Seelsorge in Corona-Zeiten: Täglich zwei Stunden am Telefon

Diakon Hubert Looschen gratuliert jeden Tag allen Geburtstagskindern

Hubert Looschen ist ein begeisterter Seelsorger. Der Ständige Diakon berichtet bei einem Rundgang um die Kirche St. Peter und Paul in Garrel ausführlich von Bauplänen der Gemeinde zwischen Pfarrheim und Kinderkrippe. Aber im Kirchenausschuss, dem entscheidenden Finanzgremium der Gemeinde, ist der Diakon gar nicht Mitglied. Er schüttelt den Kopf. „Ist nicht so mein Ding. Ich bin lieber bei den Menschen.“

Dafür hat der pensionierte Realschulrektor jetzt mehr Zeit. Obwohl Seelsorge in der Zeit, wo ein tödliches Virus grassiert, ganz anders gestaltet werden muss. Das weiß auch Hubert Looschen. Wenn er am Freitagmorgen die Hauskommunion zu Alten und Kranken bringt, dann nur nach Anfrage und mit größter Vorsicht. Aber bringen werde er sie immer. Denn der persönliche Kontakt wolle er als Seelsorger möglichst nicht abreißen lassen. Wenn es denn geht.

Keine Besuche zum Geburtstag

Was nicht geht: die ganz normalen Geburtstagsbesuche, zu denen die Seelsorger in Garrel zum Beispiel zu älteren Menschen alle fünf Jahre kommen. Undenkbar in Zeiten von Corona. Aber achselzuckend verzichten – das kommt für Hubert Looschen nicht in Frage.

Wenn nicht bei Einzelnen persönlich alle fünf Jahre – dann eben bei allen jeden Tag. So lässt sich seine neue Idee zusammenfassen.

Der Pfarrer betet - er ruft an

Er weiß, dass Pfarrer Paul Horst jeden Morgen vor dem kirchlichen Morgengebet, der Laudes, sich am Computer aus dem kirchlichen Melderegister die Namen aller Geburtstagskinder seiner Gemeinde heraussucht. Um sie in dieses Gebet einzuschließen.

Hubert Looschen bat den Pfarrer um diese Liste und machte sich auf die Suche nach den Telefonnummern. Ganz klassisch im Telefonbuch, aber auch bei Facebook. Und dann bekommt jedes Geburtstagskind einen telefonischen Glückwunsch von ihm, im Namen der Gemeinde.

Große Freude über die Anrufe

„Gebetet worden ist schon für Sie“, sagt Hubert Looschen dann. „Aber jetzt kommt ein persönlicher Gruß.“ Eine Geste, die bei allen Anrufern überrascht und „sehr dankbar“ aufgenommen werde, berichtet der Diakon. Niemand habe damit gerechnet, etwa zum 28. oder 47. Geburtstag auf einmal Grüße von der Kirche zu erhalten.

Hubert Looschen ruft wirklich jeden an, der an diesem Tag Geburtstag an, auch die mit dem ersten Geburtstag. „Da freuen sich dann die Mütter.“

Kleine Kinder wollen selbst ans Telefon

Aber bald wollen die Kinder auch unbedingt selbst mit dem Diakon am Telefon sprechen, so Looschens Erfahrung. „Man glaubt nicht, wie Drei- oder Vierjährige sich über solche Anrufe freuen“, berichtet Looschen.

Jeden Tag Geburtstagsgrüße, mehr als zwei Stunden an jedem Morgen – für Hubert Looschen sind das wichtige Zeichen der Pfarrgemeinde, wenn Corona manche Menschen vereinsamen lässt.