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Ein altes Fest bekommt eine neue Note

Erntedank in Zeiten von Corona und Klimawandel

  • Am Sonntag wird das Erntedankfest gefeiert, doch Herbstmärkte und traditionelle Umzüge fallen wegen Corona vielfach aus.
  • Gemeinden und Bistümer finden Alternativen.
  • Schwierige Zeiten durchleben derzeit die Landwirte.

Dieser Text ist Teil unseres Schwerpunktes „Erntedank“.

Volle Brotkörbe, Sonnenblumen, mit Weintrauben gefüllte Butten, pure Landlust: Zum Erntedankfest bieten viele ländliche Regionen Deutschlands ein Stückchen heile Welt. Auch in vielen Kirchen lassen sich farbenprächtige Bilder sammeln: mit Früchten geschmückte Altäre, mit Ähren, Stroh und Blumen gewundene Erntekränze.

Aber das Feiern, der Dank für die Ernte und die Bitte ums tägliche Brot sind in diesem Jahr überschattet. Am Sonntag wird das Erntedankfest gefeiert, doch Herbstmärkte und traditionelle Umzüge fallen wegen Corona vielfach aus - beispielsweise Deutschlands wohl größter Ernte-Umzug im ostwestfälischen Herzebrock-Clarholz. Hier führte der regionale Lockdown wegen der Corona-Fälle beim nahen Schlachthof von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück schon im Juni für die Absage.

Kreative Alternativen und ein Monat der Dankbarkeit

Wie in Herzebrock-Clarholz werden in vielen Orten Kirchen und Altäre trotzdem geschmückt. Und manches Dorf und manche Gemeinde probiert alternative Formen des Feierns aus: Wie am Hamburger Michel wird der Erntedankgottesdienst mancherorts nach draußen verlegt, weil die Coronavorgaben so am leichtesten eingehalten werden können. Im münsterländischen Herbern findet die Trecker-Segnung diesmal als „Drive Through“ statt: Der katholische Priester wird die vorbeifahrenden Trecker segnen. Und mancherorts laden Bauernhöfe und Gartenfreunde statt Erntedankumzug zum Besuch ein.

Die Erwachsenenseelsorge im Erzbistum Köln hat angesichts der zurückliegenden Erfahrungen in der Corona-Zeit zu einem ganzen Monat der Dankbarkeit aufgerufen. Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt erbittet Erntedank-Spenden, weil gerade in armen Ländern die Pandemie Hunger und Not verschärft hat.

Existenz vieler Landwirte bedroht

Auch der Klimawandel trägt dazu bei, dass Erntedank und Ernährung wieder politisch geworden sind. Für die Rinderzucht in Deutschland wird der Amazonas-Regenwald zerstört. Dem Agrarsektor wird ein hoher Anteil am Klimawandel zugesprochen. Und während die Welthungerhilfe angesichts der Corona-Krise vor einem Anstieg der Zahl der Hungernden auf eine Milliarde Menschen weltweit warnt, wandern in Deutschland jährlich rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel auf den Müll.

Zudem hatten die Landwirte in vielen Regionen Deutschlands das dritte Jahr in Folge mit großer Trockenheit zu kämpfen. Der Deutsche Bauernverband rechnet damit, dass es etwa bei Getreide erneut zu deutlichen Ernteeinbußen gekommen ist. Die Wetterextreme nähmen zu; das sei für manche Betriebe existenzbedrohend, heißt es.

Wandel von industrieller zur ökologischen Landwirtschaft

Vor diesem Hintergrund ringen die EU-Staaten derzeit unter deutschem Vorsitz um eine Agrarreform - denn schließlich hat die Landwirtschaft einen großen Einfluss auf Klima- und Umweltschutz. Etwa 58 Milliarden Euro an Fördergeldern - rund 40 Prozent des EU-Budgets - fließen derzeit jedes Jahr in den Sektor. Ein Großteil geht dabei als Direktzahlung an die Bauern.

Das soll anders werden. „Wir sind uns alle einig, dass die neue Agrarpolitik mehr den Klima- und Umweltschutz einbeziehen wird“, betont Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Nach dem Willen der EU-Kommission sollen die Staaten mehr Freiheiten bekommen, wie sie eine Reihe von vorgegebenen Zielen erreichen wollen - etwa die Erhaltung der Natur, Klimaschutz und die Sicherung der Lebensmittelqualität. Dazu sollen sie jeweils nationale Pläne erstellen, die von der Kommission genehmigt werden müssten. Die Größe der Flächen soll dabei deutlich weniger gewichtet werden.

Das weckt Widerstände - und geht Umweltorganisationen wie Greenpeace lange nicht weit genug. Nationale Regierungen und die EU müssten den Landwirten helfen, von der industriellen Landwirtschaft wegzukommen hin zu nachhaltigerer, ökologischer Produktion, fordert Greenpeace. „Dafür ist eine radikale Abkehr von der industriellen Fleischproduktion nötig.“

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