figuren umgekippt? Gibt es Wetterschäden? Oder hat der Maulwurf auf dem Weg eine Stolperfalle gegraben? Er weiß, hinter welcher Krippe das Werkzeug versteckt ist, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Und er weiß, dass spätestens am Abend eine besondere Belohnung wartet, wenn in den Krippen um die St.-Petronilla-Kirche die Elektro-Lichter angehen. „Und die Augen der vielen Kinder hier noch mehr leuchten.“

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