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Diakone im Bistum Münster über ihren Dienst zwischen Kirchenfrust und Hoffnung

Diakone in dieser Zeit: Wie geht es Ihnen, Herr Schulten?

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Auch die Diakone im Bistum Münster bekommen die Kirchenkrise zu spüren. Wie geht es ihnen damit? Das haben wir sieben von ihnen gefragt. Ihre Antworten präsentiert „Kirche-und-Leben.de“ in dieser Woche, bevor am Sonntag neue Ständige Diakone von Bischof Felix Genn geweiht werden. Diesmal: Ludger Schulten aus Rheine.

Wie gehen Sie damit um, Kirchenfrust und -wut ganz persönlich abzubekommen?

Im Gespräch
Ludger Schulten ist Ständiger Diakon mit Zivilberuf in Rheine.
Ludger Schulten ist Ständiger Diakon mit Zivilberuf in Rheine.

Kirchenfrust und Kirchenwut empfinde ich ganz persönlich. Die Themen, die durch Maria 2.0 oder auch im Synodalen Weg aufgegriffen werden, finde auch ich wichtig und auch ich wünsche mir, dass die Kirche an vielen Stellen offener wird und mehr Vielfalt auch „ganz offiziell“ ermöglicht.

Im eigenen Umfeld werde ich von Menschen ohne kirchliche Bindungen kaum auf Kirche angesprochen. Vermutlich hat Kirche an persönlicher oder auch gesellschaftlicher Relevanz verloren, dass sie kein Thema mehr ist.

Kritisch diskutiert wird innerhalb der Gemeinden oder auch der Caritas. Die Argumente teile ich vielfach. Aus der Sicht einer Gemeinde anderer Muttersprache sind andere Themen anderswo wichtig. Wie kann Weltkirche damit umgehen? Ich hoffe, sie versteht sich wieder mehr als katholisch und weniger als römisch. Katholisch im besten Sinne des Wortes: als universelles Angebot an Menschen, die an Christus glauben, es aber unterschiedlich gestalten und leben. Strukturelle Vielfalt in verschiedenen Ländern wäre möglich.

Was bedeutet es für Sie, in dieser Zeit Ständiger Diakon zu sein?

Als ich mich als Diakon bewarb, wusste ich, dass sich viele von der Kirche abwenden und ich selbst längst nicht hinter allem stehe, wofür Kirche steht. Kirche war aber auch immer mein Ort des persönlichen Glaubens, der Heimat, des persönlichen Halts und der Begegnung mit Gott und den Mitmenschen. Meine positiven Erfahrungen versuche ich, als Diakon einzubringen und dafür Zeugnis zu geben. Das fordert mich und macht mir weiterhin viel Spaß. Ich bin dabei in Gemeinschaft mit vielen anderen.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Diakonenweihe
Kirche-und-Leben.de überträgt die Weihe der Ständigen Diakone aus dem St.-Paulus-Dom am Sonntag, 21. November, ab 14:30 Uhr live.

Menschen, die mich als Diakon ansprechen, haben konkrete Anliegen: die Taufe des Kindes, die eigene Hochzeit, der Verlust eines geliebten Menschen sowie persönlich oder sozial belastende Themen. Ich erlebe, dass Glaube und die Angebote der Kirche für die Menschen Bedeutung haben. Ich bin Seelsorger im positiven Sinn. Weitergehend als Sozialarbeiter, kann ich als Diakon den ganzen Menschen in den Blick nehmen. Nicht die Institution Kirche überzeugt, sondern Menschen, die sie ausmachen. Ich möchte meinen kleinen Beitrag dazu leisten.

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