Noviziat von Worms verlegt

Internationaler Dominikaner-Nachwuchs lernt jetzt in Vechta

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Die internationale Ausbildungsstätte der Dominikaner, das Noviziat, liegt jetzt in Vechta. Novizen aus Deutschland und Ungarn haben hier gerade ihr Ordensleben begonnen. Warum sie auf dem Land gut aufgehoben ist, beschreibt Novizenmeister Pater Laurentius Höhn.

Wenn junge Männer in Deutschland, Österreich und Ungarn Dominikaner werden wollen, führt sie ihr erster Schritt künftig nach Vechta, ins Noviziat. Ein Jahr lang werden die Interessenten dort auf ihr Ordensleben vorbereitet. Bisher geschah das im Dominikanerkonvent in Worms.

Die Dominikaner haben bei einem Provinzrat im Juni aber den Ortswechsel nach Vechta beschlossen, zunächst für ein Jahr. In diesen Tagen haben drei Bewerber ihre Ausbildung dort begonnen, zwei Deutsche und ein Ungar. Warum dieser Ortswechsel? Warum ein internationaler Ausbildungskonvent in einer Kleinstadt?

Viel Platz und viele Brüder in Vechta

Pater Laurentius Höhn ist der Novizenmeister bei den Dominikanern und für die Ausbildung verantwortlich. Er hat mehrere Antworten. „Ein Grund ist: Wir haben hier schlicht mehr Platz.“ In Vechta seien ohne Umbauten sofort genügend Zimmer frei gewesen, auch für einen eigenen Noviziatswohnbereich mit Bibliothek, Fernsehzimmer und Küche. Im November kommen einige Interessenten für ein Kennenlern-Wochenende zu den Dominikanern nach Vechta – „auch dafür gab es sofort Platz.“

Wichtig sei jedoch auch die Größe der Niederlassung. In Vechta leben neun Dominikaner, deutlich mehr als in Worms. Die Novizen sollen in einem Konvent mit mehr als sechs Brüdern ausgebildet werden, so sehen es die Bestimmungen vor. Sechs Dominikaner gibt es in Worms nicht mehr. Da lag ein Wechsel nach Vechta nahe. Vechta haben die Dominikaner inzwischen ohnehin zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht. Sie unterhalten dort zusammen mit der Schulstiftung des Bischöflichen Offizialats ein eigenes Gymnasium und haben in den letzten Jahren den Konvent wiederholt durch jüngere Brüder verstärkt.

Gutes Umfeld für Novizen

Pater Laurentius sieht darin ein gutes Umfeld für die Ausbildung der Novizen in den nächsten dreizehn Monaten. Dort werden sie den Alltag im Orden kennenlernen, aber auch die Herausforderungen, die das Leben gerade in diesem Orden bringt. Pater Laurentius nennt hier: „Lust am Wandern und Lust am Wort.“

Wandern – denn anders als Benediktiner sind Dominikaner nicht an einen festen Konvent gebunden, sie seien „theoretisch weltweit“ einsetzbar. Wort – als Orden von Predigerbrüdern, deren Arbeitsschwerpunkt in Predigt und Wissenschaft liegt, vor allem in großen Städten wie Berlin und Düsseldorf, Freiburg und Wien.

Ruhe, die Novizen in der Ausbildung hilft

Vechta passt da nicht so richtig, das sieht Pater Laurentius auch. Für ihn hat die kleine Stadt im Oldenburger Münsterland aber einen Vorteil: „Wir sind hier nicht solche Exoten, wenn wir im Ordensgewand einmal in die Stadt gehen.“ Und angespuckt, wie anderswo geschehen, werde man hier wohl auch nicht.

Pater Laurentius weiß das aus Erfahrung, er kennt die Stadt gut, war in Vechta einmal zehn Jahre Hochschulseelsorger. Er weiß auch um die vergleichbar ruhige Atmosphäre, eine Ruhe, die für die Novizen in einer Ausbildungs- und Findungsphase von Vorteil sein könne.

Novizen auch in der Seelsorge eingesetzt

Das Noviziat sei für die Novizen ohnehin eine Phase vieler Gespräche und des vielen Nachdenkens. Auch des Überprüfens, ob sie mit den Gelübden leben können. Daneben aber sind die Novizen für ein Jahr auch eingesetzt in bestimmten seelsorglichen Aufgaben, für einen Tag in der Woche. Pater Laurentius denkt an die Gefängnisseelsorge und andere Aufgaben.

Pater Laurentius ist seit sechs Jahren Novizenmeister und hat in dieser Zeit 15 Bewerber ausgebildet. Ob sie sich am Ende weiter an den Orden binden können, ist nicht nur ihre Entscheidung. Der ausbildende Konvent stimmt darüber noch ab, in geheimer Wahl. Das letzte Wort hat der Provinzial.

Demokratie bei den Dominikanern

Wichtige Voraussetzung für angehende Dominikaner sei deshalb auch: „Sie müssen mit Demokratie umgehen können.“ Alle Ämter im Orden werden auf Zeit vergeben. Prior ist man auf drei, Provinzial auf vier Jahre. Auch der Novizenmeister ist auf Zeit gewählt. Pater Laurentius hat bald zwei Amtszeiten hinter sich.

Auch wichtige Entscheidungen für den Orden werden in gewählten Gremien wie Provinzräten und -kapiteln beschlossen. Bis hin zu der Frage, ob ein Novize zum Orden gehören sollte.

Stichwort: Dominikaner
Wer Dominikaner werden möchte, absolviert ein einjähriges Noviziat. An dessen Ende bestimmt der Konvent vor Ort über die Aufnahme. Dann legen die Bewerber die ersten Gelübde ab und binden sich für drei Jahre an den Orden. Nach einem Universitätsstudium, in der Regel Theologie in Wien, legen sie dann die ewigen Gelübde ab. Die Dominikaner sind ein weltweit vertretener Orden mit etwa 40 Ordensprovinzen. In Deutschland, Österreich und Ungarn werden die Regionen im Januar offiziell zu einer einzigen Provinz mit dann 140 Brüdern zusammengefasst. Das internationale Noviziat für diese neue Ordensprovinz kommt nach Vechta. Weltweit leben und arbeiten nach Ordensangaben etwa 5.500 Brüder bei den Dominikanern. Der Orden wurde 1215 von Dominikus von Caleruega „Orden der Prediger“ gegründet. Sein besonderes Profil liegt in Predigt und Glaubensvermittlung. Dafür legt der Orden besonderen Wert auf theologische Bildung.