Pfarrgemeinde plant ohne Fläche des Dorfgemeinschaftshauses

Laggenbeck: Jetzt Streit um Abriss des Kirchenanbaus

Neue Fakten bei den Bauvorhaben rund um die St.-Maria-Magdalena-Kirche: Das angrenzende Dorfgemeinschaftshaus wird davon nicht betroffen sein. Der Kirchenvorstand hat beschlossen, auf den Kauf zu verzichten. Der Widerstand gegen den Erwerb und einen eventuellen Abriss war so groß geworden, dass man sich entschloss, ohne diese Fläche zu planen, sagt Carsten Wellbrock aus dem Kirchenvorstand zu Kirche+Leben.

Da sich die Wogen in der Diskussion um die Zukunft des Dorfgemeinschaftshauses nun glätten dürften, entwickelt sich ein neuer Streitpunkt. Im Zuge der ebenfalls in den Planungen vorgesehenen Kirchenrenovierung soll das angebaute Kirchenschiff, das in den 1960er Jahren entstand, abgerissen werden. An seine Stelle sollen ein kleiner Altarraum und eine Sakristei kommen.

Sorgen und Wehmut

„Diesen Abbruch sehen viele mit großer Sorge und Wehmut“, sagt Peter Kempker. Das langjährige CDU-Ratsmitglied in Ibbenbüren war viele Jahre in der Pfarrgemeinde aktiv. „Es gibt nicht wenige ältere Menschen, die beim damaligen Bau zum Teil viel gespendet haben und somit heute enttäuscht sind.“ Diese Baumaßnahme  sei mit besonders großer Sensibilität anzugehen. „Die Verantwortlichen von der Kirche hätten mit allen Beteiligten sprechen müssen, bevor ein neues Konzept ausgearbeitet wird.“

Das Resultat ist bei vielen ein bitteres Gefühl, beschreibt Kempker: „Man braucht sie und ihre Meinung nicht mehr – das tut ihnen richtig weh.“ Gerade bei jenen, die sich über Jahre in die Arbeit der Pfarrgemeinde ehrenamtlich eingebracht haben, entsteht der Eindruck: „Wenn Hilfe gebraucht wird und wenn Spenden benötigt werden, klopft die Kirche an – wenn es aber um weitreichende Entscheidungen geht, steht man außen vor.“

Keine andere Entscheidung möglich

Carsten Wellbrock versteht diese Gefühle, weist aber darauf hin, dass man mit dem Abriss des Kirchenanbaus wie bei den anderen geplanten Baumaßnahmen die Gemeindemitglieder keinesfalls überrumpelt habe. „Seit mehr als einem Jahr haben wir auf vielen öffentlichen Veranstaltungen darüber informiert.“ Dem Kirchenvorstand sei zudem keine andere Entscheidung möglich: „Wir hätten sonst etwa eine halbe Million Euro in den Erhalt des Anbaus stecken müssen.“

Carsten Wellbrock aus dem Kirchenvorstand der Pfarrei Ss.-Mauritius-Maria-Magdalena.
Carsten Wellbrock aus dem Kirchenvorstand der Pfarrei Ss.-Mauritius-Maria-Magdalena.  | Foto: Michael Bönte

Die Pfarrgemeinde muss die Planungen vorantreiben, da die alten Gebäude zu groß und zu kostenintensiv werden. Das geschieht jetzt ohne die Fläche des Dorfgemeinschaftshauses. Erleichtern werden dies neue Informationen, dass die jetzt nutzbare Fläche rund um die Kirche 500 Quadratmeter größer ist, als bislang angenommen. 6000 Quadratmeter sind es insgesamt. „Anfang kommenden Jahres werden wir nach Abstimmung mit dem Bistum einen Architekten-Wettbewerb ausschreiben.“

Zwei Varianten

In der neuen Planung gibt es grundsätzlich noch zwei Varianten: Entweder werden alle Gebäude und Flächen der Kirche jenseits der Ibbenbürener Straße an einen Investor verkauft. Dann würde neben einem neuen Pfarrheim und einem Kirchenanbau auch ein neuer Kindergarten auf dem Gelände direkt an der Kirche Platz finden müssen. Wenn aber der Investor abspringt, bleibt der Kindergarten voraussichtlich an seinem bisherigen Standort auf der anderen Straßenseite. Nur das alte Pfarrheim und das alte Pfarrhaus würden verkauft und direkt an der Kirche neu unterkommen.

Die Stadt Ibbenbüren muss jetzt entscheiden, ob der Investor die erworbene Fläche für einen Supermarkt gewerblich nutzen kann. Auch dieses Vorhaben steht in der Kritik. Der Vorwurf: Die Pfarrgemeinde habe sich mit Unterstützung des Bistums um einen potenten Geldgeber bemüht, der die Notwendigkeiten und Möglichkeiten in Laggenbeck in seinen Planungen ignoriere. „Das ist falsch“, sagt  Wellbrock. „Der Investor ist auf uns zugekommen.“ Im Vorfeld habe dieser den Bedarf in Laggenbeck genau in den Blick genommen.