Mehr als 750 Karnevalisten im Forum Pax Christi zur Eröffnung der Session

Kevelaer: Karneval mit Gottes Segen

Das Forum Pax Christi in Kevelaer tanzt und schunkelt. Bekannte Karnevalslieder wie „Einmol Prinz zo sin“, „Die Karawane zieht weiter“ oder „Wenn dat Trömmelche jeht“ schallen über den Platz. Gespielt mit Drive und Rhythmus von dem Kevelaerer Fanfarenzug „Swingende Doppelzentner“, kurz die „Swingis“ genannt. Die Musikgruppe verbreitet heitere, ausgelassene Stimmung im Forum. Die Karnevalisten aus nah und fern haken sich unter, um zu schunkeln oder sie tanzen im Dreiviertel-Takt.

Es ist ein farbenprächtiges Bild. „Jecke“, wie die Karnevalisten im Rheinland liebevoll genannt werden, haben sich in ein aus vielen bunten Flicken bestehendes Lumpenkostüm gehüllt oder sind in glitzernde goldene Saccos gewandet. Andere sind in traditionellen Gardekostümen mit Vorliebe in rot-weiß gekleidet.

Petrus ist Karnevalist

Ob farbig, glitzernd oder traditionell - es ist ein herrliches Bild, wie Elke Tebartz betont. Sie ist die Präsidentin des VFR, des Vereins zur Förderung des Rosenmontagszugs in Kevelaer und damit Gastgeberin, nicht nur der heutigen Wallfahrt. Auch Petrus scheint Karnevalist zu sein. Augenscheinlich hat er seine himmlische Freunde an dem Treffen: Denn die Karnevalisten versammeln sich bei sonnigem Wetter.

Elke Tebartz begrüßt die Jecken. Mit launigen Worten dankt die „Vollblut-Karnevalistin“, wie sie in der Rheinischen Post beschrieben wurde, den Jecken für ihren Einsatz in der Karnevalssession und für ihr Kommen nach Kevelaer. Mit einem kräftigen Helau, Alaaf und Halleluja begrüßt sie alle und laut schallen die Rufe zurück. Für sie gehört auch ein Halleluja dazu, denn es sei ja auch ein Ausruf der Freude. Tebartz denkt auch an jene, die nicht dabei sein können – weil sie krank oder gestorben ist.

Idee Wallfahrt wurde vor 20 Jahren geboren

Auf dem Forum haben sich 750 Frauen, Männer und Kinder aufgestellt. Es sind 120 mehr als im vergangenen Jahr. „Es hat sich herumgesprochen“, sagt die Präsidentin. Mit dem Mikrofon in der Hand geht sie alle Gruppen ab und gibt ihnen so die Gelegenheit sich vorzustellen.

Vor 20 Jahren ist die Idee entstanden, eine Wallfahrt der Karnevalisten zu gründen. In diesem Jahr ist es die 18. Wallfahrt. Federführend war damals der Präsident und spätere Ehrenpräsident Egon Kammann beteiligt. Danke zu sagen für die vergangene Session und für ein neues erfolgreiches Jahr zu beten, war das Ziel der Wallfahrt. Im Glauben von Elke Tebartz gehören Kirche und Karneval eng zusammen. Katholisch erzogen, in der Liebfrauenschule in Geldern zur Schule gegangen - da war der christliche Weg schnell vorgezeichnet.

Gruppen aus nah und fern sind dabei

Die Stimmung im Forum steigert sich. Dabei sind, um nur einige beispielhaft zu nennen, das Dreigestirn aus Tönisvorst, Delegationen aus Menzelen, Asperden, dem KC Dingden, der zum siebten Mal dabei ist und damit zu den Joungstern gehört. Zum 18. Mal dabei ist die Tanzgarde aus Lobberich, deren Sprecher alle mit einem lauten „Guten Morgen, sind jetzt alle wach“ begrüßt. Aufgestellt haben sich die Gruppe Rot-Weiß aus Borth (Rheinberg), eine Abordnung aus Straelen und eine Prinzessin mit Gefolge aus Veert.

Prächtig anzusehen sind die Frauen der ersten Kölner Damen KG „Columbina“, die ihr 20-jähriges Bestehen feiern, und zum 15. Mal an der Wallfahrt teilnehmen. Sie dürfen in einer Kutsche und hoch zu Pferd im späteren Umzug teilnehmen. Begrüßt werdend eine Gruppe aus Havixbeck, die Bocholter Husaren und das Dreigestirn aus Köln-Höhenberg. Es geht querbeet durch das Helau- und Alaaf-Sprachgebiet. Doch man kennt an diesem Sonntag keine Unterschiede. Vielmehr ist man froh, zusammen zu feiern.

Ansprechendes Programm

Die Karnevalisten freuen sich auf ein ansprechendes Programm: Nach der Begrüßung ist die feierliche Messe in der Basilika, das Gebet vor der Gnadenkapelle und der feierliche Umzug durch die Stadt. Doch erst ist Gottesdienst. Wallfahrtrektor Gregor Kauling freut sich sichtlich über das „bunte Bild“, wie er sagt. Es sei schön, Menschen, die Frohsinn und Freude verbreiten, auch in der Kirche zu sehen.

Mit einem Lied, das auch von Willi Ostermann stammen könnte, begrüßt Monika Voß die „Patrona von Kevelaer“. Das Lied greift die alltäglichen Sorgen der Menschen auf, die nach einem Besuch bei dem kleinen Bildchen spüren, vom manchem Kummer befreit zu sein.

Helau auch im Alltag leben

Pastoralreferent Bastian Rütten erinnert daran, dass Zeiten wie Karneval oder die Advents- und Weihnachtszeit zu der wichtigen Routine im Alltag gehören. Dabei müsse man sich wohl immer fragen, was es zu bewahren gilt und wovon man sich verabschieden sollte. Doch niemand wisse, wohin sich die Dinge entwickelten. Nur eines sei wichtig, niemals abzuhauen und die Probleme erst nehmen. „Nicht nur Helau rufen, sondern Helau leben“, ruft er den Karnevalisten zu. Von Aschermittwoch bis zum Beginn der Session.