Zwei Mitarbeiterinnen aus Münster reisen nach Kerala

Kulturschock vermeiden: Caritas unterrichtet Pflege-Azubis in Indien

  • Um künftige Auszubildende in Caritas-Pflegeeinrichtungen im Bistum Münster auf das Leben in Deutschland vorzubereiten, sind zwei Mitarbeiterinnen des Diözesancaritasverbands nach Indien gereist.
  • Der Lehrplan war vielseitig: Alltagsfragen, Pflegesituationen oder Strukturen des Gesundheitssystems standen auf dem Programm.
  • Der Schritt in eine völlig andere Kultur ist eine große Herausforderung für die jungen Menschen, wissen die Mitarbeitenden aus dem Bistum Münster.

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Offiziell wird nur ein Nachweis der Deutschkenntnisse und ein Arbeitsvertrag mit einem ausreichenden Einkommen verlangt, bevor sich indische Jugendliche auf ihren Weg zur Pflege-Ausbildung nach Deutschland machen wollen. Dass dies bei weitem nicht ausreicht, um die jungen Menschen auf diesen großen Schritt vorzubereiten, war den Initiatoren des Caritas-Projekts zur kulturellen Vorbereitung bewusst. Noch in ihrer indischen Heimat werden ihnen deshalb seit gut zwei Jahren die Eigenarten und Besonderheiten des Lebens und der Pflege in Deutschland nähergebracht.

Zum ersten Mal reisten dafür vor einigen Wochen zwei Mitarbeiterinnen des Caritasverbands im Bistum Münster nach Kerala im Süden Indiens. „Die große Unsicherheit der Jugendlichen war von Beginn an zu spüren“, sagt Anne Eckert, Projektleiterin aus dem Referat Altenhilfe und Sozialstationen im Bistum. „Die Sprache haben sie zwar alle in langen Kursen bereits gelernt – in unseren Gesprächen flüsterten sie aber nur.“ Der Respekt vor der anstehenden, völlig neuen Situation war bei den 19- bis 25-Jährigen geradezu greifbar.

Indische Gemeinde und Caritas Münster arbeiten zusammen

Der einwöchige Besuch war Teil des vierwöchigen Angebots, das 2020 von einem indischen Pfarrer der deutschsprachigen Emmaus-Gemeinde in Neu-Delhi angestoßen wurde. Über Kontakte nach Münster holte er die Caritasverbände Geldern-Kevelaer, Steinfurt und Warendorf sowie die Pflegeakademie der Caritas in Münster mit ins Boot. Seitdem bietet er einen vierwöchigen Kurs für die kulturelle Vorbereitung der Jugendlichen an, die in den Pflege-Einrichtungen dieser Verbände Ausbildungsverträge unterschrieben haben.

„Wir konnten als Besucher aus Deutschland noch einmal besondere Akzente setzen“, erklärt Christiane Kröger, die das Projekt für die Caritas koordiniert. „Es war zu spüren, dass die Jugendlichen in der Begegnung mit uns Deutschen noch viele Hürden zu nehmen hatten.“ Bei der gemeinsamen Zeit ging es um die Rolle von Frauen und Männern, um Distanz und Nähe, auch in konkreten Pflegesituationen. „Als wir übten, den Blutdruck zu messen, versuchten einige, dies ohne Körperkontakt zu tun.“ Eine Unsicherheit, die sich auch bei den Gesprächen zu Alltagssituationen, wie etwa das Einkaufen, Kochen oder Busfahren, zeigte. „Das Leben und Arbeiten in unserer Kultur ist eine völlige fremde Welt für sie.“

Caritas will Kulturschock für Inder vermeiden

Den großen Kulturschock zu verhindern, ist das Kernziel des Projekts. „Wir wollen, dass sie gut gewappnet in die herausfordernde Situation starten können“, sagt Eckert. Die indischen Auszubildenden kommen oft aus einfachen Verhältnissen, verlassen das erste Mal ihr Elternhaus und waren noch nie im Ausland. „In diesem Moment dürfen wir sie nicht allein lassen.“

Auch nicht, nachdem die diesjährigen neun Teilnehmer in einigen Wochen in Frankfurt landen und mit dem Bus nach Münster kommen. In den Pflege-Einrichtungen warten Paten auf sie, die sie weiter begleiten, auch in ganz banalen Situationen des Alltags. Das ist die Erfahrung mit den 20 Auszubildenden, die bereits über das Projekt eine Stelle im Bistum Münster angetreten haben. Etwa, wenn eine Rolltreppe nicht bewältigt werden kann. Oder der lange Weg zur Arbeit zu Fuß bewältigt wird, weil das Fahrscheinlösen überfordert. „All diese kleinen Momente zeigen, worauf sich die jungen Inder hier einlassen“, sagt Kröger.

Projekt ist „Caritas vom Feinsten“

„Das Projekt ist Caritas vom Feinsten“, sagt Eckert. „Weil es eben nicht nur wirtschaftliche und organisatorische Ziele hat.“ Natürlich könnten auf diesem Weg Pflegekräfte gewonnen werden, die in Deutschland fehlten. Auf der anderen Seite werde den Indern geholfen, eine wirtschaftliche Sicherheit zu gewinnen, die sie daheim nicht finden könnten. „Wir wollen an diesem Punkt aber nicht stehen bleiben, sondern die Inder nicht nur als Arbeitskräfte, sondern als Menschen empfangen.“