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Agrardialog im Bistum Münster: Vorstellung der Ergebnisse

Bischof Genn sieht Notsituation landwirtschaftlicher Familien

Bischof Felix Genn will die schwere Situation landwirtschaftlicher Familien in Zeiten großer Umbrüche im Agrarsektor im Blick behalten. Das sagte er auf der Abschlussveranstaltung des Agrardialogs im Bistum Münster.

Bischof Felix Genn hat den Landwirten im Bistum Münster zugesagt, dass er ihre schwere Situation in Zeiten großer Umbrüche im Agrarsektor im Blick behält. „Es ist mir ein persönliches Anliegen, darauf acht zu geben, was die Veränderungen mit Ihnen und Ihren Familien machen“, sagte er auf der Abschlussveranstaltung des Agrardialogs in der Freckenhorster Landvolkshochschule. Dieser einjährige Austausch über die Entwicklungen in der Landwirtschaft war vom Bistum Münster, der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) und der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) angestoßen worden.

Gleichwohl forderte Genn die Landwirte auf, den Prozess der Veränderungen aktiv mitzugestalten. Sie hätten mit ihrer Arbeit einen wichtigen Auftrag im Zusammenleben der Menschen, der nur im Dialog mit anderen gesellschaftlichen Akteuren erfüllt werden könne. Es gehe darum, eine „verantwortliche Ballance zwischen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit“ zu finden. „Die Bewahrung der Schöpfung gehört zur DNA der Kirche“, sagte Genn. „Wir wollen die Erde nicht ausnutzen, sondern bebauen und bewahren.“

Auch Kirche steht in der Pflicht

Das dürfe aber nicht zu dem Preis geschehen, dass bäuerliche Familien mit ihren Betrieben „unter die Räder kommen.“ Mit dem Agrardialog sei ein wichtiger Gegenakzent zu dieser Entwicklung gesetzt worden. Auch die Kirche selbst stehe in dieser Diskussion in der Pflicht, sagte Genn. „Etwa bei der Verpachtung landwirtschaftlicher Flächen in Kirchenbesitz oder beim Einsatz regionaler Produkte in kirchlichen Einrichtungen.“

„Meine Antwort ist eindeutig: Die Menschen in allen begroffenen Sparten würdig unterzubringen und gerecht zu bezahlen, sollte selbstverständlich sein. Es ist beschämend, wie lange wir in der Kirche weggeschaut haben.“
Bischof Felix Genn zur Diskussion über Werksverträge in der Fleischindustrie

In dem vorläufigen Leitlinien des Agrardialogs, die zum Erntedankfest im Oktober in ihrer abschließenden Form vorgestellt werden sollen, fordern die Initiatoren ein multifunktionale  Landwirtschaft, die Lebensmittelerzeugung, Produktion nachhaltiger Rohstoffe, Landwirtschaftspflege, Naturschutz und soziale Sicherheit der bäuerlichen Familie verbindet. „Es geht darum, „Brücken zu den unterschiedlichen Akteuren in diesem Sektor zu bauen“, sagte der Diözesanpräses der beiden beteiligten Verbände, Bernd Hante, bei der Vorstellung.

Nachhaltigkeit als Dienst verstehen

„Wenn wir die Landwirtschaft erhalten wollen, dann müssen wir jetzt handeln“, sagte Hante mit Blick auf die derzeit einschneidenden Veränderungen. Dabei seien neben ökologischen und ökonomischen Fragen auch die sozialen Auswirkungen zu berücksichtigen. Den Landwirten riet er, den ökologischen Gedanken nicht „als Auflage, sondern als Dienst zu verstehen“. Denn Ressourcenschonung und Umwelterhaltung müssten Grundlage allen wirtschaftlichen Handels sein – aber in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Im Agrardialog hatten die Verbände deshalb in den vergangenen zwölf Monaten unterschiedliche Akteure in Workshops an einen Tisch gebracht. Vertreter des Handels, von Umweltschutzorganisationen, aus der Politik, der Wirtschaft und der Kirche waren zusammengekommen. Die Ergebnisse dieser Treffen sind im Leitbild zusammengefasst. Bewertet wurden sie auf der Abschlussveranstaltung vom Präsidenten des Thünen-Instituts in Braunschweig, Professor Folkard Isermeyer.

Landwirte können nicht allein verändern

Bei der Vorstellung der Workshop-Diskussionen wurde deutlich, wie unterschiedlich die Sichtweisen der einzelnen Akteure etwa zu Fragen der Biodiversität, des Tierwohls oder der politischen Rahmenbedingungen sind. „Jeder konnte sagen, was aus seiner Sicht schief läuft“, sagte Markus Storck, Agrar-Referent der KLJB im Bistum Münster, zu „Kirche+Leben“. Dabei sei deutlich geworden, dass die derzeitigen Strukturen nicht allein von den Landwirten „einfach so aufgelöst werden können“, sondern nur mit dem Willen zur Veränderung aller Beteiligten.

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