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Frühere Vorsitzende des Nationalen Ethikrats sprach im Dom in Münster

Ethikerin Woopen kritisiert Corona-Demos: „Wir müssen Staat stützen“

  • „Corona-Gegner dürfen nicht neben Rechtsextremisten demonstrieren, ohne sich abzugrenzen.“
  • Frühere Ethikrats-Chefin hofft auf Corona-Kurz-Tests
  • Scharfe Kritik an „Ignoranz und Gier“ der Menschen gegenüber der Natur

Die Kölner Medizinethikerin Christiane Woopen kritisiert die jüngsten Corona-Proteste in Berlin scharf. „Die verstörenden Bilder vom vergangenen Wochenende haben uns vor Augen geführt, dass die Demokratie nicht selbstverständlich ist“, sagte sie am Mittwochabend im Dom in Münster.

„Es ist nicht zu rechtfertigen, dass Corona-Gegner neben Rechtsextremisten, Fremdenfeinden und Antisemiten demonstrieren, ohne sich davon abzugrenzen.“ Schweigen sei angesichts einer solchen Entwicklung keine Option. „Wir müssen den Staat stützen und die Flagge der Freiheit zeigen“, so Woopen. Sie sprach in der Vortragsreihe „Domgedanken“.

Wunsch nach Kurz-Tests auf Corona

Die Ethik-Expertin empfahl, in der Corona-Pandemie nicht so sehr auf einen Impfstoff zu setzen. Ziel sollte sein, das Virus so weit auszurotten, dass es kaum noch oder gar nicht mehr übertragen werde. Dafür sei es erforderlich, jeden Menschen über mehrere Wochen hin öfter zu testen - mit billigeren Kurz-Tests, die keine Reagenzien oder Wattestäbchen benötigten und deren Ergebnisse nach einer Viertelstunde vorliegen müssten. „Damit wäre das private und öffentliche Leben weitgehend wie vorher möglich“, so Woopen.

Scharfe Kritik übte die ehemalige Vorsitzende des Nationalen Ethikrats am Umgang der Menschheit mit der Natur, der von „Ignoranz und Gier“ gekennzeichnet sei. „Wir leben weltweit so, als hätten wir 1,7 Erden zur Verfügung. Das hat katastrophale Folgen für die Lebensbedingungen“, so Woopen. „Wir brauchen eine grundsätzlich neue Sichtweise auf die und eine neue Beziehung zur Natur.“ Die soziale Marktwirtschaft müsse neu gedacht werden, um die Natur in einer neuen Normalität atmen zu lassen.

Neue Achtsamkeit für Natur - und menschenfreundliche Wirtschaft

„Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft können wir nur auf uns selbst stützen“, sagte die Ethikerin. Dabei müsse die neue Normalität mehr sein, als sich nur an das Leben mit dem Virus und Hygiene-Regeln zu gewöhnen. Gefragt sei eine „achtsame Solidarität“ mit Mensch und Natur sowie eine Wirtschaft und Bildung, die dem menschlichen Leben dienten.

Die Reihe „Domgedanken“ steht diesmal unter dem Motto „Zurück zum Leben mit Corona“. Zum Abschluss spricht am Mittwoch, 9. September, ab 18.30 Uhr Claudia Nemat, Vorstand der Deutschen Telekom, über das Thema „Technologie für eine lebenswerte Zukunft“. Alle Plätze im Dom sind vergeben, „Kirche-und-Leben.de“ überträgt den Vortrag aber live im Internet.

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