Kommentar zum Erhalt von Gotteshäusern

Ein Kirchen-Abriss wäre die schlechteste Lösung

Wie soll die katholische Kirche umgehen mit nicht mehr benötigten Gotteshäusern? Ein Abriss wäre immer endgültig und daher die schlechteste Lösung.

Es tut weh, sich von Gebäuden trennen zu müssen – besonders, wenn damit persönliche Erinnerungen verbunden sind. Das gilt für das Haus der verstorbenen Eltern genauso wie für Kirchen. Zwar ist es bitter, doch in manchen Fällen zugleich unvermeidlich, ein Gotteshaus umzuwidmen. Dies wird weniger in den Dörfern geschehen, sondern vor allem in den Städten, wo noch in den 1950er, 1960er Jahren Kirchen errichtet wurden.

Damals haben die Menschen in ihrer Pfarrei so manche Mark für den Bau gespendet. Und wer älter ist, denkt auch zurück an seine Erstkommunion, die erste Beichte, die Hochzeit und die Taufe der eigenen Kinder in dieser Kirche.

Eine Kirche ist nicht irgendein Gebäude

Und nun? Die Teilnahme am Gottesdienst geht zurück, Bewohner wandern aus Stadtteilen ab, und aufgrund fehlender Priester werden Gemeinden fusioniert. Diese Situation zwingt dazu, über Schließungen nachzudenken, auch weil die finanziellen Lasten für den Unterhalt enorm sind. Was tun? Abreißen, umnutzen oder gar verfallen lassen? Schon 2003 hat die Deutsche Bischofskonferenz dazu eine Arbeitshilfe veröffentlicht – und zu Recht betont, dass eine Kirche ja nicht irgendein Gebäude ist, sondern ein steinerner Zeuge des Glaubens, das Haus Gottes und ein Ort des Gebets.

Längst nicht jede Kirche muss die Denkmalpfleger beschäftigen; es gibt Gotteshäuser, die kunsthistorisch nicht wertvoller sind als ein Supermarkt. Wenn aber die Denkmalpflege beteiligt ist, wird es schwieriger. Eine Kirche als Konzertsaal oder Raum für die Kunstausstellung – das kann man sich gut vorstellen. Aber eine Moschee oder eine Kletterhalle? Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, schlägt vor, für Nordrhein-Westfalen eine Landesstiftung zu schaffen, die sich um den Erhalt der Gotteshäuser kümmert. Das erscheint sinnvoll, zumal Städte und Gemeinden eine Mitverantwortung für die Bewahrung ihrer Kultur haben.

Verfall könnte zu einem Schandfleck führen

Sternberg hat ebenso angeregt, Kirchen auch ungenutzt stehen zu lassen, selbst wenn das Risiko des Verfalls bestehe. Das hätte jedoch problematische Nebenwirkungen und könnte bedeuten, eine Kirche als Schandfleck im Stadtteil zu haben. Noch schlechter allerdings wäre ein Abriss. Denn diese Entscheidung wäre endgültig und damit nicht mehr rückgängig zu machen.