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Diakone im Bistum Münster über ihren Dienst zwischen Kirchenfrust und Hoffnung

Diakone in dieser Zeit: Wie geht es Ihnen, Herr Looschen?

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Auch die Diakone im Bistum Münster bekommen die Kirchenkrise zu spüren. Wie geht es ihnen damit? Das haben wir sieben von ihnen gefragt. Ihre Antworten präsentiert „Kirche-und-Leben.de“ in dieser Woche, bevor am Sonntag neue Ständige Diakone von Bischof Felix Genn geweiht werden. Diesmal: Hubert Looschen aus Garrel.

Wie gehen Sie damit um, Kirchenfrust und -wut ganz persönlich abzubekommen?

Im Gespräch:
Hubert Looschen ist Ständiger Diakon mit Zivilberuf in Garrel.
Hubert Looschen ist Ständiger Diakon mit Zivilberuf in Garrel.

Von April 2020 bis Juni 2021 habe ich jeden Tag alle Geburtstagskinder unserer Gemeinde angerufen und gratuliert; es waren mehr als 7.000. In keinem Gespräch gab es Vorwürfe, Beschimpfungen. Die aktuelle Situation war kein Thema. Niemand hat sich bei meinen Anrufen verweigert. Ähnlich ist es bei meinen vielen Kontakten. Wie kann das sein, sind doch der Missbrauch und die Zahl der Austritte das bestimmende Thema? Nur Thema der Medien und der Kirchenkritiker? Viele Menschen sind fassungslos, traurig, ratlos und vielleicht verdrängen sie die Krise. Aber: Sie sind des Klagens überdrüssig. Wenn nötig und gefordert, stelle ich mich den Fragen und der Kritik. Aber ich trage sie nicht zu den Menschen.

Was bedeutet es für Sie, in dieser Zeit Ständiger Diakon zu sein?

Kirche und Glaube sind doch viel mehr als Macht, Amt, Zölibat, Sexualität und pastorale Räume. Die Gemeinschaft im Glauben kann dem Menschen gerade heute alles geben. Aus dem Glauben und aus der Kirche ziehe ich Kraft, Mut und schöpfe immer wieder neue Ideen für meine Aufgaben. Meine Weihe hat mir keinen Amtsbonus verliehen, gibt mir kein Vorrecht, schon gar nicht Macht. Ich möchte bei allen Begegnungen Hubert Looschen sein und dabei dann auch Diakon. Ich möchte immer mehr und besser zuhören, dienen und von Jesus Christus erzählen.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Diakonenweihe
Kirche-und-Leben.de überträgt die Weihe der Ständigen Diakone aus dem St.-Paulus-Dom am Sonntag, 21. November, ab 14:30 Uhr live.

Wenn ich Menschen in Notsituationen treffe – Kranke, Trauernde, Ängstliche – versuche ich ihnen Hoffnung zu geben und Mut zuzusprechen, damit sie die nächsten Schritte gehen können. Sie wissen gar nicht, dass sie dadurch für mich zum Lebenselixier werden. Denn die Nächstenliebe kennt keine Verlierer, nur Gewinner. Immer wieder entdecke ich beeindruckende, oft verborgene Beispiele gelebter Nächstenliebe. Die Nächstenliebe als Herdenimmunität macht mir Hoffnung, auch wenn sie nicht mehr an die Gottesliebe gekoppelt ist. Christen gehen auf Sinnsuche, wollen aber nicht belehrt werden. Noch nie war der religiöse Büchermarkt so umfassend wie heute. Keine Frage muss unbeantwortet bleiben. Schön, wenn ich als Zeuge angefragt werde. Dann erzähle ich.

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