Pater Marek Dziedzic zu Besuch in Borken-Weseke

Früherer Bistums-Priester lebt in Lwiw: Viele Ukrainer traumatisiert

  • Marek Dziedzic war Pfarrer im Bistum Münster, nun ist er Pater in Lwiw.
  • Gerade ist er zu Besuch in Borken und erzählt von seinen Eindrücken aus der Westukraine.
  • Das Miteinander in Lwiw sei nicht immer leicht, sagt der Hünfelder Oblate.

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Pater Marek Dziedzic, ehemaliger Pfarrer der Pfarrei St. Ludgerus in Borken-Weseke, lebt seit April 2022 in der westukrainischen Stadt Lwiw. Bereits im September 2022 hatte Kirche-und-Leben.de über den Pater, der dem Orden der Hünfelder Oblaten angehört, berichtet. Gerade ist Pater Dziedzic für einige Tage in Borken zu Besuch und berichtet über die Situation in der Ukraine. Dort bildet der Pater im vierten Stock einer Plattenbauwohnung mit einem Mitbruder eine kleine Kommunität, eine geistliche Gemeinschaft.

Pater Dziedzic sieht, dass die Menschen in Lwiw unter dem russischen Angriffskrieg leiden: „Immer mehr von ihnen sind traumatisiert.“ Die Stadt sei voll mit Frauen, Kindern und alten Menschen, die aus den umkämpften Gebieten gekommen seien. Das Miteinander sei nicht immer leicht, schildert Pater Dziedzic seine Beobachtungen: „Manchmal habe ich das Gefühl, die Deutschen haben mehr Empathie für die Kriegsflüchtlinge als ihre Landsleute in Lwiw.“

Lwiw: Strom nur für vier Stunden am Tag

Pater Marek DziedzicPater Marek Dziedzic ist einige Tage zu Besuch in Borken. | Foto: Gudrun Niewöhner (pbm)

In den Krankenhäusern, weiß der Ordensmann, lägen viele Verwundete. Bilder davon gebe es keine in den Medien. Und auch sonst sei dokumentarisches Material selten. „Fotografieren ist nirgendwo erlaubt, man will keine Aufregung. So funktioniert Kriegspropaganda“, erklärt Pater Dziedzic. Strom gebe es in der Stadt meist nur vier Stunden am Tag: „Da überlegt man schon, was man zuerst macht: das Handy aufladen, die Waschmaschine anstellen...“ Weil alle diesen Zeitraum nutzen, sei das Netz schnell überlastet – und schalte sich ab. Besonders unangenehm sei, dass dann auch die Gasheizung ausfällt, es werde kalt in vielen Wohnungen.

„Die psychische Belastung ist schon groß“, antwortet er auf die Frage, ob er nicht doch lieber in Deutschland bleiben wolle. „Man kann sich angesichts der Lage auf nichts wirklich konzentrieren.“ Dazu komme, dass er gesundheitliche Probleme habe und zum Arzt nach Polen fahren müsse. Oft bringe er nicht nur für sich Arzneimittel mit, sondern versorge bei seinen Touren weitere Erkrankte aus Lwiw. Trotz aller Unsicherheiten: Der Pater will nicht in Borken bleiben. Er möchte den Auftrag seiner Ordensgemeinschaft erfüllen: „Wir wollen immer dort sein, wo die Not groß ist und Hilfe gebraucht wird.“