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Projektchor in St. Stephanus Münster bastelt Musik gegen den Frust

19 Handy-Aufnahmen, ein Video: Ein Chor singt sich Hoffnung zu

19 Handy-Aufnahmen, ein Video: Ein Chor singt sich Hoffnung zu.
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Zuversicht verbreiten trotz Corona und Kirchen-Krise, das will ein Projektchor aus Münster. Der hat zwar nie gemeinsam geprobt, aus einzelnen Handy-Aufnahmen aber einen Gesamtklang gebastelt.

Die Corona-Pandemie dauert an, Krisen schütteln die Kirche, in St. Stephanus Münster wurde der beliebte langjährige Seelsorger versetzt: „Da haben wir etwas gesucht, das Zusammenhalt vermittelt und Zuversicht verbreitet“, sagt David Hartmann. Der ausgebildete C-Kirchenmusiker hat in der Gemeinde einen Projektchor organisiert und aus unabhängig voneinander aufgenommen Stimmen ein stimmungsvolles Video produziert.

„Nachdem im März Pastor Thomas Laufmöller versetzt wurde, hat sich ein kleines Ritual nach den Sonntagsgottesdiensten in St. Stephanus entwickelt“, erzählt Hartmann. Nach Schlusslied und Orgelnachspiel habe er sich immer mal wieder ans Klavier in der Kirche gesetzt und das Lied „Keinen Tag soll es geben“ gespielt. „Viele Gottesdienstbesucher sind geblieben und haben mitgesungen.“

Aufnahmen per Smartphone

Naheliegend also, das Lied für einen Neujahrsgruß zu wählen. Aber wie soll man es aufnehmen? Zwar dürfen Chöre gemäß Corona-Verordnung proben, aber nicht wenige Singende zögern angesichts der derzeit stark steigenden Infektionszahlen.

Hartmann, der selbst Arzt ist, versuchte sich digital: „Ich habe das Lied gesungen und mit der Diktiergerät-Funktion meines Smartphones aufgenommen.“ Dann habe er die Datei an Menschen geschickt, die mitmachen wollten: „18 Leute haben sich gemeldet“, freut er sich.

Anhören, mitsingen, aufnehmen

Sie hörten sich Hartmanns Gesang an, sangen mit und sandten ihre Stimm-Aufnahme zurück. „Anhören natürlich per Kopfhörer, damit nur die eigene Stimme aufgenommen wird.“

Die Tonqualität sei erstaunlich gut, so Hartmann. „Dabei klingen Sprach-Memos der Diktiergerät-Funktion fast immer besser als Sprachnachrichten über Whatsapp.“

„Lied soll Kraft geben“

Mit dem Programm „Garage Band“ legte Hartmann die Stimmdateien übereinander und fügte sie zum Gesamtklang zusammen – inklusive Klavier, Gitarre, Flöte und Fotos für das Video. Das Ergebnis ist nicht perfekt, das weiß er: „Einige Mitwirkende hatten noch nie vorher in einem richtigen Chor gesungen.“

Aber um Perfektion sei es nie gegangen: „Wir hoffen, dass unser Lied vielen Menschen Kraft gibt, so wie es auch uns Kraft gegeben hat.“ Und der technische Weg der Stimm-Aufnahme sei vielleicht ja eine Anregung für die Probenarbeit anderer Chöre, meint Hartmann.

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