Klais-Orgel in St. Peter Recklinghausen wird generalüberholt

Handarbeit für neuen Glanz - Spezialisten reinigen 2858 Orgel-Pfeifen

  • 2858 Pfeifen der Kirchenorgel von St. Peter in Recklinghausen werden in diesen Wochen ausgebaut und gereinigt.
  • Das Instrument wird klangtechnisch auf den neuesten Stand gebracht, um auch internationale Organisten für Konzerte begeistern zu können.
  • Die Kosten für die Renovierung von 90.000 Euro trägt die Pfarrei.

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„Diese Orgel braucht dringend eine Generalüberholung“, sagt Thorsten Maus. Der Kirchenmusiker an der Propsteikirche St. Peter in Recklinghausen weiß die Töne zu unterscheiden und ist ganz in seinem Element, wenn es um „sein Instrument“ geht.

Der Regionalkantor erklärt, warum es notwendig ist, alle 2858 Pfeifen der Kirchenorgel einer gründlichen Reinigung zu unterziehen: „Ruß, Ruß und nochmals Ruß. Dazu die starke Oxidation. Mit der Zeit verändern die Pfeifen ihren Klang, sind schlechter stimmbar. Der Klang verblasst, er verliert den Glanz.“

„Königin der Instrumente“ bekommt Update

Um den Glanz der „Königin der Instrumente“ wieder aufscheinen zu lassen, hat Orgelbaumeister Bernhard Althaus von der Orgelbaufirma Klais drei Monate Zeit. Ostern soll das Instrument in den Gottesdiensten wieder tadellos erklingen.

Es ist die erste große Orgelinspektion seit dem Aufbau 2005. Sie ist verbunden mit einigen elektronischen Updates und klanglichen Verbesserungen im Detail. Eine Orgelrenovierung steht in der Regel nach 20 oder 25 Jahren an. Da die Kirche St. Peter viele Besucher und Gottesdienste zählt und dort reichlich Kerzen entzündet werden, kann eine Reinigung auch einige Jahre früher notwendig sein.

Pfarreien tragen Kosten

90.000 Euro wird die Renovierung kosten. Das Geld kommt aus dem Haushalt der Pfarrei. Einen Zuschuss seitens des Bistums gebe es nicht, weiß Thorsten Maus. „Im Allgemeinen tragen die Pfarreien die Kosten. Sie wissen um den Unterhalt des Instruments und bilden entsprechende Rücklagen.“

Dass die Propsteikirche St. Peter 2005 eine neue Orgel aus der weltweit führenden Orgelbauwerkstatt Klais mit Sitz in Bonn bekommen hat, verdankt die Pfarrei dem damals gefeierten Jubiläum „1200 Jahre Bistum Münster“. „Die Mutterkirche im Vest Recklinghausen sollte ein Instrument bekommen, das auch für anspruchsvolle Konzerte geeignet ist“, erinnert sich Thorsten Maus.

Internationale Konzertorganisten in Recklinghausen

Das Besondere der Orgel erklärt er so: „Ihr Klang und die Disposition bieten den Spielenden reichlich Möglichkeiten. Für den nicht riesigen Kirchraum bietet das Instrument reichlich Klang. Die meisten der regelmäßig aus aller Welt kommenden Konzertorganisten hier in St. Peter – sie kommen aus Südafrika, USA, Australien, Japan, Taiwan, Großbritannien, Italien, Schweden, Frankreich, Niederlande, Dänemark – sind zufrieden mit Klang und Handhabung“, sagt der Kirchenmusiker. Er hofft, bald wieder die Reihe der internationalen Orgelkonzerte in St. Peter fortsetzen zu können.

Für Orgelbaumeister Bernhard Althaus ist die Arbeit ein Heimspiel. Er lebt in der Nachbarstadt Dorsten. Für Klais ist er weit über Deutschland hinaus tätig. Vor einiger Zeit war er vier Monate in China, um dort in einem Konzerthaus eine Orgel einzubauen. „Wir haben in den letzten Jahren mehrere Konzertorgeln für Konzerthäuser in Asien und Nordamerika gebaut“, sagt Althaus.

Klais-Orgel in der Elbphilharmonie

Nicht zu vergessen ist auch die Klais-Orgel in der Hamburger Elbphilharmonie. Diese besteht aus 4765 Pfeifen im Gegensatz zu den 2858 Pfeifen in St. Peter. Das Gesamtgewicht der Orgel in St. Peter beträgt zwölf Tonnen, die Orgel in der Elbphilharmonie ist 25 Tonnen schwer.

Wenn Althaus seine Tätigkeit erklärt, wird deutlich: Der Orgelbau ist eine Kunst, die in verschiedenen Materialien zuhause ist. In der Werkstatt werden alle Teile der Instrumente selbst gefertigt: Gehäuse, Spieltische, Windladen, Pfeifen, vom festen Gurtrahmen bis hin zur filigranen Holzmechanik.

Jedes Instrument ist ein Unikat

Im Bistum Münster kennt Althaus viele Orgeln, so etwa die in Münsters Lambertikirche und die in Münsters Paulusdom. Letztere hatte er anlässlich der großen Domrenovierung vor einigen Jahren in allen Einzelteilen „gereinigt“ und klangtechnisch verfeinert.

Orgelbauer zu sein, sei schon ein besonderer Beruf. Jedes Instrument sei ein Unikat und werde passend für den Aufstellungsraum gefertigt, sagt der Orgelbaumeister.

Orgeln in allen großen Konzertsälen

Dass Orgelmusik heute nicht nur in Kirchen zu hören ist und Menschen begeistert, findet Thorsten Maus gut: „Alle großen Konzertsäle auf der Welt verfügen über eine Orgel.“ Schon eigenartig sei, „dass es säkularisierte Länder gibt, wo bedeutende Kirchen zu nun gut besuchten profanierten Konzertsälen geworden sind, in denen oft sehr hochwertige Instrumente viele Zuhörende dann eben leider nur noch im Konzert erreichen und begeistern“.

Wenn eine Orgel in der Liturgie gut gespielt werde, könne die Musik den Gottesdienst stimmungstechnisch bereichern, sagt Thorsten Maus. Für den Kirchenmusiker ist die Vielfalt entscheidend: Wenn im Gottesdienst ein Mozart gesungen werde, gebe es für den Gemeindegesang immer ein Neues Geistliches Lied. „Die Musikliteratur gibt uns eine große Auswahl. Die nutze ich gern auch für die Königin der Instrumente“, sagt der Regionalkantor.

Zahlen und Fakten zur Klais-Orgel in St. Peter
Die Kirchenorgel in der Propsteikirche in Recklinghausen hat drei Manuale und 44 Register. Das Gesamtgewicht der sieben Meter breiten, fünf Meter hohen und sechs Meter tiefen Orgel beträgt zwölf Tonnen. Eingebaut sind 2858 Pfeifen, davon bestehen 2686 aus Metall und 172 aus Holz. Die größte Pfeife ist fünf Meter lang. Die klingende Länge der kürzesten Pfeife beträgt lediglich acht Millimeter. Sie erzeugt einen Ton, der mit 12.500 Hertz an der oberen Hörgrenze des Menschen liegt. Das Gewicht der größten Pfeife beträgt 250 Kilogramm. Die Bauzeit der 2005 eingebauten Orgel in St. Peter betrug knapp drei Jahre.

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