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Standortbestimmung in schwierigen Zeiten – und in Präsenz

Krieg, Corona, Katholikentag – Treffen in Stuttgart startet am Mittwoch

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Am Mittwoch beginnt in Stuttgart der Katholikentag. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine und der Corona-Pandemie sagen die Veranstalter: Jetzt erst recht!

Kaum ein Katholikentag der vergangenen Jahrzehnte dürfte mit so vielen widrigen Umständen zu kämpfen haben wie jener, der am Mittwoch in Stuttgart beginnt. Doch das ist nicht den Machern, sondern den Umständen geschuldet.

Denn vor Beginn des Treffens in der kommenden Woche rücken der russische Angriffskrieg in der Ukraine und die Corona-Pandemie so gut wie alles andere in den Hintergrund. Doch wenn nicht jetzt, wann dann würde eine gesellschaftliche Standortbestimmung der Christen mehr Sinn machen?

Ein Viertel der Teilnehmenden von Münster

Das Katholikentags-Programm umfasst rund 1.500 Veranstaltungen, die Zahl der Teilnehmenden dürfte sich bei etwa 20.000 bewegen. Das hört sich in Zeiten der Pandemie immer noch nach viel an, ist aber im Vergleich zum Katholikentag 2018 in Münster gerade mal ein Viertel.

Dabei mangelt es mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz nicht an hochkarätigen Gästen. Das kirchliche Spitzenpersonal wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche (EKD), Präses Annette Kurschus, haben auch zugesagt.

"Seismograf für den Blick in die Zukunft"

Die Einladenden, allen voran die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, und der gastgebende Bischof Gebhard Fürst, werden nicht müde, die Vorteile einer Präsenzveranstaltung nach mehr als zwei Jahren Pandemie in den Vordergrund zu rücken: Das Treffen sei notwendig - gerade jetzt. Die Zusammenkunft solle Kraft geben - "leben teilen", wie das Stuttgarter Leitwort heißt.

Es brauche den offenen Austausch, und der Katholikentag sei der Ort, an dem die Themen besprochen würden, die "den Menschen auf den Nägeln brennen", sagt Fürst. ZdK-Generalsekretär Marc Frings betont, Katholikentage seien seit ihrem Beginn 1848 immer "ein Motor der Veränderung, eine Plattform zur Gegenwartsbestimmung und ein Seismograf für den Blick in die Zukunft" gewesen.

Angesichts der aktuellen kirchlichen Probleme wie der Aufarbeitung der Fälle sexualisierter Gewalt und der Kölner Wirren scheinen solche Ansprüche angemessen, aber gleichzeitig schwer umzusetzen zu sein. Und offenbar sinkt die Zahl derer immer weiter, die das wollen.

Kaum noch Corona-Vorgaben

Grundkonzept und -gerüst des Katholikentags bleiben wie bewährt: Am Mittwoch soll es nach der Eröffnung einen bunten Abend geben. Am Donnerstag, Christi Himmelfahrt, beginnt nach Gottesdiensten mit Diskussionen und Foren die inhaltliche Arbeit. Die thematischen Veranstaltungen enden am Samstagnachmittag, bevor der Katholikentag mit einem Straßenfest am Abend und dem Schlussgottesdienst am Sonntag ausklingt.

Vieles ist draußen geplant, auf "Katholikentags-Inseln" genannten Plätzen in der Stuttgarter Innenstadt. Die Veranstaltungsorte wie die Liederhalle, das Haus der Wirtschaft und der evangelische Hospitalhof liegen auch im Stadtkern. Für die zentralen Open-Air-Veranstaltungen ist der Schlossplatz vorgesehen.

Inzwischen sind sowohl für Innenräume als auch für Veranstaltungen unter freiem Himmel die allermeisten der strengen baden-württembergischen Corona-Vorgaben gefallen. In der Summe heißt das: Der Katholikentag dürfte ein Treffen mit kurzen Wegen mitten im Herzen einer Großstadt sein.

Programm verändert sich bis zuletzt

Anders als früher ist das ganze Programm nicht mehr als dickes, mehrere hundert Seiten umfassendes Heft erhältlich, sondern nur digital auf der Internetseite des Katholikentags und als App. Es bleibt abzuwarten, ob die erwarteten Gäste mit dieser Form der Präsentation klarkommen.

Zur Sprache kommen sollen auch die Kernthemen des katholischen Reformprojekts Synodaler Weg - Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen. Zugleich gab es in den vergangenen Wochen das Bemühen, das aktuelle Geschehen mit zusätzlichen Veranstaltungen einzufangen: Gleich mehrere Diskussionen befassen sich damit, was die Pandemie für Gesellschaft und Politik bedeutet. Auch der Ukraine-Krieg soll prominent zum Thema werden.

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