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Gast-Kommentar von Stephan Kronenburg, Pressesprecher des Bistums Münster

„Merk-würdige“ Themen in der Kirchen-Blase

Priesterleben, Frauenweihe, Sexualmoral: Es gibt einiges zu diskutieren in der katholischen Kirche. Und es wird kräftig diskutiert. Aber sind das wirklich die Themen, die außerhalb der Kirchen-Blase interessieren? Stephan Kronenburg hat in seinem Gast-Kommentar seinen Zweifel daran.

Der Autor
Stephan Kronenburg ist Pressesprecher und Leiter der Abteilung Medien- und Öffentlichkeitsarbeit des Bistums Münster.

Es gleicht inzwischen in Deutschland fast einem Ritual: Ein Bischof bezieht öffentlich Position zur Frage, wie Kirche in einer pluralen, mobilen, digitalen, individualisierten, demokratischen, Geschlechtergerechtigkeit suchenden Gesellschaft die Frohe Botschaft Jesu Christi verkündigen kann.

Prompt meldet sich ein bischöflicher Mitbruder zu Wort, um klarzustellen, dass er das völlig anders sieht. Eines der wenigen noch existierenden Zentralkomitees, das der Katholiken, äußert sich auch sofort, gefolgt von den Frauen von Maria 2.0, ganz anders sehen das die von Maria 1.0. Und „Wir sind Kirche“ gibt gefühlt schon einen Kommentar ab, bevor es überhaupt diese oder jene Positionierung gibt.

Ist doch toll, könnte man sagen: Endlich eine Institution, die ihre Konflikte über alle medialen Kanäle öffentlich austrägt. Soll noch einer (oder eine) sagen, Kirche kommuniziere nicht transparent.

Die Themen, um die es bei den öffentlichen katholischen Debatten geht, sind dabei – bitte nur im wörtlichen Sinne verstehen! – „merk-würdig“. In jüngster Zeit liefert man sich beispielsweise mediale Wortgefechte um Priesterausbildung, Pastorale Umkehr, Gemeinsame Teilnahme am Sendungsauftrag, zudem um die Frauenfrage und die nach der Sexualmoral der Kirche.

Wen interessiert‘s?

Das sind gewiss alles Themen, die für diejenigen, die sich mit ihnen befassen, von zentraler Bedeutung sind. Und es sind Themen, die wichtig sind für die Weitergabe der Frohen Botschaft, für eine neue Verteilung von Verantwortung und Macht und für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche. Und doch: Diese Themen lassen die überwältigende Mehrheit der Katholikinnen und Katholiken in unserem Land längst kalt, sie sind für sie buchstäblich kein Thema mehr.

Schon das wird in den kommunikativen katholischen Dissonanzen und Blasen kaum wahrgenommen. Die institutionalisierte Kirche in Deutschland, bis hin zum organisierten Laienkatholizismus, hat thematisch, kommunikativ und in der Konsequenz seelsorglich den Anschluss an viele ihrer Mitglieder verloren – von Menschen außerhalb der Kirche ganz zu schweigen. Sie ist oft weit weg von Lebenswirklichkeiten, Lebenssorgen, Lebensthemen.

Um das zu ändern, braucht es Nähe, Lust auf Beziehung, Kommunikation über lebensrelevante Themen, Sorge um die Seelen – und weniger kommunikativ merk-würdige Rituale.

Die Positionen der Gastkommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche+Leben“ wider.

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