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Themenwoche "Kirchenmusik nach Corona" (4) - aus Wesel

Das nächste Konzert im Blick - so kehrt ein Chor zur Probenarbeit zurück

  • Willem Winschuh hat begonnen, wieder mit seinem Chor zu proben.
  • Die Gesundheit der Choristen steht im Vordergrund.
  • In einer Auszeit im Kloster Maria Laach hat er sich auf die kommende Probenarbeit vorbereitet.
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Willem Winschuh sitzt konzentriert hinter einem Flügel. Der frühere Regionalkantor aus Wesel, der immer noch mit großer Energie den Chor „Cantare et Sonare“ leitet, probt gerade mit den Sängerinnen und Sängern für ein Konzert in Moers. Der 69 Jahre alte Kirchenmusiker richtet die Augen auf den Tenor und korrigiert die gerade gesungene Phrase. „Ihr müsst die Passage etwas leiser und gefühlvoller angehen, Jungs. Nicht wie ein Heldentenor aus einer Wagneroper“, sagt er und deutet an, wie er das Lied gesungen haben will. „Nicht so schmettern.“

Winschuh ist in seinem Element. Er ist glücklich, wieder mit den Choristen Musik machen zu können. Musizieren ist für ihn wie ein Lebenselixier. Das war lange nicht möglich. Seit September ist das Singen wieder erlaubt. Die Sänger und Sängerinnen sind alle geimpft. Und seit die Inzidenzwerte wieder steigen, soll sich jedes Chormitglied vor der Probe testen. „Die Gesundheit ist uns wichtig und geht vor“, sagt er. Da kennt er keine Kompromisse.

Musik hilft, die Ängste auszudrücken

In den Monaten, als das Singen und gemeinschaftliche Musizieren untersagt war, hat Winschuh gelitten. „Die Ängste, die in dieser Zeit gewachsen sind, konnten ja durch die Musik nicht abgebaut werden“, sagt er. „Es gab keine Möglichkeit sich zu artikulieren, zu sagen, woran man leidet. Die Musik hilft doch gerade in dieser Situation, seine Gefühle auszudrücken.“

Winschuh beschränkt diese Erfahrung der Isolation nicht nur auf die Welt der Musik. Diese Phase betraf auch das gesamte soziale Leben, das Leben mit den Freunden, bis in die Familie hinein. Es war eine sehr schwierige Phase. „Ich habe mich amputiert gefühlt“, beschreibt er seine Empfindungen.

Auszeit im Kloster Maria Laach

Doch Winschuh hat sich nicht unterkriegen lassen. Er hat sich ein paar Tage in Maria Laach, dem Benediktinerkloster in der Eifel, einquartiert, um sich seiner Gefühle klar zu werden. „Ich habe die Stille gesucht, meinen inneren Standort in dem Kloster ausgelotet und dann überlegt, wie es nach dieser Zeit der musikalischen Einsamkeit weitergehen soll“, erläutert er seine Beweggründe. Er hat überlegt, wie er den Chor methodisch auf die ersten Proben vorbereiten kann, was die notwendigen Schritte sein könnten.

Von Anfang an war ihm klar, dass er nur mit Geimpften würde musizieren können. Um das Risiko klein zu halten wollte er mit einzelnen Stimmproben beginnen. Denn ihm war auch bewusst, dass er die musikalische Substanz des Chors aufarbeiten musste. Das konnte er mit kleinen Einheiten besser bewerkstelligen. Als er dann von der Chorsprecherin ein Signal bekam, dass der Chor kollektiv geimpft war, hat er mit den Gesamtproben wieder begonnen. Schnell hatte das Ensemble wieder seine alte Stärke. „Mit 30 bis 35 Sängerinnen und Sängern erreichen wir eine Kammerchorgröße. Damit kann ich hervorragend musizieren“, sagt er.

Zahlreiche Konzerte vor Augen

Winschuh probt mit seinem Chor nicht nur um des Probens willen. Er hatte von Anfang an konkrete Konzerte vor Augen. In Dingden und Moers hat er je ein Benefizkonzert für die Flutopfer gegeben. Konzerte in der Klosterkirche Marienthal mit Musik aus der Renaissance folgten. Und für die Wort-Bild-Toncollage über die Rosette in der Westwand der Weseler Maria-Himmelfahrts-Kirche hat er die Musik komponiert und wird sie mit seinem Chor einstudieren. Winschuh plant ein Konzert in Rheinberg und einen Evensong in Hamminkeln-Dingden.

Er blickt auch weiter in die Zukunft. Er möchte die Johannes-Passion von Bach und das Paulus-Oratorium von Mendelssohn-Bartholdy aufführen. Geplant ist auch eine Konzertreise nach Trier. Seit die Probenarbeit wieder begonnen hat, blickt Winschuh wieder mit positiven Gefühlen in die Zukunft. Energie und Tatkraft strahlt er bei den Proben aus.

„Ich bin zuversichtlich, optimistisch“, sagt er. „Selbst wenn das musikalische Leben wieder eingestellt werden muss und die anstehenden Projekte wegen der Pandemie wieder zurückgestellt werden müssen, nehmen wir sie später wieder auf. Wir wissen jetzt, es geht weiter.“ Rückblickend resümiert er: „Ja, die Corona-Phase war eine schwierige Zeit. Aber ich konnte sie konstruktiv nutzen. Und es war schön zu erfahren, dass die Choristen musikalisch mitschwingen.“

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