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Privatinitiative sammelt bislang 70 Urlaubswochen für Betroffene

Gratis-Urlaub für Flutopfer: Kirche im Wangerland freut sich auf Gäste

  • Das katholische Leuchtturmwärterhaus im Wangerland macht mit beim „Urlaub-Spenden“ für Flutopfer.
  • Die Wangerländerin Sara Graf hat mittlerweile 70 Urlaubswochen für Betroffene gesammelt.
  • Flutopfer hielten Spenden-Aktion erst für „einen Witz“.
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Der Deich mit Blick auf die Nordsee lädt zu Spaziergängen ein, es gibt Spielplätze und einen Sandstrand: Schillig an der Nordsee ist ein beliebtes Urlaubsziel an der Küste.

Das alte Leuchtturmwärterhaus „Signalstation“ an der Marienkirche wird nun kostenlos für Urlauber aus den Hochwassergebieten zur Verfügung gestellt: „Wir haben von der Aktion 'Urlaub spenden für Hochwasseropfer' erfahren und stellen gerne unser Jugendgästehaus zur Verfügung“, sagt Martina Hinz vom Kirchenbüro St. Marien Schillig auf Anfrage von „Kirche-und-Leben.de“.

„Wir wissen noch nicht, ob eine Gruppe kommt, der Kontakt ist gerade erst angelaufen. Wir hoffen natürlich, dass sich die Gäste, die ja viel durchmachen mussten, hier bei uns wohlfühlen.“

Das dürfte nicht allzu schwer sein, Schillig liegt direkt hinter dem Deich, das alte Leuchtturmwärterhaus ist sonst sehr beliebt bei Messdienergruppen. „Es haben viele von hier oben beim Urlaub spenden mitgemacht“, sagt Martina Hinz.

 

70 Urlaubswochen als Spende

 

Mit diesem Flyer, darauf das Riesenrad als ein Wahrzeichen Schilligs, sucht die Initiatorin Sara Graf Unterstützer für den Gratis-Urlaub von Flutopfern. | Foto: privat
Mit diesem Flyer, darauf das Riesenrad als ein Wahrzeichen Schilligs, sucht die Initiatorin Sara Graf Unterstützer für den Gratis-Urlaub von Flutopfern. | Foto: privat

Die Kontaktvermittlung zu Gästen aus den Hochwassergebieten gestaltete sich allerdings als schwierig, da Telefonanschlüsse und Büros durch die Flut nicht brauchbar waren. Jetzt hat es geklappt, und die Kirchengemeinde in Schillig konnte den Kontakt zwischen Markus Hartmann von der Familienpastoral im Dekanat Ahr-Eifel und der Initiatorin Sara Graf herstellen.

Die junge Frau aus dem Wangerland hatte gemeinsam mit ihrer Nachbarin die Idee, Besitzer von Ferienwohnungen oder Urlaubsunterkünften zu fragen, ob diese nicht ihre Häuser für Flutopfer zur Verfügung stellen würden. So wanderte die Idee die Küste entlang: Mittlerweile sind 70 Urlaubswochen im Wert von etwa 60.000 bis 70.000 Euro zusammengekommen. „Meine Freundin war in der Eifel um sich ein Bild von der Lage zu machen. Die Leute sind einfach durch. Sie müssen mal raus aus ihrer Umgebung und sich erholen“, schildert Sara Graf im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“.

 

Betroffene halten Spendenaktion „für einen Witz“

 

Das alte Leuchtturmwärterhaus „Signalstation“ an der Marienkirche wird nun kostenlos für Urlauber aus den Hochwassergebieten zur Verfügung gestellt: | Foto: pd
Das alte Leuchtturmwärterhaus „Signalstation“ an der Marienkirche wird nun kostenlos für Urlauber aus den Hochwassergebieten zur Verfügung gestellt. | Foto: pd

Gut acht Wochen ist die Katastrophe her, in den Straßen dröhnt der Lärm von Bautrocknern und Baumaschinen, immer noch stapeln sich Trümmer in den Vorgärten. Den Initiatorinnen ist es wichtig, dass die Hilfe da ankommt, wo sie gebraucht wird. „Wir wollten das nicht anonym abwickeln. So hat sich meine Freundin ins Auto gesetzt, ist runtergefahren und geht durch die Orte und spricht die Menschen an, ob sie nicht einfach ein bisschen Urlaub gebrauchen könnten. Viele halten es für einen Witz und freuen sich dann total“, berichtet die 34-Jährige.

Das Verfahren an sich ist unkompliziert: Die Ferienhausbesitzer von der Nordseeküste, mittlerweile auch von der Ostsee oder aus dem Voralpenland, entwerfen „Gutscheine“ mit den Eckdaten der Unterkünfte. Die kleine Tochter von Sara Graf verziert diese mit Stickern oder Fingermalfarbe, dann werden Stapel sortiert, damit die Unterkunft auch zum Erholungssuchenden passt. Sara Graf beantwortet Fragen, sucht weitere Unterstützer per Flyer, die eine Druckerei kostenlos erstellt hat.

Ihre Freundin wiederum verteilt die Gutscheine in den Hochwassergebieten persönlich und vermittelt so den Kontakt zu den Ferienhausbesitzern: „Gemeinsam kann man mehr erreichen“, findet Sara Graf. Über ein Ende der Aktion haben ihre Mitstreiter und sie sich noch keine Gedanken gemacht. Was sie begeistert: Die Idee hat viele Kreise gezogen, so gibt es ähnliche Gruppen und Hotels in Cuxhaven, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Hinweis für Betroffene aus den Hochwassergebieten:
Für Erholungssuchende aus dem Hochwassergebieten ist noch eine Wohnung frei für zwei Personen (ohne Haustier) spontan vom 19. bis 26. September auf der Ostseeinsel Rügen. Bei Interesse bei Sara Graf melden: sara.martina.graf(at)gmx.de

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