Botschaft des Papstes und Ansprache von Bundespräsident Steinmeier

Katholikentag in Stuttgart eröffnet – Rufe nach Frieden in der Ukraine

  • In Stuttgart ist der 102. Deutsche Katholikentag eröffnet worden.
  • Papst Franziskus bezog sich in einer Grußbotschaft auf das Leitwort des Treffens, „leben teilen“.
  • Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier blickte auf den Krieg in der Ukraine.

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In Stuttgart ist der 102. Deutsche Katholikentag eröffnet worden. Papst Franziskus bezog sich in einer Grußbotschaft auf das Leitwort des Treffens, „leben teilen“. „Wenn jeder das gibt, was er zu geben hat, wird das Leben aller reicher werden und schön“, so Franziskus.

Auch die oder der Ärmste könne etwas schenken; zugleich hätten auch die Reichsten einen Mangel an etwas und bedürften der Gaben der Mitmenschen. Etwas anzunehmen sei aber manchmal schwierig, weil es „ein Eingeständnis der eigenen Unvollkommenheit beinhaltet“.

Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine rief der Papst zum Gebet für den Frieden auf. Gerade in Krisen sei aber auch erlebbar, wie groß die Bereitschaft vieler zum Helfen sei: „Keiner kann sich selber retten. Wir sitzen alle in demselben Boot“.

Steinmeier an Putin: Beenden Sie das Leid!

Bei der Eröffnungsveranstaltung in Stuttgart wandte sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an den russischen Präsidenten Wladimir Putin: „Respektieren Sie die Souveränität der Ukraine, stellen Sie die Kampfhandlungen ein! Herr Putin, beenden Sie das Leid und die Zerstörung in der Ukraine!“

„Ziehen Sie Ihre Truppen zurück! Und verweigern Sie nicht das direkte und ernsthafte Gespräch mit Präsident Selenskyj“, das dieser beim Weltwirtschaftsforum in Davos erneut gefordert habe, fügte der Bundespräsident hinzu.

Steinmeier: Wir werden anders leben und verzichten müssen

Steinmeier mahnte die Deutschen zur Selbstreflexion: „Wir müssen über unseren Anteil an der weltweiten Klimakrise, über unseren Lebensstil und unsere Verantwortung für die Welt“ nachdenken. „Dann werden wir anders leben, anders wirtschaften und ja, auch auf manches verzichten müssen.“

Zum Zustand der katholischen Kirche sagte Steinmeier, Missbrauch, Vertuschung und schleppende Aufklärung hätten viel Vertrauen zerstört: „Viele haben sich abgewendet, viele aus Enttäuschung.“ Umso mehr ermutige er alle, die sich für die Erneuerung der Kirche einsetzen, auch durch die Arbeit des Synodalen Wegs.

Bisher 25.000 angemeldete Teilnehmende

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) lobte, dass der Katholikentag den Glauben in die Gesellschaft trage. Zugleich schwächten hohe Austrittszahlen und Mitgliederschwund die Kirchen. Bei einem Empfang äußerte der katholische Politiker die Sorge, dass deswegen die „soziale Temperatur“ im Land sinken könnte.

Nach Angaben von Katholikentags-Geschäftsführer Roland Vilsmaier haben sich etwa 25.000 Menschen für das Treffen angemeldet. Darunter seien 19.000 Dauerteilnehmer und bisher 6.000 Tagesgäste.