Wegen Lästerung Mohammeds angeklagt

Gericht in Pakistan hebt Todesurteil gegen Katholikin Asia Bibi auf

Das Oberste Gericht Pakistans hat die zum Tode verurteilte Katholikin Asia Bibi vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen. Es ordnete die die sofortige Haftentlassung der Mutter von fünf Kindern an, berichten pakistanische Medien.

Die Staatsanwaltschaft habe versagt, zweifelsfrei die Schuld der Angeklagten zu beweisen, heißt es in dem Berufungsurteil. Damit folgte das Gericht den Ausführungen der Anwälte von Asia Bibi über widersprüchliche Zeugenaussagen.

Wegen Blasphemie angeklagt

Asia Bibi war 2009 als erste katholische Frau wegen Blasphemie angeklagt und 2010 zum Tode verurteilt worden. 2014 bestätigte ein Gericht das Todesurteil. Im Juli 2015 wurde die vorläufige Aussetzung der Vollstreckung angeordnet. Das erneute Berufungsverfahren wurde immer wieder verzögert. Laut pakistanischen Medien hatten islamistische Hardliner die Richter bedroht.

Asia Bibi hatte während eines Streits angeblich den Propheten Mohammed geschmäht. Blasphemie gilt im islamisch geprägten Pakistan als Kapitalverbrechen. In der Praxis werden unter Blasphemie nur verächtliche Äußerungen und Taten gegen den Islam, den Koran und den Propheten Mohammed verstanden.

Islamisten drohen

Bereits am Dienstagabend wurden in Islamabad die Sicherheitsmaßnahmen verschärft, nachdem die radikalislamische Partei TLP eine sofortige Hinrichtung von Asia Bibi gefordert und die Richter des Obersten Gerichts vor einem „Nachgeben“ vor dem Druck „antipakistanischer“ Kräfte in westlichen Ländern gewarnt hatte. Die Partei kündigte an, nur „wenige Stunden“ nach einem Freispruch für Asia Bibi „das ganze Land lahmzulegen“.

Die TLP hatte im Herbst 2017 drei Wochen lang die Hauptstadt Islamabad aus Protest gegen eine als unislamische empfundene Änderung des Amtseids für Parlamentsabgeordnete lahmgelegt. Im Mai 2018 überlebte der damalige pakistanische Innenminister nur knapp das Attentat eines TLP-Mitglieds.

Das katholische Hilfswerk Missio begrüßte den Freispruch als „großen Tag für die Religionsfreiheit und auch für das ganze Land Pakistan“.