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„Mein Denkmal und ich“ (2) - Glaubensorte im Bistum Münster und die Geschichte dahinter

Das Wegekreuz in Cappeln-Tegelrieden und Josefa Dieckmann

Wegekreuze, kleine Kapellen, private Heiligenhäuschen: Sie prägen die Landschaft des Bistums Münster. Jeder dieser besonderen Glaubensorte hat eine meist sehr persönliche Geschichte - und Menschen, die sie hegen und pflegen. Davon erzählt unsere Serie "Mein Denkmal und ich". Diesmal: das Wegekreuz in Cappeln-Tegelrieden und Josefa Dieckmann.

Die letzten beiden Sommer waren sehr trocken. Da hat die über 80 Jahre alte Josefa Dieckmann mehrmals in der Woche Kanister mit Wasser gefüllt, sie auf die Schiebkarre gehievt und zum 500 Meter entfernten Kreuz geschoben, um dort die Anpflanzungen zu gießen. Dieses Kreuz mit der Inschrift „Für dich“ steht an der Warnstedter Straße in Tegelrieden bei Cappeln im Kreis Cloppenburg.

Mächtig erhebt sich das zwei Meter große Denkmal mit seinem schlichten Christus-Korpus. Es ruht auf einem ein Meter hohen massiven Sockel zwischen den Bäumen eines an der Straße liegenden Waldgebiets.

Unversehrt aus dem Krieg zurück

In den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts wurde die Kreuzanlage vom Hofbesitzer Eduard von Hammel errichtet. Der musste mit 26 Jahren als Soldat an die Front und erlebte dort als Sanitäter die Schrecken des Ersten Weltkrieges. Aus Dankbarkeit, unversehrt auf seinen geliebten Hof zurückgekehrt zu sein, errichtete er das Kreuz. Sein Weg zu den Ackerflächen führte nun daran vorbei, ebenso die Straße nach Cloppenburg. Auch Passanten hielten dort inne, um sich zu bekreuzigen.

Buchtipp:
60 Bildstöcke, 60 persönliche Geschichten im Münsterland, im Oldenburger Land und am Niederrhein
Mein Denkmal und ich
Hardcover | 140 Seiten | 2,- Euro
ISBN 978-3-941462-30-4
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Mehrfach wurde die Anlage instand gesetzt. Josefa Dieckmann zum Beispiel rief Anfang der Achtzigerjahre die Nachbarschaft zusammen, um die Anlagen neu zu gestalten. Die Erben des Hofes, Hermann und Michael Kokenge, brachten zu dieser Zeit auch die Inschrift an, nach einer Idee ihres Vaters August. Seitdem kümmert sich Josefa Dieckmann um das Kreuz und versorgt es mit frischen Blumen.

Das Kreuz beschäftigt den Kreistag

Seit 2014 ist Dirk Beckermann Besitzer des umliegenden Waldes. Hofbesitzer Hermann Kokenge verlangte von ihm als Eintrag ins Grundbuch, dass er das Kreuz in Ehren hält. „Das klappt auch ohne Grundbucheintrag, mit Handschlag“, versprach Beckermann. Und er hat Wort gehalten.

So kam er auch Josefa Dieckmanns Wunsch nach, die Sträucher an der Straße zu schneiden, damit Vorbeifahrende das Kreuz rechtzeitig sehen. Ein Problem ergab sich bei der Erneuerung der Warnstedter Straße. Damals sollte die Zuwegung zur Kreuzanlage verschwinden.

Josefa Dieckmann hätte dann das Kreuz nicht mehr pflegen können. Es gab einige Diskussionen, bis sich ein Cappelner Politiker im Kreistag einschaltete und für einen Kompromiss sorgte. Josefa Dieckmanns Pflege steht also weiter nichts im Wege.

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