Heilige Düfte aus der ganzen Welt für Gottesdienst und Gesundheit

Ein Museum nur für Weihrauch eröffnet in Altötting

Wer mit allen Sinnen eintauchen will in die Geschichte des Weihrauchs, kann das nun in Altötting. Nahe des Kapellplatzes hat ein kleiner Laden samt Museum aufgemacht. Er gehört Eva Kilwing, die in dem oberbayerischen Wallfahrtsort seit Jahrzehnten einen Großhandel für Weihrauch betreibt. Schon seit ihrer Jugend begeistert sich die Betriebswirtin für natürliche Heilkunde, chinesische Medizin und eben Weihrauch.

Der wird mit seinen aromatischen Düften nicht nur seit der Antike bei religiösen Zeremonien und bis heute bei Festgottesdiensten verwendet. Seine heilsame Wirkung etwa bei Rheuma oder Hautkrankheiten entdecken mittlerweile immer mehr Mediziner. Zudem wird Weihrauch als wohlriechendes Desinfektionsmittel geschätzt. Erinnert sei an das große Weihrauchfass Botafumeiro in der Wallfahrtskirche von Santiago de Compostela, das geschwungen wird, wenn nach langem Weg die verschwitzten Pilger einziehen.

Harz aus Sumatra und Malaysia

Der "Botafumeiro", das große Weihrauchfass in der Kathedrale von Santiago de Compostela.Der "Botafumeiro", das große Weihrauchfass, schwingt an einer langen Kette über den Köpfen der Pilger längs durch die Kathedrale von Santiago de Compostela. | Foto: Michael Bönte

In dem kleinen Museum in Altötting umfangen den Besucher die verschiedensten Düfte. Unmittelbar kann er mit der Nase die vielen Sorten erschnuppern und lernen, wie mühsam und aufwendig es ist, Weihrauch zu gewinnen. Sogar in Klebstoff bis hin zur Zahnpasta steckt das Harz drin. Genauso im Firnis, jener Schutzschicht, mit der ein Maler sein Ölbild überzieht, um es haltbar zu machen.

Im Laden sind verschiedene Sorten in Schälchen zu sehen, mal größere Brocken wie das Benzoeharz aus Sumatra oder Feineres wie Dammar aus Malaysia. Schiffsmodelle und allerlei nautische Geräte als Deko erinnern zudem daran, dass es sich um eine wertvolle Handelsware von weit her handelt.

Weihrauch-Ernte braucht ihre Zeit

Ein Schilderbaum mit Wegweisern führt die Länder auf, in denen Weihrauch gewonnen wird: etwa im 9.117 Kilometer entfernten Somalia, im Oman (6.336 Kilometer), in Äthiopien (7.823 Kilometer), in Indien (8.037 Kilometer), im Jemen (6.498 Kilometer) und in Eritrea (6.919 Kilometer). Dort wachsen Bäume aus der Gattung Boswellia, von denen das wohlriechende Harz stammt. Im Frühjahr wird die Rinde in der Regel zum ersten Mal angeritzt, so dass der Saft heraustropfen kann. Gut 14 Tage muss danach gewartet werden, bis der Vorgang wiederholt wird.

„Meist ist es der vierte oder fünfte Saft, der so klar und weiß ist, dass von gutem Weihrauch gesprochen werden kann“, erläutert Kilwing. Ganz besondere Qualität werde zumeist im Hochsommer erzielt. Denn wenn in den Herkunftsländern Temperaturen um die 40 Grad herrschen, hält der Baum konzentriert seine innere Flüssigkeit zusammen, um alle Zweige und Blätter versorgen zu können.

„Schutzengel“ mit Fenchel

Der Weihrauch wird von Kilwing in der Manufaktur aufbereitet und veredelt zu Mischungen aus unterschiedlichen Sorten. So entstehen Kompositionen mit Duftharzen anderer Bäume oder mit Heilkräutern und Blüten. Bei der Sorte „Schutzengel“ etwa kommen Fenchel, Rosen- und Sonnenblumenblüten sowie Lavendel dazu. Die Mischung beruhige und baue Ängste ab, erläutert die Fachfrau. Ganz in Rot gehalten ist die Mischung „Lebensfreude“, die „Drachenblut“, ein feurigrotes Harz, Sonnenblumenblüten und Goldweihrauch enthält.

Andere Sorten heißen „Glaube Liebe Hoffnung“ oder „Raunacht“. Auch ein für den Wallfahrtsort hergestellter „Altöttinger Weihrauch“ darf nicht fehlen. Diesen und einen speziell für die jüngste Sternsingeraussendung kreierten Weihrauch haben sich jetzt so einige kleine Königinnen und Könige mitgenommen - so dass wohl in den nächsten Tagen in manche Haushalte ein Hauch Orient mit bayerischer Note einziehen wird